Geowissenschaftler Dr. Klaus Schwarzer gestern zu Gast / Schmaler werdende Strände begutachtet

Buhnenbau keine Absage erteilt

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Dr. Klaus Schwarzer (Fünfter von links) traf sich zusammen mit Heiligenhafener Ausschussmitgliedern am Strand.

HEILIGENHAFEN -ft- Hohe Erwartungen setzten die Mitglieder des Wirtschafts- und Stadtentwicklungsausschusses in den Besuch des Kieler Geowissenschaftlers Dr. Klaus Schwarzer, der auf Einladung der SPD gestern nach Heiligenhafen gekommen war. Schwarzer bestätigte den Kommunalpolitikern, dass vor den Küsten von Stein- und Graswarder ein ständiger Sedimenttransport stattfinden würde. Auch Schwarzer sieht einen Teil des Steinwarders gefährdet, denn es könnte bei starken Stürmen durchaus zu einem Durchbruch an der schmalen Stelle Höhe Yachthafen kommen. Wenn die Stadt Testbuhnen bauen wolle, sei dort der richtige Standort.

In diesem Fall gehe es auch um Küstenschutz, für den die Landesregierung Fördermittel bereitstellen könnte. Dem Buhnenbau vor dem Steinwarder stand Schwarzer unterdessen kritisch gegenüber. Eine Absage kam aber nicht über seine Lippen. Es könne durchaus klappen, wenn ein guter Wasserbau-Ingenieur die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser Küste einbinden könnte. Dabei sollte er sich auch auf die Grundlagenarbeit des Geowissenschaftlers stützen. Das Problem am Heiligenhafener Strand sei die sogenannte Hensenbuhne im Westen, die den Sandtransport von der Küste fernhalte. Ein Sedimenttransport sei an der ganzen Küste vorhanden, werde aber durch die in die Ostsee ragende Buhne abgeleitet. So entstehen die vielen Sandbänke weit vor dem Strand. „Die flachen Unterwasserriffe bremsen aber auch die Wucht der Wellen, die zum Strand laufen“, sagte Dr. Klaus Schwarzer. Einen Wellenbrecher an dieser Stelle zu bauen oder Sand aus dem flachen Unterwasserbereich abzutragen, davon riet der bekannte Wissenschaftler ab. Das würde dazu führen, dass bei Sturm die Wellen mit noch größerer Wucht auf den Strand treffen.

Wie Dr. Schwarzer deutlich machte, gingen die Küsten in Schleswig-Holstein im Jahr um fast 30 Zentimeter zurück. Das liege am steigenden Meeresspiegel. Wer Buhnen bauen wolle, müsse auch bereit sein, Sand einzubringen. In Heiligenhafen hofft man, durch den Bau von Testbuhnen den Strand zu halten und neuen zu gewinnen. Wenn Buhnen gebaut werden sollen, dann empfiehlt Schwarzer, auf Kiefernholz zu verzichten. Wie die Praxis zeige, habe der Schiffsbohrwurm in der Ostsee diese Weichholzbuhnen in wenigen Jahren zerstört. Tropische Hölzer wie Eukalyptus würden dagegen viel länger halten. Um die Wirkung dieser Buhnen feststellen zu können, müssten langjährige Messungen stattfinden.

Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) sah sich in seiner Auffassung bestätigt und sieht in einem Testbuhnenfeld aus wasserdurchlässigen Holzbuhnen eine gute Möglichkeit, gefährde Stellen wie am Yachthafen zu schützen. Vergleiche mit den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns wollte Schwarzer nicht aufkommen lassen. „Die Küsten im Nachbarland haben neben der Düne oft einen Küstenschutzwall und dann einen Deich.“ Dazu komme ein langer Puffer aus Sandstrand und Vegetation, was den Wellenauflauf bremse. In Schleswig-Holstein gäbe es eine ganz andere Situation, denn die Verfügbarkeit von Land sei hier viel geringer. Der Besuch von Dr. Schwarzer hat gezeigt, dass der Bau von Testbuhnen durchaus Erfolg haben kann. Erfolgsgarantien gibt es aber nicht. So gilt weiter: Probieren geht über studieren. Eins ist aber auch sicher: Wenn am Steinwarderstrand gar nichts passiert, muss in der Warderstadt darüber nachgedacht werden, wo die vielen neuen Gäste im Sand liegen und sich sonnen können. Wie schmal der Heiligenhafener Badestrand in bestimmten Teilen des Steinwarders geworden ist, davon konnte sich Dr. Klaus Schwarzer bei einer Strandbegehung noch einmal überzeugen.

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