Erneutes Treffen der Arbeitsgruppe „Hafenkante“ / Erstes Konzept könnte im April vorgestellt werden

Viele Ideen für den Kommunalhafen

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Mehrere Bereiche des Kommunalhafens könnten zukünftig umfangreich umgestaltet werden. 

HEILIGENHAFEN -ft- Wie wird sich der Kommunalhafen in den kommenden Jahren entwickeln? Zum zweiten Mal tagte am Montag im Klubhaus der Segler-Vereinigung-Heiligenhafen die Arbeitsgruppe „Hafenkante“. Eingeladen hatten die Heiligenhafener Verkehrsbetriebe, die mit der Umsetzung eines neuen Konzeptes zur Umgestaltung des Fischereihafens beauftragt wurden (wir berichteten).

HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel machte nach seiner Begrüßung deutlich, dass anknüpfend an den ersten Workshop jetzt mit Tourismusfachwirt Björn Eichner und Landschaftsarchitekt und Stadtplaner Karl Wefers zwei Fachleute ins Boot geholt wurden, die am Montag die Zukunftsplanung für den Fischereihafen aus ihrer Sicht erläutern sollten. Dabei wurde eines deutlich: Es gibt zahlreiche Ideen, wie mit dem Hafen in Zukunft umgegangen werden kann. Jetzt gilt es, daraus Schlüsse zu ziehen und die für die Stadt Heiligenhafen sinnvollsten und verträglichsten Lösungen zu finden. 

Zunächst zeichnete Björn Eichner vom Tourismus- und Freizeitinstitut „inspektour“ am Montagabend ein Bild der Warderstadt aus touristischer Sicht. Eine Rolle spielte auch der Wettbewerb der Warderstadt mit anderen Seebädern. Auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen punkte Heiligenhafen mit seinem aktiven Fischereihafen, denn es gebe davon nur vier Häfen in der Region bis Travemünde. Um die touristische Entwicklung zu beleuchten, hatte der Referent den Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Hafenkante“ Bausteine mitgebracht, die untermauerten, was der Hafen brauche, um Gäste auf sich aufmerksam zu machen. Ein Erlebnishafen mit Fischkuttern und Kleinfischern, die ihren Fang frisch anbieten, müsste bleiben, dazu könn- ten ein Theaterschiff oder ein Ostseemuseum den Hafen noch anziehender machen. „Sie müssen Ihren Hafen zum Herz der Stadt entwickeln“, sagte Björn Eichner. Touristen möchten am Wasser sein, deswegen kommen sie an die Küste, doch auch hier sei Aufenthaltsqualität ein wichtiges Thema. „Dazu gehören gute Restaurants, vielleicht eine Hafen-Lounge, aus der man das Treiben im Hafen beobachten kann, Szenegastronomie, eine urige Hafenkneipe, vielleicht eine Brauerei oder Fischräucherei.“ Eine Seilbahn über dem Hafen, ein Karussell, Grünflächen, Parkplätze und Schiffe, die man besichtigen könnte, zählte er ebenfalls auf. Viele Anregungen, die die Arbeitsgruppe „Hafenkante“ jetzt diskutieren muss. 

Ein Bild der praktischen Seite der Hafenentwicklung zeichnete Karl Wefers, der weit in die Vergangenheit des Hafens zurückging. In den 30er-Jahren war es die Eisenbahn, die an den Hafen andockte und den Weg für den Landhandel freimachte. Das spiegele sich auch heute noch in den Eigentumsverhältnissen mit LEV, Werft, Autokraft und Segelverein wider. Die Entwicklung der letzten Jahre habe sich jedoch auf den Stein- und Graswarder konzentriert. Durch die neue Bebauung sei der Hafen quasi zur Stadtmitte geworden, so Karl Wefers. Welche Gebäude sollten erhalten werden, welche könnten weichen? Da die LEV auch über eine Änderung am Standort Heiligenhafen nachdenkt und so Flächen frei werden, sei eine zeitgemäße Entwicklung erst möglich. Mittelfristig müsse man auch mit der Autokraft reden, denn der Beförderungsvertrag laufe nur bis 2022, dann erfolge eine neue Ausschreibung. Auch der Verkehrsbereich müsse in den Fokus gerückt werden, denn es gäbe weiter Lastwagenverkehr durch die LEV. Wichtig wäre es auch, die Wegeverbindung durch den Hafen nach Osten neu zu definieren, denn auch der Fahrradtourismus werde weiter zulegen. Ein weiteres Ziel müsse es sein, die Achsen zwischen Altstadt und Hafen neu zu beleben. Hier sei der Durchblick zum Hafen nicht gegeben. Fazit: Das alles sei nicht kurzfristig umsetzbar, sondern wäre ein Planung, die sich über viele Jahre hinziehen würde.

Schneller könnte es gehen, die Kleinfischerbrücke aufzuwerten und für Gäste attraktiver zu machen. Der Planer dachte auch daran, den Platz hinter der Fischhalle umzugestalten und in die Hafenpromenade mit einzubeziehen. Auch von der Ostmole habe man einen schönen Blick über den Hafen, das sollte genutzt werden. Beschäftigen müsse man sich auch mit der Verkehrsplanung rund um den Hafen. Karl Wefers griff den Gedanken auf, die Hafenstraße als Hauptdurchgangsstraße zu verlegen und die Verbindung Altstadt und Hafen aufzuwerten. 

Für Niclas Boldt ist ein Hafen grundsätzlich ein knappes Gut. Wenn ein Hafen wirtschaftlich darnieder liege, sei es klar, dass das auch die Gemeinde belaste. Das würde aber nicht bedeuten, „dass wir alles für den Tourismus öffnen, um daraus einen Freizeitpark zu machen“, so Boldt. Der Hafen sei mittel- und längerfristig ein Arbeitshafen gewesen und das sollte er auch bleiben. Unter dem Begriff „Leitplanken“ fasste Karl Wefers im Anschluss die zukünftige Entwicklung zusammen. „Der Hafen ist wichtig für die Stadt und hat ein Alleinstellungsmerkmal.“ Trotzdem begrüße man neue Entwicklungen. Der gewerbliche Charakter des Hafens sei zu erhalten, der Standort Landhandel und auch die Werft hätten Vorrang vor anderer Nutzung. Die Fischerei müsse weiter unterstützt werden, weil Fischfang für den Hafen ein sehr gutes Merkmal sei. Sorge bereite der Rückgang des Schiffsbestandes durch Einschränkungen in der Fischerei. 

Zur Zeitplanung befragt, sagte Karl Wefers, dass man im April die ersten Konzepte vorstellen sollte, damit man im Sommer fertig sei, um dann Fördermittel beantragen zu können. Bis ein Bebauungsplan stehen könnte, würden aber mit Sicherheit noch zwei Jahre ins Land ziehen, so Wefers abschließend. 

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