Stiftung Naturschutz ist Käuferin / Peter Ascheberg wittert einen „ungeheuerlichen Skandal“

Graswarder klammheimlich verkauft

Der Graswarder ist am 25. August 2006 vom Land Schleswig-Holstein an die Stiftung Naturschutz veräußert worden.

Der Graswarder ist am 25. August 2006 vom Land Schleswig-Holstein an die Stiftung Naturschutz veräußert worden.

HEILIGENHAFEN (ft) • Heiligenhafens Naturschutzgebiet Graswarder wurde am 25. August 2006 von der Liegenschaftsverwaltung, einer Abteilung im Kieler Finanzministerium, an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein verkauft. Das bestätigte gegenüber der Heiligenhafener Post gestern Horst Langsch von der Liegenschaftsverwaltung des Landes.

Der Verkauf muss klammheimlich abgewickelt worden sein, denn selbst im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume wusste man auf Staatssekretärsebene nichts davon. Stellt sich die Frage, warum der Verkauf in aller Stille abgewickelt wurde.

Auch Bürgermeister Heiko Müller, den die HP am Donnerstag in seinem Urlaubsdomizil auf Gran Canaria erreichte, sei von offizieller Stelle keine Nachricht über den Verkauf erteilt worden. Er habe nur über Klaus Dürkop, den Referenten des Naturschutzgebietes Graswarder, davon gehört.

Kein Vorkaufsrecht für die Stadt Heiligenhafen

Im Rathaus bestätigte der Abteilungsleiter der Bauverwaltung, Eberhard Schmidt, dass die Verwaltung wegen Ausübung des möglichen Vorverkaufsrechtes vom Notar einen Teilvertrag mit geschwärzten Preisen nach Abschluss des Verkaufsfalles erhalten habe. Da ein gesetzliches Vorkaufsrecht nicht vorlag, habe man nach Paragraf 24 des Baugesetzbuches das „Negativ-Attest“ erteilt, so die Mitteilung der Stadtverwaltung.

Der amtierende Bürgermeister und SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Ascheberg zeigte sich äußerst erstaunt über den Vorgang. Ascheberg: „Von einem solchen Verkauf ist mir bis heute nichts bekannt. Gäbe es einen solchen Verkauf, wäre der Bürgermeister verpflichtet gewesen, zumindest die Mitglieder des Hauptausschusses sofort zu informieren.“ Der SPD-Fraktionschef nannte es einen „ungeheuerlichen Skandal“, wenn so ein Verkauf tatsächlich mit dem Land ausgehandelt worden sei.

„Die Stadt kann möglicherweise kein Vorkaufsrecht geltend machen, aber die Fläche liegt in unserem Stadtgebiet und dann ist aus meiner Sicht selbstverständlich bei Verkaufsanfragen immer die Stadt mit einzubeziehen“, erklärte Ascheberg weiter.

Von der Veräußerung des Naturschutzgebietes Graswarder wurden auch der NABU-Orts- sowie der Landesverband überrascht. Sie hätten sich gewünscht, in die Verkaufsverhandlungen mit einbezogen zu werden. Zumindest hätte sich der NABU ein offizielles Gespräch über den Verkauf und die möglichen Folgen gewünscht.

Dr. Walter Hemmerling hatte als geschäftsführender Vorstand der Stiftung Naturschutz Klaus Dürkop vor ein paar Wochen vom Verkauf des Graswarders informiert.

NABU zukünftig Partner der Stiftung Naturschutz

Wie geht es nun weiter mit dem Naturschutz auf dem Graswarder? Diese Frage richtete Klaus Dürkop am Mittwoch am Rande der Kreis-Naturschutz-Beiratstagung in Eutin an Dr. Walter Hemmerling. Von ihm erfuhr Dürkop, dass der NABU zukünftig Partner der Stiftung sei und die Nutzung so bleibe wie bisher. Wobei Hemmerling laut Dürkop einschränkend hinzugefügt habe, dass natürlich die Stiftung Naturschutz ihre Interessen in Zukunft wahrnehmen werde. So könnte es in Zukunft eine Änderung bei der Beweidung des Graswarders geben, denn in einer Informationsbroschüre der Stiftung Naturschutz heißt es: „Naturschutz, Erholung und landwirtschaftliche Nutzung im Einklang, das ist die Idee der sogenannten halboffenen Weidelandschaft.“ Die Stiftung verfügt auf Landesebene derzeit über rund 35 dieser Weidelandschaften in einer Ausdehnung von fast 2500 Hektar.

Dazu Klaus Dürkop: „Wir haben auf dem Graswarder schon ein Beweidungssystem. das in Zusammenarbeit mit der Uni Kassel und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Pilotcharakter hat.“

Die Stiftung werde behilflich sein, die Beweidung in der Winterzeit sicherzustellen, um Problempflanzen wie Binsen sowie die Schilfentwicklung zu reduzieren.

„Zu sehr günstigen Konditionen verkauft“

Wie der Pressereferent der Stiftung Naturschutz, Thomas Voigt, gegenüber der HP mitteilte, habe das Finanzministerium das Naturschutzgebiet Graswarder der Stiftung zum Kauf angeboten. Das Ministerium hätte natürlich die Betroffenen informieren müssen. Die Stiftung als Käuferin habe sich solange „bedeckt“ gehalten, bis der Kauf abgewickelt gewesen sei. Dann sei man aber an die Öffentlichkeit gegangen. Die Stiftung habe nie auf die Fläche spekuliert, da alles im Landesbesitz gewesen und der Naturschutz auf dem Graswarder in besten Händen sei. Thomas Voigt ließ durchblicken, dass die 83 Hektar des Naturschutzgebietes zu sehr günstigen Konditionen gekauft werden konnten.

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