Heiligenhafen: Fast alle Geschäfte in der Innenstadt sind zu / Kuno Brandts Vereidigung findet statt

Die große Corona-Leere

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Bestes Wetter, aber leere Plätze. An diesen Anblick, wie hier vor dem Café Kai gestern Nachmittag, werden wir uns in den kommenden Wochen gewöhnen müssen.

Heiligenhafen -ra/mf- Die harten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus greifen: Heiligenhafens Innenstadt war gestern Nachmittag wie ausgestorben. Sämtliche Geschäfte, die nicht zu den Grundversorgern zählen, haben seit Mittwoch geschlossen. Ein Szenario, das noch vergangene Woche unvorstellbar gewesen ist. Auch alle Hotels in der Region haben mittlerweile den Großteil ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und die Türen verschlossen, gleiches gilt für Cafés und Restaurants.

„Alles ist ungewiss. Niemand hätte gedacht, dass so ein Fall jemals eintritt“, sagte Hanna Maschke, Pressesprecherin des Gewerbevereins Heiligenhafen, die ebenfalls mit ihrer Buchhandlung „Ton & Text“ von dem Erlass der Landesregierung betroffen ist. „Ich bin gespannt, wie wir dafür entschädigt werden sollen.“ Kuno Brandt, Leiter der Ordnungs- und Bauverwaltung bei der Stadt Heiligenhafen, wies unterdessen darauf hin, dass Optiker und Friseure noch geöffnet haben dürfen. „Viele wundern sich darüber, warum Optiker und Friseure noch ihre Türen offen haben. Der Grund ist einfach: Sie gehören zum Handwerk und nicht zum Einzelhandel. Und Handwerker dürfen bekanntlich noch arbeiten“, erklärte der baldige Verwaltungschef.

Da politische Sitzungen aktuell nicht stattfinden, stellt sich die Frage, wie der frisch gewählte Bürgermeister Kuno Brandt, der am 1. April offiziell seinen Dienst antreten soll, vereidigt wird. „Die Vereidigung muss im Rahmen einer öffentlichen Sitzung durchgeführt werden“, sagte Brandt auf HP-Nachfrage. Aus diesem Grund wird die für Donnerstag (26. März) angesetzte Sitzung der Stadtvertretung um 19.30 Uhr stattfinden, allerdings mit einer extrem verkürzten Tagesordnung. Und anstatt im Rathaus treffe man sich hierfür im Pavillon im Ferienpark, um einen großen Sicherheitsabstand zwischen den Besuchern einhalten zu können, erklärte Brandt.

Man müsse zudem dringende Entscheidungen zu B-Plänen beschließen. „Es gibt wichtige Themen, die bei allem, was hier gerade passiert, nicht aus den Augen verloren werden dürfen. Es muss auch danach noch weitergehen“, sagte der 56-Jährige und betonte, dass das der aktuelle Stand sei. „Wie es in einigen Tagen ist, weiß jetzt noch keiner.“ Kuno Brandt appellierte an die Vernunft aller Bürgerinnen und Bürger, sich an alle vorgegebenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise zu halten.

Über die Durchführung einer möglichen Bürgermeister-Stichwahl, die für kommenden Sonntag (22. März) angesetzt gewesen wäre, müssen sich die Verantwortlichen immerhin keine Gedanken machen. Wäre es allerdings soweit gekommen, hätten vermutlich „umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen“ durchgeführt werden müssen. Eine gewisse Zeit hätte die Wahl wohl auch nach hinten verschoben werden können, „aber wir wissen ja alle nicht, wie lange es noch so weitergeht“, gab Brandt zu bedenken.

Das Ordnungsamt kontrolliert unterdessen, ob die Geschäfte, Restaurants sowie Ferienunterkünfte die strengen Auflagen, die derzeit gelten, einhalten. „Besonders bei den Ferienunterkünften geht es natürlich nur stichprobenartig“, sagte Kuno Brandt. Auch die Heiligenhafener Ärzte müssen sich an Vorgaben halten und haben es nicht leicht in Corona-Zeiten.

Derweil haben Bürger von unschönen Szenen auf Supermarktparkplätzen in Heiligenhafen berichtet. Autofahrer, die kein OH-Kennzeichen besitzen, seien teilweise von Passanten rüde angegangen worden. So haben es Beobachter gegenüber der HP zu Protokoll gegeben. Bekanntlich ist Schleswig-Holstein aktuell für Touristen tabu. Es gibt aber rein rechtlich gesehen Ausnahmen für nicht touristische Zwecke. „Wer eine Zweitwohnung auf dem Festland in Ostholstein besitzt, darf anreisen und sie nutzen. Er darf sie aber nicht Dritten überlassen“, sagte Carina Leonhardt, Pressesprecherin des Kreises. Landrat Reinhard Sager: „Wir appellieren jedoch dringend an alle Auswärtigen, nicht notwendige Reisen zu vermeiden.“

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