Ohne Sonne kein Eis – bedeckter Himmel bei der Lichtmesswette „garantiert“ freies Wasser

Fehmarnsund friert nicht mehr zu

Genau um 12 Uhr richtete „Seeförster“ Fritz Ulrich seinen Sextanten in den Himmel, um die Sonne zu „schießen“.

HEILIGENHAFEN/FEHMARN (st) • Heiligenhafens „Seeförster“ im Ruhestand, Fritz Ulrich, konnte mit seinem Sextanten um Punkt 12 Uhr mittags an DLRG-Turm 7 am Warderstrand keinen Sonnenstrahl ausmachen.

Der Himmel war mit einer dichten Wolkendecke verhangen. Ohne Sonne konnte auch die 31. Lichtmesswette nicht gelingen, was zur Folge hat, dass der Fehmarnsund in diesem Jahr nicht mehr zufriert. Diese Prognose konnte der Meteorologe und selbstständige Wetterfrosch (u. a. für das Schleswig-Holstein Magazin) Meno Schrader nur bestätigen. Er war zur Aufzeichnung seiner Wettervorhersage an den Heiligenhafener Ostseestrand gekommen.

Die überlieferte Wetterregel zur Lichtmesswette, die Karl-Christian Schnoor und sein Grog-Kollegium vor über 30 Jahren ins Leben gerufen haben, lautet: „Wenn Mariä Lichtmess mittags die Sonne so lange scheint, wie ein Reiter braucht, um ein Pferd zu satteln, dann friert in diesem Winter der Fehmarnsund noch zu!“ Als sich um zehn Uhr die Gäste und Offiziellen im „Gill-Hus“ versammelten, um sich mit den „Groggies“ die Zeit bis  zum großen Ereignis zu vertreiben und Wetten auf den Ausgang des Geschehens abzugeben, war schon abzusehen, dass die Chancen für einen Kälteeinbruch noch in diesem Winter schlecht stehen.

Einsatz für die „Siebte Kavallerie“ blieb aus

Als dann um 11.30 Uhr der letzte Wettzettel bei Wettermacher Heinz Hampf, der dieses Amt zum ersten Mal in Vertretung für Willi Höft bekleidete, eingegangen war, marschierte die Gesellschaft, angeführt von Karl-Christian Schnoor, über den Gildeplatz zum DLRG-Turm 7, an dem bereits die „Siebte Kavallerie“ zum „Auftakeln“ – so nannte ein des Reitens unkundiger Heiligenhafener Seemann einmal das Aufsatteln – bereitstand. Die Lichtmessreiterei, benannt nach dem Rettungsschwimmerturm, wartete auf das Kommando des Vormannes Schnoor.

Bevor die Lichtmesswette startete, stieg Wolfgang Kulow in die Ostsee, um die Wassertemperatur zu bestimmen und nach möglicherweise bereits vorhandenen Eisschollen ausschau zu halten. Fünf Grad zeigte sein Thermometer an, als er den lauen Fluten wieder entstieg – ohne Eisschollen.

Auf die Sekunde genau um 12 Uhr richtete Fritz Ulrich dann seinen Sextanten in den Himmel, um mit diesem „die Sonne zu schießen“, sie ausfindig zu machen und ihren Standort zu bestimmen. Doch die Sonne versteckte sich hinter einer dichten Wolkendecke. Daraufhin konnte Schnoor verkünden: „Die Sonne scheint nicht, der Fehmarnsund wird nicht zufrieren.“ Bei den für diese Jahreszeit recht milden Temperaturen hätte von den Anwesenden wahrscheinlich keiner mit einem anderen Ausgang der Wette gerechnet.

"Wetterfrosch" Meno Schrader bestätigte die Prognose

Der Mann, der es genau wissen müsste, Meno Schrader, hatte dazu Folgendes zu sagen: „Es wird ein neues Tief mit etwas Schnee kommen, aber, dass ein Gewässer zufriert, erst recht so eines wie der Feh- marnsund hier, ist nun wirklich nicht zu erwarten.“

Die Lichtmesswette als Kulisse für die Aufzeichnung seines Wetterberichtes hat ihm jedoch sehr gut gefallen: „Das ist eine nette Idee, es ist ein Spaß.“ Von Bauernregeln – wenn man die Lichtmesswette als solche bezeichnen will – hält der Meteorologe nicht allzu viel, denn selbst, wenn sie einmal einen Wahrheitsgehalt besaßen, so sei dieser durch den Klimawandel zunichte gemacht.

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