Marie-Anne Keen und Volker Blumbach
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Über dem Eingang weht heute noch die Reedereiflagge von Kapitän Willi Freter. In Gemeinschaftsarbeit betreuen die Malerin Marie-Anne Keen und Volker Blumbach die Galerie und den Bio-Weinladen.

Geschichtsträchtiges Haus im Thulboden 58 / Heute Wohnhaus, Galerie und Weinhandel

Auf den Spuren Willi Freters

  • Peter Foth
    VonPeter Foth
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Den Kapitän-Willi-Freter-Platz kennt in Heiligenhafen jeder. Doch der aus Westpreußen stammende Freter ist auch mit dem Haus im Thulboden 58 verbunden, das ihm einmal gehörte. Heute befinden sich dort ein Wohnhaus, eine Galerie und ein Weinhandel.

  • Haus im Thulboden 58 erinnert an den Reeder und Kapitän Willi Freter.
  • Das Haus diente Freter zum Wohnen und als Verwaltungsgebäude.
  • Im Jahr 2013 haben es Gretje Peichert und ihr Mann gekauft, die mit einer Flagge immer noch an Freter erinnern.

Heiligenhafen – Eine ganz besondere Heiligenhafener Geschichte verbirgt sich im Haus Thulboden 58. Über dem Eingang weht die Rederei-Flagge von Kapitän Willi Freter. Die heutigen Besitzer des Hauses, Gretje Peichert und ihr Mann, möchten damit an die Heiligenhafener Reederei Freter erinnern, die in diesem Haus ihre Anfänge hatte.

Denn kein anderer hat den Tourismus in Heiligenhafen so geprägt, wie Kapitän Willi Freter, der nach dem Krieg aus dem ländlich geprägten Gebiet um Danzig mit anderen Vertriebenen nach Heiligenhafen kam und sich hier eine neue Existenz aufbauen musste. Der Start seiner Reederei begann 1963 mit dem Bau der Fehmarnsundbrücke. Mit seinem Motorschiff „Hai I“ versorgte er die Bauleute seeseits mit Lebensmitteln, alkoholischen Getränken und allem, was zum Leben benötigt wird. So legte Willi Freter den Grundstein für seine damals noch kleine Reederei. 

Den Erlös aus diesem Geschäft legte Freter gewinnbringend an, und so wurde seine Flotte immer größer. Bald wurden Ausflugsfahrten zur Sundbrückenbaustelle und nach Orth auf Fehmarn angeboten, auch Lampionfahrten mit „Hai I“ und Hai II“ zu den Sonnenuntergängen auf See erfreuten sich größter Beliebtheit. Der Fischer aus Westpreußen verstand es, seine Gewinne weiterhin gut anzulegen und kaufte einen KFK-Kutter (Kriegsfischkutter) nach dem anderen. So entstand die größte Hochseeangelflotte an der Ostsee, die Hochseeangler aus dem ganzen Bundesgebiet zum Hochseeangeln nach Heiligenhafen brachte. In dieser Zeit kaufte der Reeder Willi Freter auch das Haus Thulboden 58, das er als Wohnhaus und Verwaltungsgebäude umbaute.

Haus wechselte später mehrmals den Besitzer

Das Haus wechselte später mehrfach den Besitzer. Eine Zeit lang gehörte es Gerd Nier, der hier wohnte und auch sein Provinzial Versicherungsbüro in den Räumlichkeiten betrieb. Heute gehört es Gretje Peichert und ihrem Mann, die das Haus im Oktober 2013 gekauft hatten. Die Räume im vorderen Bereich beherbergen heute die Galerie der Heiligenhafener Malerin Marie-Anne Keen, die hier sehenswerte Kunstwerke ausstellt. Auf der rechten Seite des Hauses befindet sich ein anderes Kleinod: Hier präsentiert Volker Blumbach einen Bio-Weinladen mit erlesenen Weinen.

Gretje Peichert hat das geschichtsträchtige Haus im Thulboden 58 im Oktober 2013 mit ihrem Mann erworben. Dass es viele Geschichten über den früheren Besitzer und die Immobilie gibt, findet sie sehr spannend.

Die Malerin Marie-Anne Keen und der Weinhändler Volker Blumbach kennen sich schon seit 15 Jahren vom Gut Görtz, wo er schon seinen Weinladen und sie die große Galerie in der alten Meierei betrieben hatten. Keen hatte nach zehnjähriger Ausstellerzeit die Galerie auf Gut Görtz in andere Hände gegeben, weil sie ihre Arbeitszeit reduzieren wollte. Kurz vorher hatte Volker Blumbach die Malerin angesprochen, ob sie nicht mit nach Heiligenhafen in den Thulboden 58 kommen möchte, weil hier zwei Räume frei seien. Marie-Anne Keen willigte ein, und so hat Heiligenhafen ein neues Highlight für Kunstliebhaber und Bio-Weinfreunde zu bieten.

Landschaftsbilder von Schleswig-Holstein

Marie-Anne Keen stellt im Thulboden überwiegend schleswig-holsteinische Landschaftsbilder aus, weil Heiligenhafen sie inspiriert habe. Wasser, Himmel und Wiesen sind dabei ihre Hauptmotive. „Die Leute, die die Galerie besuchen, nehmen mit den Bildern auch ein Stück Urlaub mit nach Hause“, sagte die Heiligenhafener Malerin. Die Bilder entstehen nach Eindrücken von Spaziergängen in ihrem großen Atelier im Grauwisch 15.  

Zurück zu Willi Freter: Der Reeder hatte später zwei neue Fahrgastschiffe bauen lassen und war erfolgreich in die „Butterfahrten“ eingestiegen. Eine D-Mark kostete inzwischen die Busfahrkarte aus dem ganzen Bundesgebiet zur Butterfahrt nach Heiligenhafen. Das Geld verdiente die Reederei mit dem Verkauf zollfreier Waren, darunter Stangen von Zigaretten und Flaschen mit hochprozentigem Alkohol. Dazu gab es an Bord ein Unterhaltungsprogramm für die meist älteren Leute. Die Großzügigkeit des Reeders kannte keine Grenzen. Während der Schneekatastrophe mietete Freter beispielsweise ganze Etagen im Ferienzentrum an, um seine Gäste, die nicht nach Hause fahren konnten, durch die schwere Zeit zu bringen.

Tresen-Geschichten in der „Altdeutschen“

Auch Gretje Peichert weiß viel über den Vorbesitzer ihres Hauses im Thulboden 58 zu berichten. „Wir saßen vor vielen Jahren in der ‚Altdeutschen Bierstube‘ bei Erika und hatten gerade dieses Haus gekauft. Dort erfuhren wir viel Neues über diese geschichtsträchtige Immobilie und die Umbauten. Irgendwann fragte mein Mann in die Runde, ob Willi Freter denn viele Kinder gehabt hätte, denn es gab hier viele Gästezimmer. Die ganze Tresenrunde brüllte vor Lachen.“ Wieder einmal machte die Geschichte des Reeders am Tresen in der ‚Altdeutschen‘ die Runde. In den Zimmern im Thulboden 58 übernachteten nämlich oft Freters Geschäftsfreunde, überwiegend Männer, für deren „Unterhaltung“ auch gesorgt war, wie Gretje Peichert und ihr Mann in der Kneipe augenzwinkernd erfuhren.

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