Das frühere Demenzhotel in der Strandstraße in Großenbrode
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Die Gemeinde Großenbrode hat von ihrem Vorkaufsrecht für das Demenzhotel an der Strandstraße keinen Gebrauch gemacht. Mittlerweile hat ein Hamburger Investor zugeschlagen, der dort Ferienwohnungen favorisiert.

In der Strandstraße läuft es auf den Bau von Ferienwohnungen hinaus

AWO-Haus in Großenbrode: Investor schlägt zu

  • Patrick Rahlf
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Das frühere Demenzhotel in der Strandstraße in Großenbrode wurde von einem Investor aus Hamburg gekauft. Die Firma plane an dem Standort mit Ferienwohnungen, sei aber auch gegenüber anderen Nutzungen aufgeschlossen.

  • Ankauf des früheren AWO-Demenzhotels seitens der Gemeinde Großenbrode ist gescheitert.
  • Die Zählgemeinschaft aus CDG, SPD und FDP kann sich mit Ferienwohnungen an dem Standort anfreunden.
  • Die Gemeinde hat ein Entwicklungspotential von 52 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2030.

Großenbrode – Eine Mammutsitzung hatten die Mitglieder des Großenbroder Bau- und Umweltausschusses am Montagabend im „MeerHuus“ nach exakt dreieinhalb Stunden überstanden. „Es war eine Punktlandung, denn länger dürfen Sitzungen nicht dauern“, sagte Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG) gestern Vormittag. Grund für die Länge der Sitzung waren einige Themen, die kontrovers diskutiert wurden. So ging es beispielsweise um die Zukunft des früheren Demenzhotels an der Strandstraße. Trägerin der Einrichtung war die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die den Betrieb Ende 2019 eingestellt hatte und sich von dem Haus trennen wollte.

Sehmel: „Grundstück perfekt für bezahlbaren Wohnraum“

„Dieses Grundstück wäre perfekt, um dort bezahlbaren Wohnraum in Eigenregie zu entwickeln, so wie es von allen Parteien vor der Wahl versprochen worden ist“, erklärte Hans Sehmel (CDU), der Jens Reise auf den Zahn fühlte, woran der Ankauf des Demenzhotels gescheitert sei. „Der Bürgermeister hat den klaren Auftrag erhalten, mit der AWO in Kontakt zu treten. Wo sind die Verhandlungsprotokolle, und wie viele Treffen hat es gegeben?“ Reise erklärte, dass die AWO einen „stolzen Preis“ für das Gebäude aufgerufen hätte, woraufhin sich die Gemeindevertretung gegen einen Kauf ausgesprochen hätte. „Einen Trecker kaufst du doch auch nicht beim ersten Angebot, man hätte weiter verhandeln müssen“, so Sehmel.

Wie das Verhältnis von Ferien- und Mitarbeiterwohnungen am Ende aussieht, haben wir in der Hand.

Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG)

Zwischenzeitlich hat bereits eine Firma aus Hamburg zugeschlagen und die frühere AWO-Liegenschaft an der Strandstraße erworben. „Wir favorisieren an diesem Standort Ferienwohnungen, sind aber auch anderen Nutzungen gegenüber aufgeschlossen“, heißt es in einem Schreiben der Firma an die Gemeinde. Die Zählgemeinschaft (CDG, SPD, FDP) kann sich mit dem Bau von Ferienwohnungen an diesem Standort anfreunden, „schließlich handelt es sich um ein touristisches Gelände“, erklärte Hans-Heinrich Schröder (CDG). Man wolle den Investor aber  zusätzlich zum Bau von sogenannten Mitarbeiterwohnungen für Großenbroder Betriebe verpflichten. „Wie das Verhältnis von Ferien- und Mitarbeiterwohnungen am Ende aussieht, haben wir in der Hand“, sagte Jens Reise. Stefan Kraus (FDP) sah das ähnlich: „Das ist die beste Lösung. Das Areal ist viel zu groß, um es als Gemeinde in Eigenregie zu entwickeln. Wir sollten lieber klein anfangen.“

Bei neuen Bauprojekten in der Zwickmühle

Die Krux in Großenbrode ist unterdessen folgende: Die Gemeinde hat nur noch ein Entwicklungspotential von 52 neuen Wohnungen bis zum Jahr 2030. Allein in dem von der Gemeinde über den in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan Nummer 34 östlich des Sportplatzes sind 46 Baugrundstücke möglich. „Geht man von einem üblichen Belegungsfaktor von 1,2 aus, wären 55 Wohnungen zu erwarten. Folglich können so keine neuen Wohnungen an anderer Stelle mehr ausgewiesen werden, wenn das Projekt der Gemeinde umsetzbar bleiben soll“, stellte Stadtplanerin Gabriele Teske klar. 

Somit müsse man sich zwischen einem Wohnungsgroßprojekt oder der Ausweisung eines neuen Baugebietes entscheiden. „Ich stehe voll hinter dem neuen Baugebiet am Sportplatz, schließlich gibt es 82 Anfragen dafür“, so Reise, dem ein großes Stück des möglichen neuen Baulandes gehört. Darauf angesprochen, antwortete der Bürgermeister: „Es wird kein Jens-Reise-Bauprojekt werden, ich müsste mich mit der Gemeinde im Vorfeld einigen.“

Für die CDU, die auch den Wunsch nach Eigenheimen verstehen kann, ist die Situation dagegen unbefriedigend. „Wir haben den Bürgern versprochen, eine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Darüber ist viel diskutiert worden, passiert ist dagegen nur wenig. Was ist mit den Versprechungen an junge Familien, die günstig mieten wollen, weil sie sich keinen Hausbau leisten können?“, fragte Dirk Meyer zu Hörste (CDU). Mit 4:3 Stimmen wurde schließlich die Beschlussempfehlung gefasst, Ferien- und Mitarbeiterwohnungen am Standort des früheren Demenzhotels zu bauen. 

Campingplatz: Dem Ausschuss fehlen Zahlen

Zurückgestellt wurde unterdessen der Antrag von Jens Reise, seinen Campingplatz am Südstrand vergrößern zu dürfen. Reise würde gerne eine rund 16000 Quadratmeter große angrenzende Grünfläche entwickeln, um den Platz zukunftsfähig aufzustellen. „Es geht vor allem um eine bedarfsgerechte Neuordnung. Die Ansprüche der Camper steigen, die gängigen Parzellen sind von 80 auf 120 Quadratmeter angestiegen“, sagte die von Jens Reise beauftragte Planerin Gabriele Teske. „Ich denke, dass niemand einer Qualitätsverbesserung im Wege steht. Mir fehlen aber Zahlen, mit wie viel mehr Campern zukünftig gerechnet wird“, merkte Peer Knöfler (CDU) an. Auch Dieter Ketels (BfG) sah es so: „Hier fehlen Fakten. Nicht, dass das am Ende eine Wuchtbrumme wird, die den Verkehr im Dorf zusätzlich belastet.“ Der Antrag wurde daraufhin zurückgestellt, bis zur Gemeindevertretung soll dieser mit konkreten Zahlen unterfüttert werden.

Einstimmig sprach sich der Ausschuss dafür aus, erneut den Antrag beim Kreis Ostholstein zu stellen, die Nordlandstraße als Tempo-30-Zone auszuweisen. Irgendwann müsse der Kreis doch mal einlenken, so die Hoffnung der Bauausschussmitglieder, die den Antrag zudem noch erweiterten: Auch die Bahnhofstraße in Lütjenbrode soll nach dem Willen der Großenbroder Kommunalpolitiker Tempo-30-Zone werden.

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