Hafencity in Heiligenhafen: Im Juni standen zwei Investoren bereit / Keine Entwicklung losgelöst von IEK

Großes schluckt kleines Konzept

Ausgebremste Entwicklung: So sieht es zumindest HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel, wenn er über das geplante Hafenquartier am Kommunalhafen spricht. Das Gebiet ist Teil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes.
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Ausgebremste Entwicklung: So sieht es zumindest HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel, wenn er über das geplante Hafenquartier am Kommunalhafen spricht. Das Gebiet ist Teil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes.

Heiligenhafen –Von Manuel Büchner– Hafencity, Speicherstadt, Hafenquartier – drei Namen für ein Gebiet östlich der „Fischhalle“ bis zur Hafenstraße im Süden und der Zollstraße im Osten, die seit Jahren durch Heiligenhafen geistern. Letzter großer Aufschlag: im Stadtentwicklungsausschuss Mitte September 2018. Die Lindhorst-Gruppe stellte damals ihre Pläne für Wohnungen, Gewerbeflächen, Parkplätze und Gastronomie vor. Investitionsvolumen: rund 35 Millionen Euro. Ein Grundsatzbeschluss scheiterte mehrheitlich. Eine Woche später stimmte auch die Stadtvertretung mit großer Mehrheit dagegen.

  • Erst Zusage des Planungsbüros, dann sagt die Stadt nein
  • Nichtöffentliche Informationsveranstaltung: zwei Investoren stellten vor
  • "Hafenkante" Teil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (IEK)

Seitdem ist es um die Entwicklung des Gebietes still geworden. Zumindest in der Öffentlichkeit. Das Quartier war zusammen mit dem heutigen „Autokraft“-Gelände und dem Fischerplatz an der südwestlichen Seite des Kommunalhafens Teil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes „Hafenkante“, das im September 2017 in der Stadtvertretung mit nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung fast einstimmig beschlossen wurde.

2017 wurde Heiligenhafen allerdings auch vom Land in das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen, was zunächst die Ausweisung eines Untersuchungsgebietes verlangte, das 2019 auch von der Politik beschlossen wurde. Die „Hafenkante“ gehört dazu. Damals habe das zuständige Planungsbüro BIG Städtebau im Gespräch zugesagt, dass die Fläche zwar zur Betrachtung einbezogen werde, es jedoch kein Problem sei, diese getrennt zu entwickeln, wenn es dadurch schneller gehe, sagt Joachim Gabriel, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), im Gespräch mit der HP. „Jetzt geht das mit einmal nicht mehr.“

Gabriel: „Das Hafenquartier ist tot“

Gabriel spielt damit auf eine nichtöffentliche Informationsveranstaltung der Stadtvertretung im Kursaal im Juni dieses Jahres an. Zwei Investoren hätten ihre Konzepte für das Hafenquartier neutral durch ein drittes Planungsbüro vorstellen lassen. „Es gab ein klares Ergebnis, das Votum war eindeutig.“ Kurze Zeit danach sei das Signal aus dem Rathaus gekommen, dass die Entwicklung des Gebietes in der Form nicht möglich sei. „Damit ist das Hafenquartier tot“, steht für Gabriel fest. Die Investoren hätten sich zurückgezogen.

Nebenbei hatten die HVB für 800000 Euro vier Grundstücke im Hafenbereich erworben, 80000 Euro stehen für das Konzept „Hafenkante“ zu Buche und 8000 Euro für die Begutachtung der beiden Konzepte für das Hafenquartier. „Alles für die Katz“, sieht Gabriel die Entwicklung des Hafens ausgebremst.

Dass Zeit ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, wird deutlich mit Blick auf die LEV (Landwirtschaftlicher Ein- und Verkauf) als entscheidender Akteur in der Gleichung. Das Unternehmen würde Grundstücke veräußern, zum Teil überflüssige Kapazitäten abbauen und zugleich mit dem Geld der veräußerten Grundstücke den Neubau von Silos finanzieren können, so Gabriel. Ohne das Geld werde die LEV seinen Bestand wohl nur sanieren.

Ziel sei es gewesen, nicht kleinteilig zu arbeiten, sondern den großen Wurf zu schaffen. „Das ist ein zentraler Bereich des Hafens“, so Gabriel. „Das Hafenquartier hätte der Stadt keinen einzigen Cent gekostet“, betont er.

Kuno Brandt: Hafenquartier mit großem Potenzial 

Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos) äußerte sich auf Nachfrage nicht zur besagten nichtöffentlichen Infoveranstaltung, verwies aber stattdessen auf die vorbereitende Untersuchung des Innenstadtgebietes (als Teil des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, IEK), was die Stadtvertretung Ende Februar 2018 beschlossen habe. Damit sollte ein Überblick über die Notwendigkeit der städtebaulichen Sanierung gewonnen werden, die mittlerweile abgeschlossen ist. Dem Hafenquartier werde im IEK großes Potenzial zugeschrieben, so der Verwaltungschef. Die vorbereitenden Untersuchungen und das IEK sind ein wichtiger Schritt im Rahmen der Städtebauförderung, um überhaupt Fördermittel zu bekommen. Brandt spricht von einem „sehr förmlichen Verfahren“, jedoch gehe es um Steuergelder. „Das muss Hand und Fuß haben.

Im nächsten Schritt gehe es darum, die Öffentlichkeit zu beteiligen und – was ohne Pandemie bereits in diesem Monat geschehen wäre – auf Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses einen Beschluss der Stadtvertretung für die Festlegung des Sanierungsgebietes zu bekommen, das wiederum nicht zwangsläufig mit dem Gebiet der vorbereitenden Untersuchung übereinstimmen müsse, lässt Brandt zusätzlich wissen.

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