Land gibt kein Geld für Beseitigung der Sturmflutfolgen

Heiligenhafen bleibt auf den Kosten sitzen

Der Vorsitzende des Hafen- und Touristikausschusses, Gerhard Poppendiecker (l.) und Bürgermeister Heiko Müller wiesen MdL Regina Poersch in die Küstenschutzproblematik Heiligenhafens ein.

Von Andreas HöppnerHEILIGENHAFEN • Seit dem Novemberhochwasser, das in Heiligenhafen große Schäden verursachte, ist der Küstenschutz in der Warderstadt das kommunalpolitische Thema Nummer eins.

Auch die ostholsteinischen Landtagsabgeordneten zeigen Präsenz. Im Kampf um die Gewährung finanzieller Mittel durch das Land bot Klaus Klinckhamer (CDU) seine Hilfe an, am Mittwoch fand Regina Poersch (SPD)  den Weg nach Heiligenhafen. Auch sie will ihren Einfluss in Kiel geltend machen und steht „an der Seite Heiligenhafens“.

Allerdings: Umweltminister Dr. Christian von Boetticher (CDU) hatte der Stadt Heiligenhafen bereits am Dienstag schriftlich mitgeteilt, dass das Land die Stadt Heiligenhafen bei der Beseitigung der Sturmflutschäden im Strand- und Promenadenbereich nicht unterstützen könne. „Die Prüfung durch die zuständigen Ministerien hat ergeben, dass die maßgeblichen Förderrichtlinien hierfür keine Spielräume lassen“, so von Boetticher. Und weiter: „Im Übrigen werden keiner der von der Ostsee-Sturmflut vom November 2006 betroffenen Küstengemeinden finanzielle Hilfen für die Schadensbeseitigungsmaßnahmen im Strandbereich gewährt.“ Allerdings könne er der Stadt Heiligenhafen für notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes Fördermittel grundsätzlich in Aussicht stellen, ließ der Minister in seinem Schreiben durchblicken.

"Eine Ausnahmesituation"

„Dann müssen die Richtlinien eben geändert werden“, reagierte der Chef der SPD-Rathausfraktion, Peter Ascheberg, der zusammen mit Gerhard Poppendiecker (SPD) und Regina Poersch an dem Informationsgespräch mit Bürgermeister Heiko Müller teilnahm, mit Unverständnis auf die Nachricht aus Kiel. In Heiligenhafen handle es sich aufgrund des Ausmaßes des Schadens um „eine Ausnahmesituation“, dann müsse man auch mit einer Ausnahme reagieren, forderte Müller die Landesregierung indirekt auf, ihre starre Haltung aufzugeben. Sonderbedarfszuweisungen könnten Abhilfe schaffen,  sieht Poppendiecker das Land sehr wohl in der Verantwortung.

Denn ohne Unterstützung aus Kiel kann die Stadt Heiligenhafen die Mittel für eine erforderliche Sandaufspülung (rund 500000 bis 700000 Euro) und die Beseitigung der Schäden an der Strandpromenade (rund 300000 Euro) nicht aus dem eigenen klammen Haushalt, der im Januar mit einem Fehlbedarf von knapp 700000 Euro verabschiedet wurde, begleichen. Einer Finanzierung über eine reine Kreditaufnahme würde der Kreis nach Meinung von Peter Ascheberg sicherlich nicht zustimmen.

Spendenaufruf als Ausweg?

„Wir können wohl sammeln gehen“, bleibt für Peter Ascheberg nur noch ein Spendenaufruf als Ausweg, wie ihn auch der Hamburger Architekt Klaus Hillgruber, Eigentümer von zwei Immobilien auf dem Steinwarder, dem Bürgermeis-ter in einem der HP vorliegenden Schreiben vorschlägt. Geschäftsleute, Appartement- und Ferienwohnungsvermieter, die vom Tourismus profitierten, sollten sich zu einer Spende in Höhe von rund 1000 Euro bereit erklären, schlägt Hillgruber vor. Er selbst würde umgehend 2000 Euro als Spendenstart zur Verfügung stellen.

„Im Moment kann man nicht mal sagen, das man was machen kann“, wirkte Regina Poersch ein wenig ratlos, gleichwohl will sie in Kiel nichts unversucht lassen, in den zuständigen Ministerien noch einmal vorzusprechen. „Problem erkannt“, brachte sie Verständnis auf für die Argumentation der Stadt Heiligenhafen, die zurzeit ein Küs-tenschutzgutachten erstellen lässt, mit dem Anfang März gerechnet wird. Das aus vier Teilen bestehende Gutachten umfasst auch die Sandaufspülung, die vom betreuenden Ingenieurbüro Wald & Kunath sowie den Vertretern der Stadt Heiligenhafen sehr wohl als ein Bestandteil des Küstenschutzes gesehen wird, denn, so Müller, könnten die Wellen auf einer langsam ansteigenden Sandfläche ausrollen, wäre ihnen bereits ein Großteil ihrer Kraft genommen. „Was auf Sylt geht“ und auch in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt werde, müsse auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste möglich sein, kritisierte Gerhard Poppendieckers.

Weitere Teile des Gutachtens umfassen laut Müller die Wiederherstellung sowie die Erweiterung des Dünenschutzes, den Hochwasserschutz am Binnensee und die Entwicklung der Rettungswege. Neue Aufschlüsse erbringt möglicherweise die nächste außerordentliche Sitzung der Stadtvertretung am 22. Februar (Donnerstag), die als einzigen Tagesordnungspunkt den Küstenschutz aufweist.

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