Premieren-Ausstellung und Konzert in der neuen Galerie „G 17“ / Bilder legten weiten Weg zurück

Fjordlandschaften in Heiligenhafen

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Fjordlandschaften, gemalt von Prof. Dr. Hans Grupe, und Bilder des russischen Malers Robert Landarski waren am Wochenende neben Keramikarbeiten und Silberschmuck in der Galerie „G 17“ zu sehen.

HEILIGENHAFEN (ft) · Der Winter hatte Heiligenhafen fest im Griff, doch die Kunstausstellung in den Räumen der neuen Galerie „G 17“ in der Bergstraße zog dennoch ein Völkchen von Kunstliebhabern an.

Da waren die Keramikarbeiten von Gerda Müller aus Heiligenhafen und der handgearbeitete Silberschmuck aus der Werkstatt von Rebekka Barth aus Lübeck. Aus Rothenburg an der Wümme angereist war Heinz Grupe, um die Bilder seines Vaters Prof. Dr. Hans Grupe vorzustellen. Der Maler hatte 1940 seinen Wehrdienst auf der norwegischen Insel Utsira abgeleistet, um das Deutsche Reich gegen die Engländer zu verteidigen. Doch nur selten ließ sich ein englisches Flugzeug blicken, sodass Hans Grupe viel Zeit zum Malen hatte. So entstanden die schönen Fjordlandschaften, die jetzt in der Galerie zu sehen waren.

Auch einen weiten Weg zurücklegen mussten die Bilder von Robert Landarski aus Weißrussland. Viele seiner Werke wurden schon auf Ausstellungen in Minsk, Moskau, Brjansk, Gomel und auch in Frankreich und Österreich gezeigt. So hatte der „KunstVerein Heiligenhafen“ eine interessante Premieren-Ausstellung zu bieten, die noch mit einem Konzert von M. A. Dvorak (Gesang und Gitarre) und Brigitte Heinrich (Violincello) mit Degenhardt-Liedern gekrönt wurde.

Der gebürtige Heiligenhafener Michael Dvorak hatte ein interessantes Programm zusammengestellt, das er gemeinsam mit seiner Cellopartnerin Brigitte Heinrich vor vollem Haus präsentierte. Die Lieder stammten aus den Jahren 1963 bis 1966,  als  Degenhardt sich noch als Bänkelsänger verstanden wissen wollte, der singend von Ereignissen berichtet, sie aber nicht bewertet.

Trotzdem schimmerte für den politisch interessierten Zuhörer immer wieder Degenhardts Gesellschaftskritik durch. Michael Dvorak verstand es, Degenhardts Lieder in wahrer Bänkelsängertradition vorzutragen, fast erzählend, sehr akzentuiert, damit auch ja kein Wort verloren ging, leichthändig auf der Gitarre untermalt. Brigitte Heinrich am Cello begleitete außerordentlich fantasievoll, jedoch immer dezent: Manchmal erklang nur eine  einfache zweite Stimme, dann aber spielte sie auch völlig eigenständige Melodien, die an kleine Improvisationen erinnerten.  Auf diese Weise bekamen die Lieder zusätzlich Spannung und Ausdruck.

So begann Michael Dvorak mit dem Lied „Sonntags in der kleinen Stadt,“ in der die spießige deutsche Kleinstadt-idylle besungen wird, die nur vordergründig  beschaulich erscheint. Das verstörende Lied „August der Schäfer hat Wölfe gehört“ mit dem fast surrealen Text mahnt einzugreifen, bevor es zu spät ist. Nach vielen weiteren bekannten Balladen sang Dvorak zum Schluss das wohl bekannteste Degenhardtlied: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, in dem es um die Angst des Bürgertums vor Andersartigkeit und schlechten Einflüssen geht.  

Damit endete ein unterhaltsames und musikalisch anspruchsvolles Konzert. Dem neuen „KunstVerein Heiligenhafen“ ist es gelungen, eine anspruchsvolle Musikveranstaltung in die Galerie „G 17“ zu holen. Die zahlreichen Zuhörer dankten den Künstlern mit lang anhaltendem Applaus.

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