Zu wenige U-3-Plätze / Drei Monate Zeit für Lösung, sonst drohen Klagen / DKSB hilft aus

Engpass in der Kinderbetreuung

Hier in der Breslauer Straße 9, im Gebäude des Deutschen Kinderschutzbundes, soll eine zusätzliche Tagesbetreuung für insgesamt fünf Kinder unter drei Jahren entstehen.
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Hier in der Breslauer Straße 9, im Gebäude des Deutschen Kinderschutzbundes, soll eine zusätzliche Tagesbetreuung für insgesamt fünf Kinder unter drei Jahren entstehen.

Heiligenhafen –mf– Heiligenhafen braucht mehr Plätze in der U-3-Kinderbetreuung – und zwar dringend. Andernfalls muss die Stadt bald mit Klagen rechnen. Bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für gesellschaftliche Angelegenheiten machte Arne Rieck, Fachbereichsleiter der Ordnungsverwaltung der Stadt Heiligenhafen, deutlich, wie dringlich die Lage ist.

 
  • Stadt Heiligenhafen muss dringend für neue U-3-Plätze sorgen
  • Eltern machen Druck
  • Gebäude des Kinderschutzbundes zur Verfügung gestellt

In der Warderstadt gibt es aktuell mehr unter Dreijährige, die einen Tagesbetreuungsplatz brauchen als dementsprechende Betreuungsplätze vorhanden sind. Bisher konnten Heiligenhafener Kinder bei Engpässen auf auswärtige Kindertagesstätten verteilt werden, „doch die sind mittlerweile auch vollständig belegt“, so Rieck. Jetzt ist die Stadt in der Verpflichtung, eigene entsprechende Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen die Angebote schaffen, durch uns ist der Anspruch zu erfüllen“, stellte Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos) mit deutlichen Worten klar.

Einen entsprechenden Engpass haben Eltern in einem Schreiben vom 13. Juli bereits angezeigt. Genau drei Monate nach Bekanntgabe des Betreuungsengpasses hat die Stadt Zeit, neue Betreuungsplätze zu schaffen – in diesem Fall muss die Stadt bis spätestens zum 12. Oktober 2020 eine Lösung gefunden haben. „Das ist sehr sportlich, aber uns sind die Hände gebunden. Die Eltern machen Druck“, so Rieck, der auch weiß, dass, sollte die Stadt nicht rechtzeitig ihrer Verpflichtung nachkommen, die Eltern gegen die Stadt Klage erheben.

Weil sämtliche Versuche, geeignete Betreuungsplätze zu finden, gescheitert sind, hat die Stadt als letzten Strohalm mit dem Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Kontakt aufgenommen und Glück gehabt. Denn der Kinderschutzbund hat sich daraufhin bereit erklärt, zur Errichtung einer Tagespflegegruppe mit insgesamt fünf Kindern unter drei Jahren, das ihm gehörige Gebäude in der Breslauer Straße 9 zur Verfügung zu stellen. Auch von Seiten des Kreises würden keine Bedenken bestehen, an dortiger Stelle eine Tagespflege für U-3-Kinder einzurichten. Einen Plan B gebe es Laut Rieck aufgrund fehlender Räumlichkeiten derzeit nicht, „da stoßen wir als Stadt an unsere Grenzen“.

73000 Euro jährlich für weitere Tagesbetreuung

Die Kosten für die zusätzliche Tagesbetreuung würden sich jährlich auf 73000 Euro belaufen. Zusätzliche Kosten in Höhe von 9000 Euro würden für entsprechendes Mobiliar und Einrichtungsgegenstände entstehen. Fördermöglichkeiten würden laut Rieck derzeit geprüft werden. Der Ausschusses für gesellschaftliche Angelegenheiten hat sich dafür ausgesprochen, den Beschlussvorschlag, eine zusätzliche Tagespflegegruppe in den Räumlichkeiten des DKSB zu errichten, anzunehmen.

Die Realisierung des neuen Martin-Luther-Kindergartens im Höhenweg solle unterdessen weiter vorangetrieben werden, versicherte der Leiter der Ordnungsverwaltung. Ausschussmitglied Monika Rübenkamp (SPD) äußerte allerdings Bedenken: „Ich befürchte, der Bedarf an Betreuungsplätzen wird uns überrennen, bevor der Bau im Höhenweg fertig ist.“ Außerdem erkundigte sich Rübenkamp nach weiteren Möglichkeiten zur Kinderbetreuung in der Einrichtung des „Blauen Elefanten“ in der Friedrich-Ebert-Straße. Von einem möglichen Anbau sei hier mal die Rede gewesen. „Das sind wir bereits parallel als zweites Projekt angegangen“, so Rieck. Man habe die räumlichen Anforderungen ermittelt und aktuell ermittele man die Kosten, so der Beamte weiter. Genauere Zahlen sollten im nächsten Quartal feststehen. Ziel wäre es hier, eine altersgemischte Gruppe einzurichten, „um flexibler bei der U- und Ü-3-Betreuung zu sein“.

Private Tagespflegepersonen, die in ihren Haushalten Kinder betreuen, wären mittelfristig eine weitere mögliche Idee, um flexibler zu sein, regte Arne Rieck für die Zukunft an. Zu einer Lösung des akuten Problems könnte diese Idee allerdings nicht beitragen. „Das würde uns jetzt nicht sofort aus der Bredouille helfen, weil die Leute dafür erst ausgebildet werden müssen“, klärte Brandt auf.

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