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Ostholsteins Direktkandidaten zur Landtagswahl diskutierten über das Thema Bildung

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Von: Hans-Jörg Meckes

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Peer Knöfler, Niclas Dürbrook, Tobias Maack und Falko Siering
Peer Knöfler (CDU, v.l.), Niclas Dürbrook (SPD), Tobias Maack (FDP) und Falko Siering (Grüne) sind Direktkandidaten zur Landtagswahl und diskutierten in Heiligenhafen über das Thema Bildung. © Hans-Jörg Meckes

Die Direktkandidaten zur Landtagswahl, Peer Knöfler, Niclas Dürbrook, Tobias Maack und Falko Siering diskutierten in Heiligenhafen bei einer Podiumsdiskussion der Volkshochschulen über das Thema Bildung und Kultur.

Heiligenhafen – Bildung gehört im Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein nicht gerade zu den Themen, über die zurzeit viel diskutiert wird. Dabei sind die Belange der Schulen überwiegend Ländersache. Die beiden Volkshochschulen aus Heiligenhafen und Oldenburg luden deshalb die Direktkandidaten Peer Knöfler (CDU), Niclas Dürbrook (SPD), Falko Siering (Grüne) und Tobias Maack (FDP) zu einer Podiumsdiskussion in den Pavillon am Binnensee in Heiligenhafen ein, um ihnen Fragen zur Weiterbildung und zur Kultur zu stellen. Eine Einladung erhielten zu der Veranstaltung nur Parteien, die aktuell im Landtag vertreten sind. Die AfD war nicht eingeladen, da sie vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall beobachtet werden darf, erklärten VHS-Leiter Mirko Franck und Moderator Michael Kümmel.

Zum Einstieg wollte Kümmel von den Kandidaten wissen, wie die Wahlsprüche ihrer Parteien zu verstehen sind. Den Slogan der Grünen „Wir sind Stadt. Land. Schleswig-Holstein.“ erklärt Falko Siering vor allem mit Solidarität. „Wir möchten der Kit sein, der Schleswig-Holstein zusammenführt und zusammenhält.“ Seine Partei sei eigentlich eher dafür bekannt, vor allem in den Städten stark zu sein, doch das halte sie nicht davon ab, sich für das ganze Land einzusetzen, sagte Fehmarns Grünen-Chef.

„Kurs halten“ möchte die CDU. Für den derzeit bereits im Landtag sitzenden Peer Knöfler bedeutet das, dass man eine Sache, die man in der Vergangenheit angefangen hat, weiterführt. Themen wie die Digitalisierung, Investitionen in die Infrastruktur sowie das Angebot eines Studenten- und Azubitickets hob er hervor.

Mit „Besser ist das“ stellte sich Niclas Dürbrook, dessen Sozialdemokraten nach fünf Jahren in der Opposition wieder in die Regierung wollen, als den Gegenentwurf zur CDU dar. „Jamaika hat aus unserer Sicht in den letzten fünf Jahren in ganz vielen Bereichen Chancen verspielt“, so der Vorsitzende der SPD-Ostholstein. Schulen seien immer noch digitales Entwicklungsland, „und wenn wir in dem Tempo weitermachen und einfach nur den Kurs halten, dann werden wir auch 2023 nicht da sein, wo wir längst sein müssten“.

Mit „Was das Land jetzt braucht“ meinte der FDP-Politiker Tobias Maack eine Mischung von dem, was die CDU möchte und was die SPD möchte. Schleswig-Holstein sei laut seiner Auffassung mit der Jamaika-Regierung gut durch die Corona-Krise gekommen, aber bei der Digitalisierung in den Schulen und in der öffentlichen Verwaltung gebe es noch einiges zu tun.

Wie sieht die Zukunft der Volkshochschulen vor Ort aus?

Als nächstes fragte Kümmel die Kandidaten, wie sie die Zukunft der Volkshochschulen (VHS) vor Ort sehen. Knöfler sprach sich dafür aus, dass die VHS künftig jährlich einen höheren Betrag bekommen sollten. „Das Weiterbildungsgesetz muss reformiert werden“. So sollen Zertifizierungen für Kurse einfacher zu erlangen sein. Dürbrook führte aus, dass sich das Land in einem gesellschaftlichen Umbruch befinde: „Wir kommen aus der Industriegesellschaft und wir gehen gerade in eine Wissensgesellschaft. Es wird viel mehr Menschen geben, die mit ihrem Wissen arbeiten.“ Er möchte in einem Weiterbildungsförderungsgesetz verankern, dass es in ganz Schleswig-Holstein in der Fläche einen Anspruch auf Weiterbildung geben soll. Tobias Maack betonte, dass viele Menschen heutzutage nicht mehr wie früher ihr ganzes Leben lang in nur einem Beruf arbeiten würden. Die FDP unterstütze deshalb das lebenslange Lernen, denn die VHS sei ein Mittel auf dem Weg dorthin. „Wir haben aber jetzt keinen speziellen gesetzlichen Vorschlag, um dort etwas zu reformieren“, gab Maack zu. Falko Siering möchte ebenfalls in einem Weiterbildungsförderungsgesetz dafür sorgen, dass die VHS „durch fixe Beträge auch in ihrer Planung Sicherheit bekommen“. Er sehe die VHS jedoch nicht nur als Weiterbildungsinstitut, sondern viel mehr als „gesellschaftlichen Kit“.

Volkshochschulen sind jedoch nicht nur Bildungseinrichtungen, sondern genauso Kultureinrichtungen, betonte Michael Kümmel, der nun die Kandidaten nach ihrer Haltung zur Kulturförderung befragte. „Wir kommen gerade aus einer Situation nach zwei Corona-Jahren, die die Kultur einfach knallhart getroffen hat“, sagte Dürbrook. Deshalb plädierte er dafür, nun erst mal eine Bestandsaufnahme zu machen und sich darauf zu konzentrieren, Kultur vor Ort zu vernetzen. Es gehe nicht darum, mit der Gießkanne im ganzen Land Geld auszuschütten, unterstrich der SPD-Kandidat. 

Tobias Maack führte weiter aus, dass die Kultur nicht nur aus den großen Theatern und Sinfonieorchestern bestehe. „Es ist besonders wichtig, dass wir auch darüber nachdenken, wie man die Kleinstunternehmer zukünftig besser fördern kann, indem man bessere Strukturen schafft.“ 

Falko Siering sagte, den Grünen sei Kultur auch über den Wahlkampf hinaus wichtig. „Auch die Kulturknotenpunkte gehören natürlich dazu, die wollen wir im ländlichen Raum weiter unterstützen. Hier müssen wir vor allem in der nächsten Legislatur vor allem nochmal nachlegen.“ Peer Knöfler schloss sich in den wesentlichen Punkten seinen Vorrednern an. Er unterstrich, dass vor allem den kleinen Verbänden geholfen werden müsse. „Da fallen sicherlich auch Unterstützungen in Gebäude mit rein, die natürlich aufgrund dessen, dass weniger Einnahmen da waren, wenig unterstützt worden sind. Auch in dem Bereich ist eine Förderung möglich.“

Wie sieht es mit öffentlich-rechtlicher Weiterbildung aus?

Die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Weiterbildung betrachtet Tobias Maack situativ. „Nicht alles, was an Bildungsangeboten so gemacht wird, ist auch sinnvoll, aber generell sehe ich es so, dass es gefördert werden muss.“ Dürbrook hielt dem entgegen, dass ihm bei den Volkshochschulen fast nichts einfallen würde, was nicht sinnvoll wäre. „Der Töpferkurs ist genauso sinnvoll wie der Sprachkurs. Das brauchen wir als Gesellschaft.“ Ebenso leisten die VHS wichtige Arbeit, wenn es darum gehe, Menschen den Umgang mit neuen digitalen Geräten wie Smartphones und Tablets beizubringen, so Dürbrook. „Das sollte nicht den Menschen überlassen werden, die damit möglichst viel Geld verdienen wollen, sondern lieber den Volkshochschulen.“ Auch Siering sprach sich für eine Förderung aus und betonte dabei, dass es Angebote geben müsse, bei denen sich Teilnehmer ausprobieren können. „Es ist wichtig, dass man sich als Volkshochschule auch mal was trauen kann.“ Peer Knöfler sprach sich dafür aus, nach zwei Jahren Corona-Pandemie das Kurssystem wieder aufzubauen, „weil Menschen immer noch Ressentiments haben, dahin zu gehen, wo viele Menschen auf einem Haufen sind und entsprechend muss das auch mit aufgefangen werden“.

Eugen Altwicker fragte die Kandidaten, wie die Landespolitik konkret Hilfe für ehrenamtliche Volkshochschulen wie Heiligenhafen leisten könne, die zunehmend Raumprobleme haben und in der Verwaltung zu viel bewältigen müssten. Peer Knöfler erklärte, er könne beim Raumproblem der VHS allein keine konkreten Zusagen machen. „Eine Landesförderung für ein Gebäude muss in Zusammenarbeit mit der Stadt stattfinden.“ Die Förderungen müssten jedes Jahr an den Bedarf der VHS angepasst werden, so der CDU-Kandidat. „Auch eine Kommune hat sich an so etwas zu beteiligen.“ Genaueres könne Knöfler nicht sagen, da er dazu auch Kenntnisse bräuchte, welche Gebäude überhaupt im Besitz der Stadt sind. In diesem Punkt schloss sich Niclas Dürbrook Knöfler an: „Ihr Raumproblem kann ich auch nicht lösen. Da müssten Sie sich an Herrn Brandt [Heiligenhafens Bürgermeister] wenden.“ 

Er betonte erneut, dass er sich dafür einsetzen wolle, in einem Weiterbildungsförderungsgesetz die Weiterbildung im ganzen Land festzuschreiben. „Wenn wir das tun, dann hat das Land auch eine Verpflichtung, sich darum zu kümmern.“ Zudem will er die hauptamtliche Unterstützung ausbauen, um den enormen Verwaltungsaufwand für die ehrenamtlichen Volkshochschulen abzubauen.

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