Kutter „Stella Polaris“ in der Hafeneinfahrt in Heiligenhafen.
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Der Fischkutter „Stella Polaris“ prägte lange das Hafenbild von Heiligenhafen. Heute machen sich er und der Kutter „Odin“ zu ihrer letzten Fahrt nach Dänemark zur Abwrackwerft in Grenaa auf.

Die Fischkutter „Stella Polaris“ und „Odin“ verlassen die Warderstadt ein letztes Mal

Eine Ära geht zu Ende: Heiligenhafener Fischkutter auf dem Weg zur Abwrackwerft

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
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Die beiden Fischkutter „Stella Polaris“ und „Odin“ prägten ein Vierteljahrhundert lang das Hafenbild von Heiligenhafen. Doch am heutigen Freitag verlassen die beiden Schiffe ihren Heimathafen und brechen zu ihrer letzten Reise auf. Ziel: die Abwrackwerft in Grenaa.

  • Bitterer Einschnitt der Küstenfischerei: Zwei prägende Schiffe verlassen Heiligenhafen.
  • Existenzfähiger Betrieb für große Fahrzeuge ist einfach nicht mehr möglich.
  • John Much, Eigner der „Stella Polaris“, erhält vom Staat eine Abwrackprämie.

Heiligenhafen – „Damit endet ein trauriges Kapitel der deutschen Küstenfischerei und eine Ära in den beiden Fischereifamilien Much und Foth, die über Generationen den Fischfang betrieben haben“, blickt der Geschäftsführer der Küstenfischer Nord, Ulrich Elsner, wehmütig zurück.

Die beiden Kutter seien Mitte der 90er-Jahre in den Dienst gestellt worden, erklärt Elsner. „Das waren tolle Fangschiffe der deutschen Küstenfischerei. Für Heiligenhafen scheiden zwei große Kutter aus. Die Fischereigenossenschaft verliert dadurch Umsätze, die sie anderweitig auffangen muss.“ Elsner sieht nun schwere Zeiten auf die Fischer in Heiligenhafen zukommen: „Die in den letzten Jahren rückläufige Entwicklung der Fangquoten in der Ostsee, die mit einem Dorschfang- sowie Heringsfangverbot für 2022 ihr vorläufiges Ende findet, sowie die zunehmenden Restriktionen durch Fangverbote und Sperrgebiete lassen einen existenzfähigen Betrieb der größeren Fahrzeuge nicht mehr zu.“ In den nächsten drei Jahren geht er davon aus, dass kein Schleppnetz-Fahrzeug mit über zwölf Metern Länge dauerhaft überleben könne. Die kleineren Kutter würden nur überleben, wenn sie ihre Privatvermarktung vornehmen.

„Die Perspektiven für diese Schiffe sind ganz schrecklich. Es verändert sich hier nicht zum Guten.“

John Much, Besitzer des Kutters „Stella Polaris“

Für den Besitzer des Kutters „Stella Polaris“, John Much, werden die kommenden Jahre gewöhnungsbedürftig sein. „Ich helfe in der Fischereigenossenschaft mit und werde Seemannsrente beantragen“, sagt der 59-Jährige und fügt hinzu: „Die Perspektiven für diese Schiffe sind ganz schrecklich. Es verändert sich hier nicht zum Guten.“ Er wird für sein Schiff, das 1995 für 3,5 Millionen D-Mark gebaut wurde, einen Schrottpreis und eine Ausgleichszahlung des Bundes erhalten.

Todeszonen im Wasser, wo nichts mehr lebt

Noch vor drei Jahren hatte Much Hoffnung für die Fischerei in Heiligenhafen, aber „jetzt gibt es teilweise Todeszonen im Wasser, wo wirklich nichts mehr lebt“. In den tieferen Regionen herrsche ein Sauerstoffproblem, ergänzt Elsner. Es werde durch menschliche Einflüsse wie den Einfuhren von Düngern und Schadstoffen verschärft. Dorsche würden so beispielsweise gar nicht mehr aufwachsen können, da ihre Eier Sauerstoff benötigen. An Land hingegen würden den Fischern unterdessen große Aufkommen von Kormoranen sowie Robben beim Fischfang Konkurrenz machen.

Elsner und Much vertreten beide die Meinung, dass es weniger die Fischer seien, die für die wenigen Fische in der Ostsee verantwortlich sind, sondern zum größten Teil die von ihnen vorher beschriebenen Einflüsse. Much geht sogar davon aus, dass auch eine zehnjährige Pause die Bestände nicht wieder wachsen lasse, da die Schadstoffe noch stärker einwirken würden.

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