Blick auf die Freifläche an der Mole in Großenbrode.
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Für die Freifläche an der Mole gilt seit Mittwochabend ein zweijähriger Planungsstopp. Was die Zukunft bringt, bleibt abzuwarten.

Gemeindevertretung tritt Bürgerbegehren bei

Hotelplanung in Großenbrode wurde gestoppt

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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  • Patrick Rahlf
    Patrick Rahlf
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Die Großenbroder Gemeindevertretung tritt dem Bürgerbegehren gegen einen Hotelneubau an der Mole bei. Dadurch sind die Planungen nun für zwei Jahre gestoppt. Der Hotel-Investor Rolf Seelige-Steinhoff steht weiterhin für Gespräche bereit.

  • Zählgemeinschaft stimmte jetzt auch für das Bürgerbegehren gegen den Hotelneubau.
  • Die Gemeinde kann eine Ausnahmegenehmigung für den Hotelneubau auch noch später erhalten.
  • Hotel-Investor möchte weiterhin an konstruktiven Gesprächen festhalten.

Großenbrode –ra/mb– Erfolg auf ganzer Linie für die Initiatoren des Großenbroder Bürgerbegehrens: In der Gemeindevertretersitzung am Mittwochabend verkündete Markus Jordan in der Einwohnerfragestunde, dass die Kommunalaufsicht das Bürgerbegehren gegen den Bau eines Hotels an der Mole für zulässig erklärt hat. Der Weg für einen Bürgerentscheid sei somit frei, so Jordan. Doch dazu wird es gar nicht mehr kommen, denn die Großenbroder Gemeindevertretung ist dem Bürgerbegehren im Laufe der Sitzung einstimmig beigetreten. Nachdem sich die Zählgemeinschaft (CDG, SPD und FDP) in den vergangenen Wochen und Monaten noch gegen das Bürgerbegehren ausgesprochen hatte, wurde am Mittwochabend einem CDU-Antrag zugestimmt. 

Somit bleibt den Großenbrodern der Gang zur Wahlurne erspart, denn mit dem vollumfänglichen Beitritt der Gemeindevertretung gilt seit dem 9. Dezember ein zweijähriger Planungsstopp für das Areal an der Mole. „Wir fühlen uns als CDU, die das Thema erst so richtig öffentlich gemacht hat, in unserem politischen Weg bestätigt“, sagte CDU-Fraktionssprecher Hans Sehmel gestern auf Nachfrage und spielte damit auf die mehr als 900 Unterschriften von Bürgern an, die innerhalb kürzester Zeit gesammelt worden sind. Sehmel: „Man hätte sich die Auseinandersetzungen der vergangenen Monate ersparen können, hätten sich alle Fraktionen an die Absprache gehalten, das Grundstück mit einem B-Plan für die Zukunft zu sichern.“

Markus Jordan war nach der Sitzung am Mittwochabend fast sprachlos. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass nach zweimaliger Ablehnung die Zählgemeinschaft doch noch dem Bürgerbegehren beitritt. Damit ersparen wir der Gemeinde einen Bürgerentscheid“, so Jordan. 

Neuer Anlauf für Hotel schon in zwei Jahren?

Doch wie geht es nun weiter? Bekanntlich muss entlang von Nord- und Ostsee ab dem 23. Juni kommenden Jahres auch innerorts ein Küstenschutzstreifen von 150 Metern von jeder Bebauung freigehalten werden. Das Areal an der Mole würde teilweise von dieser neuen Regelung betroffen sein. „Ich habe in den vergangenen Wochen sehr viele Gespräche geführt, und es ist mir bestätigt worden, dass wir eine Ausnahmegenehmigung für einen Hotelbau an dieser Stelle auch noch später erhalten können – auch wenn es nun einen zweijährigen Planungsstopp gibt“, sagte Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG) gestern auf Nachfrage. „Mit diesem Wissen ist uns der Beitritt zum Bürgerbegehren nicht schwergefallen und für alle die derzeit beste Lösung.“ Die vielen Unterschriften hätten gezeigt, dass der Ort noch nicht reif für ein Hotel in dieser Größenordnung sei, so der Bürgermeister.„Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben, bringen das Verkehrskonzept voran und schauen dann, wie die Stimmung in zwei oder drei Jahren ist.“ Reise sei erleichtert, dass einerseits dem Bürgerwillen entsprochen worden sei, aber auf der anderen Seite das Grundstück noch immer für eine Hotelbebauung genutzt werden könne. „Somit ist das Grundstück noch immer vier Millionen Euro wert“, so Reise.

Markus Jordan kann sich dagegen nicht vorstellen, dass die Großenbroder in zwei oder drei Jahren ein großes Hotel in ihrer Gemeinde mehrheitlich begrüßen würden. „Wenn die Pläne schon so zeitig wieder auf den Tisch kommen sollten, wird sicher auch der Widerstand aus der Bürgerschaft erneut groß sein.“ Er und seine Mitstreiter wollen sich weiterhin für mehr Transparenz in Großenbrode einsetzen.

Hotel-Investor will mit der Gemeindevertretung im Gespräch bleiben

„Wir waren überrascht“, kommentierte Investor Rolf Seelige-Steinhoff die Entwicklung gegenüber der HP. 38 Millionen Euro will der Diplom-Ingenieur und -kaufmann gerne in Großenbrode investieren.

Der Betreiber von 17 Hotels hatte immer wieder betont, dass Großenbrode großes Potenzial habe. Entsprechend bekenne man sich weiterhin zum Standort. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, wenn die Gemeinde weiterhin Interesse hat“, so Seelige-Steinhoff und betonte: „Wir haben viel Zeit und Geld – weit über 100000 Euro – in die Vorplanung investiert, haben gezeigt, dass wir es ernst meinen und tief im Thema drinstecken.“

Allerdings sei deutlich geworden, dass es noch offene Fragen gebe, beispielsweise bei den Themen Lärm und Verkehrsfluss. „Die Gemeinde muss noch ihre Hausgaben machen. Dabei geht es nicht darum, recht zu haben, sondern um die Einbindung der Menschen vor Ort.“ Nicht Fakten schaffen, sondern alle Themen auf den Tisch legen, wünscht sich Seelige-Steinhoff, und an diesem Prozess wolle man sich gerne weiterhin beteiligen. „Wir werden jetzt nicht zwei Jahre aus der Welt sein.“

In der kommenden Zeit will der Investor an die „konstruktiven Gespräche mit den Akteuren vor Ort“ nahtlos anknüpfen. Denn: „Wir sind in Großenbrode herzlich empfangen worden.“ Es sei miteinander stets ein fairer Umgang gewesen

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