Zwei Jung-Unternehmer möchten expandieren und kämpfen mit erheblichen Schwierigkeiten

Hafen braucht auch Yachthandel

Der Hanse-Yacht-Händler André Wittmann und der Werftunternehmer Urs Weisel über den Plänen ihrer Service- und Ausstellungshalle, die sie im Gewerbegebiet „Dührenkamp“ bauen möchten.

HEILIGENHAFEN (ft) • Heiligenhafens Fünf-Sterne-Yachthafen boomt. Die Preise für Gastlieger stimmen, und auch bei den Jahresliegern ist Heiligenhafen gefragt.

Nicht zuletzt, weil das Service-Angebot in Heiligenhafen – vom Bootsservice über Werften und Vercharterer bis hin zu den Segelmachern – stimmt. Auch André Wittmann ist mit seiner Firma Nordlicht-Yachting in die Warderstadt gekommen, um Boote zu verkaufen. Das Geschäft geht gut. Bisher konnten über 100 Hanse-Yachten verkauft werden. Doch für eine Expansion seiner Firma sieht der junge Unternehmer in Heiligenhafen wenig Chancen.

Gemeinsam mit Urs Weisel von der Yachtwerft Heiligenhafen hat André Wittmann eine neue Firma gegründet. Beide Unternehmer möchten im Gewerbegebiet „Dührenkamp“ eine Service- und Ausstellungshalle bauen und hier die große Palette der Hanse-Yachten präsentieren.

Die Stadtvertretung hatte am 27. September in nicht öffentlicher Sitzung schon zugestimmt und war bereit, das 3400 m² große Grundstück an den Hanse-Yacht-Händler Wittmann zu verkaufen. Auf dieser Sitzung präsentierte Bürgermeister Heiko Müller mit Thomas Beton einen weiteren Bewerber für das Grundstück. Famila habe Interesse bekundet, sich auszuweiten, und würde gerne auf dem Nachbargrundstück bauen, sagte Heiko Müller.

Da das Grundstück am „Dührenkamp“ aber von einer Moorader befallen und ein Bodenaustausch für André Wittmann und Urs Weisel unumgänglich ist, wollen beide den Kaufpreis reduzieren. Gegenüber der HP sprach der Hanse-Yacht-Händler von rund 20000 Euro. Davon wolle er 10000 Euro selber tragen. Für das Gewerbegrundstück würde die Stadt Heiligenhafen immer noch 76000 Euro erhalten. Für Wittmanns Firma Nordlich-Yachting drängt die Zeit, denn die Hanse-Yachtwerft in Greifswald möchte, dass der Hanse-Vertrieb in Heiligenhafen die ganze Palette der Yachten präsentiert.

„Wir waren erfreut zu sehen, wie unser Bürgermeister auf dem CDU-Neujahrsempfang seinen lachenden Smiley präsentierte und lasen in der Heiligenhafener Post, dass alle nach vorne schauen sollten. Das würden wir auch gerne tun, Herr Bürgermeister!“, sagte André Wittmann.

Heiko Müller teilte auf HP-Anfrage mit, dass ein Yachthandel im Gewerbegebiet „Dührenkamp“ gar nicht zugelassen sei und zitierte den Bebauungsplan: „Im Gewerbegebiet sind Einzelhandelsbetriebe sowie Verkaufsstellen von Handwerksbetrieben und anderen Gewerbebetrieben, die sich ganz oder teilweise an Endverbraucher wenden, nicht zugelassen“. Hier könne nur produzierendes Gewerbe mit nicht mehr als 200 m² Verkaufs- und Ausstellungsfläche genehmigt werden, sonst bestehe die Gefahr, dass die Stadt die Fördermittel für das Gewerbegebiet zurückzahlen muss, so Heiko Müller. Die HP fragte weiter und wollte vom Bürgermeister wissen, ob der Beschluss der Stadtvertretung, das Grundstück an den Hanse-Yacht-Händler zu verkaufen, denn rechtens war. Wie Müller betonte, habe er schon damals „warnend den Zeigefinger gehoben“ und auf die Klauseln im Bebauungsplan hingewiesen.

Die beiden Unternehmer Urs Weisel und André Wittmann können das alles nicht verstehen, denn im Gewerbegebiet „Dührenkamp“ stehen Wohnhäuser und auch die Ausstellungshalle eines Autohauses. Wie André Wittmann betonte, würden durch den Hallenbau der Firma Nordlicht-Yachting doch Arbeitsplätze geschaffen, und zusätzliche Service-Mechaniker würde man auch einstellen. Nach den Worten des Vorsitzenden des Hafen- und Tourismusausschusses, Gerhard Poppendiecker (SPD), sei es sehr wichtig, dass in Heiligenhafen als aufstrebendes Wassersportzentrum auch Firmen zu finden sind, die hier Yachten verkaufen und Kunden an den Yachthafen binden. Heiligenhafen habe einen der schönsten Häfen an der Ostsee, das bedeute aber nicht nur Liegeplätze zu vermieten, sondern auch einen Rundum-Service vorzuhalten. Wer in Heiligenhafen eine Yacht kaufe, suche in der Regel auch einen Liegeplatz. Insofern müsse allen daran gelegen sein, ein solches Angebot in der Warderstadt vorzuhalten, sagte Poppendiecker.

Gerd Panitzki von den Grünen meint: „Bei allen ehrgeizigen Plänen Heiligenhafens sollten wir den ausgezeichneten Yachthafen nicht aus den Augen verlieren. Um hier auch weiterhin unseren Kunden eine Fünf-Sterne-Qualität vorzuhalten, benötigen wir qualifizierte Dienstleistungsbetriebe, die das gesamte Spektrum eines modernen Yacht- und Charterhafens abdecken. Die Probleme dieser wichtigen Betriebe sollten wir daher nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Mit Bedacht ist hier abzuwägen, ob nicht ein eventuelles Zugeständnis seitens der Stadt sich langfristig auszahlt.“

Die Segelmachermeister Oliver Leu und Sascha Schwarck würden es bedauern, wenn sich André Wittmann für einen anderen Standort entscheiden würde, denn seine Firma sei ein großer Kunde bei Oleu-Segel in Heiligenhafen. André Wittmann gehöre zu den Yachtausrüstern, die Oleu-Segel weit über die Grenzen Heiligenhafens hinaus vertreiben. Gerade haben die Heiligenhafener Segelmacher eine komplette Segelausstattung für eine Hanse-Yacht, die in Heiligenhafen verkauft wurde, an die französische Mittelmeerküste geliefert. Wenn man die Umsätze von Nordlicht-Yachting bei Oleu-Segel rechne, so hängt da schon ein Arbeitsplatz dran, sagten Oliver Leu und Sascha Schwarck gegenüber der HP.

Für die Segelmachermeister Oliver Leu und Sascha Schwarck von Oleu-Segel ist die Firma Nordlicht-Yachtung (Hanse-Vertrieb Deutschland) ein starker Umsatzfaktor.

Für die HVB bestätigte Geschäftsführer Manfred Wohnrade, dass die Liegeplätze von neuen Hanse-Yacht-Eignern in Heiligenhafen zugenommen haben.Unter dem Namen Yachtwerft Boltenhagen haben die Heiligenhafener Unternehmer André Wittmann und Urs Weisel in der neuen Marina Boltenhagen schon im Herbst 2007 eine neue Firma gegründet. Diese soll ein zweites Standbein werden. Heiligenhafen sei aber immer noch der Favorit, denn hier habe man bisher Erfolg gehabt, und hier wolle man bleiben, wenn es Möglichkeiten gäbe zu vernünftigen Bedingungen zu expandieren, sagte André Wittmann. Neue Wege, seinen Werftbetrieb in Heiligenhafen auszubauen, sucht auch Urs Weisel. Wenn es nicht gelinge, den bestehenden Pachtvertrag für die Yachtwerft Heiligenhafen, der in drei Jahren ausläuft, zu verlängern oder neues Gewerbeland in Wassernähe zu erwerben, sehe es trübe für seine Firma aus, die 20 Arbeitplätze in Heiligenhafen vorhalte. Ein maritimes Wassersportzentrum brauche auch ein Angebot, wie es die Yachtwerft Heiligenhafen biete, so Weisel.

Bürgermeister Heiko Müller verweist auf andere Grundstücke, die zu pachten oder zu ersteigern wären. Aber aus einem alten Schuppen am Kommunalhafen könne man kein Yacht-Verkaufzentrum machen, kontert André Wittmann.Heiko Müller zeigte sich gegenüber der HP offen für neue Gespräche mit den Hanse-Yachthändlern. Müller: „Ich habe noch andere Vorschläge zu machen, die sicher auch nicht unattraktiv sind. Natürlich würde ich auch gerne sehen, dass Hanse-Yachten in Heiligenhafen weiter verkauft werden.“

Die Fraktionsführer Peter Ascheberg (SPD) und Helga Wiedersich (CDU) wollen die Problematik noch einmal auf der nächsten Hauptausschusssitzung behandelt wissen.

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