Die Schlachterei Brandenburg im Thulboden in Heiligenhafen
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Die Schlachterei im Thulboden von Heiligenhafen hat Tradition. Vor Torsten Brandenburg war der Fleischereibetrieb in den Händen von Ernst Fick und Gunnar Mehnert.

Nachwuchsprobleme und teure Auflagen: Schlachterei Brandenburg im Thulboden macht Ende März zu

  • Peter Foth
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In Heiligenhafen schließt mit dem Betrieb von Torsten Brandenburg im Thulboden der letzte freie Schlachter. Vor allem die neuen Auflagen und Nachwuchsprobleme sorgten für die Entscheidung des 57-Jährigen, seinen Laden aufzugeben.

  • Schlachter finden keine ausgebildeten Nachwuchskräfte mehr.
  • Neue Auflagen vom Gesetzgeber machen großen Investitionen erforderlich.
  • Alle Mitarbeiterinnen haben für die Zeit ab April bereits neue Arbeitsplätze gefunden.

Heiligenhafen – Wenn die Schlachterei Brandenburg am 31. März im Thulboden schließt, geht eine Ära der freien und selbstständigen Fleischerei-Fachgeschäfte in Heiligenhafen zu Ende. Mit der Fleischerei Mehnert, die Torsten Brandenburg übernommen hatte und der Schlachterei Reinicke, später Schmidt, gab es noch vor Jahren zwei selbstständige Schlachter in Heiligenhafen. Auch in Großenbrode und Neukirchen gab es selbstständige Schlachtereibetriebe, die heute Geschichte sind. Die Schließung der letzten selbständigen Schlachterei von Torsten Brandenburg ist ein Verlust für Heiligenhafen.

Die letzten Wochen in der Schlachterei: Schlachtermeister Torsten Brandenburg mit seinen Mitarbeiterinnen Julia Koch und Yvonne Rades.

Für Schlachtermeister Torsten Brandenburg waren es in erster Linie Nachwuchsprobleme, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben. Dazu kommen Auflagen vom Gesetzgeber, die große Investitionen erfordern. Als ein Beispiel führt Brandenburg die beiden Waagen im Verkaufsraum an. Wegen neuer Auflagen musste das alte Kassensystem entfernt und für rund 20000 Euro ein neues installiert werden. Genauso sei es mit dem Fettabscheider in der Schlachterei. Obwohl hier ein funktionierendes Gerät vorhanden ist, das erst wenige Jahre alt ist, verlange der Gesetzgeber, das Gerät auszutauschen, nur weil es nicht mehr der neusten DIN-Norm entspricht. Ein neuer Fettabscheider koste aber viele Tausend Euro. Und so gehe es weiter mit neuen Kühlmaschinen, bei denen sich die Fleischereien nach den neuen Vorschriften anpassen müssen. Es gebe immer neue Aktionen, die richtig viel Geld verschlingen, sagt Brandenburg.

Man findet zwar Leute, aber keine, die im Schlachterhandwerk gelernt haben.

Schlachtermeister Torsten Brandenburg

„Irgendwann kommt der Punkt, wo man sagt: Mache ich weiter oder höre ich auf? Und wenn du dann zum Makler gehst, um mal ein unverbindliches Angebot einzuholen, rechnest du nicht damit, dass es nach zwei Wochen schon einen Käufer gibt“, sagt Brandenburg. Vom Gedanken her hätte er auch noch weiter gearbeitet. „Ich habe gutes Personal, die sind wirklich Klasse, allerdings nicht vollständig. Mein Problem ist, dass ich hinten in der Schlachterei schon länger einen fachlich versierten Schlachter gesucht habe. Man findet zwar Leute, aber keine, die im Schlachterhandwerk gelernt haben.“

Torsten Brandenburg bleibt weiterhin in Heiligenhafen

Erleichtert ist der Schlachtermeister, dass seine Fleischereifachverkäuferinnen alle eine neue Arbeit gefunden haben. Auf die Frage, was er in Zukunft machen will, antwortet Torsten Brandenburg, dass zuerst der Ausbau der Maschinen, die verkauft werden sollen und die Übergabe der Immobilie noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden. Danach wolle er erst einmal eine Auszeit nehmen, sagt der 57-Jährige. Auch durch die Corona-Lage sei alles etwas schwieriger geworden. Große Veranstaltungen seien abgesagt, und das mache sich auch im Catering bemerkbar. Was sehr gut laufe, sei der Mittagstisch, bei dem die Schlachterei Brandenburg sechsmal in der Woche ein Essen mit wechselnden Gerichten anbiete. Für diese Kunden sei die Schließung der Schlachterei ein echter Verlust. Brandenburg dankt seinen treuen Kunden, die seiner Schlachterei über viele Jahre die Treue gehalten haben.

Ganz die Hände in den Schoss legen will der 57-Jährige aber nicht. Brandenburg freut sich nach einer kurzen Auszeit wieder auf neue Aufgaben. Heiligenhafen wird er weiterhin treu bleiben.

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