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CDU- und BfG-Mitglieder stehen auf der Freifläche an der Mole, wo das Hotel gebaut werden soll.

Großenbrode: CDU und BfG reagieren auf Bürgermeister-Aussagen

„Bezug zum Wähler verloren“

Großenbrode -ra- Bezugnehmend auf den HP-Artikel „Einstimmig grünes Licht erhalten“, in dem Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG) Stellung zu dem geplanten Hotelprojekt an der Mole nahm, stellen nun die CDU- und BfG-Fraktionen der Großenbroder Gemeindevertretung ihre Sicht der Dinge dar.

„Es ist richtig, dass am 11. Dezember 2019 einstimmig der Beschluss gefasst worden ist, das Flurstück 148 aus dem bestehenden Bebauungsplan Nummer 26 herauszulösen, um das Planungsziel Hotelerrichtung an dem Standort künftig zu erleichtern und für nachfolgende Generationen zu sichern. Und genau hier endete der ‚klare Auftrag‘, auf den sich Bürgermeister Reise nun beruft“, sagte der Großenbroder CDU-Gemeindevertreter Jörn Koch. Es seien sich bis heute alle Gemeindevertreter darüber einig, dass dies der ideale Standort für ein Hotel sei, so die CDU- und BfG-Fraktion. „Allerdings sollte dieses Grundstück unangetastet bleiben, bis ersichtlich ist, was unser Dorf überhaupt noch verkraften kann. Großenbrode sollte erst einmal Luft holen“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. In der Dezembersitzung habe der Bürgermeister zudem deutliche Worte gefunden, so die beiden Fraktionen. „Niemand plant zur jetzigen Zeit einen Hotelbau beziehungsweise die zeitnahe Umsetzung.“ Diese Aussage sei dort von allen Anwesenden vernommen worden, „sodass die Gemeinderatsmitglieder den einstimmigen Beschluss gefasst haben, um die Fläche perspektivisch zu sichern“, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Sehmel und ergänzte: „Rückblickend erinnern Reises Worte an Walter Ulbricht: ‚Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!‘“

Auch das gestreute Gerücht, man müsse um die Förderung der neuen Promenade bangen, sollte kein Hotel an der Mole gebaut oder eine Adventure-Golfanlage am „Vier Jahreszeiten“ errichtet werden, sei schlichtweg die Unwahrheit. Auf Nachfrage der CDU und BfG bei der zuständigen Amtsverwaltung und dem Wirtschaftsministerium sei dies ausdrücklich verneint worden. „Hier wird bewusst mit Ängsten gespielt, um die umstrittene Vorgehensweise zu rechtfertigen“, sagte Birgit Wigger (CDU). Ebenfalls haben beide Fraktionen einen Blick darauf geworfen, was in Großenbrode in den kommenden Jahren zu erwarten sei. „Die ‚Meervilla 54‘ mit 48 Wohneinheiten und 30000 Übernachtungen jährlich, ‚Südstrand 44‘ mit 23 Wohneinheiten und rund 15000 Übernachtungen, eine Feriensiedlung ‚Am Hohen Ufer‘ mit rund 25000 Übernachtungen und das Hotelprojekt an der Mole mit 138 Zimmern und circa 75000 Übernachtungen“, rechnete Nicole Becker, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes Großenbrode, vor. Das Fazit seien rund 145000 Übernachtungen zusätzlich pro Jahr in Großenbrode – die geplante Hafenerweiterung und zusätzliche Tagesgäste nicht mit eingerechnet. Im Dorfgebiet drohe eine zusätzliche Verkehrsbelastung, unter anderem durch die Bauprojekte „Brody“/Teichstraße 9 sowie „Smedegrund“/Schmiedestraße 13.

„Wir sind uns sicher, dass diese Ausmaße unser Dorf zum Kollabieren bringen. Bereits in diesem Sommer ist Großenbrode an seine Kapazitätsgrenze gestoßen“, sind sich CDU und BfG einig. Die Erkenntnis des Bürgermeisters, dass die Gemeinde eine Umgehungsstraße brauche, reiche allein nicht aus, um den Verkehr an der Strandstraße vorbei zu führen. „Die Zufahrt zum Kai alternativ sicherzustellen, gestaltet sich aufgrund der Lage mehr als schwierig. Die Möglichkeiten, den Verkehrsfluss umzuleiten, werden von Jens Reise nicht konkret genannt. Kann es daran liegen, dass hier eventuell eine Umgehungsstraße nur über die Anklamer Allee und den Naturerlebnispfad umsetzbar ist?“, fragen sich die beiden Fraktionen.

Zudem bekräftigen CDU und BfG, dass ihnen die Arbeit des Vereins Sail United besonders am Herzen liege. Hier werde ein klares Bekenntnis des Bürgermeisters vermisst, monierte Wulf Kruse (BfG). Die Thematik der Arbeitsplatzgewinnung erschließe sich den beiden Fraktionen ebenfalls nicht, denn laut Statistik 2019 seien nur rund 60 Einwohner Großenbrodes als arbeitssuchend gemeldet gewesen. „Schon jetzt ist es eine Herausforderung für die ansässigen Betriebe, Personal zu finden, da hier kein bezahlbarer Wohnraum vorhanden ist. Vielleicht sollte man den Fokus lieber vorerst auf diese aktuellen Themen lenken und nicht das Pferd von hinten aufzäumen“, regte Dieter Ketels (BfG) an. Abschließend finden CDU und BfG deutliche Worte: „Mit Blick auf die Enthaltung des Bürgermeisters bei der Abstimmung zum Bürgerentscheid bleibt festzuhalten: Ein Bürgermeister, der sich zwischen den Stühlen privater Investoren und seinen Bürgern sieht, hat wohl jeglichen Bezug zum Wähler verloren.“

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