Gewaltpräventionsausstellung in der Theodor-Storm-Schule in Heiligenhafen
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In der Schulaula der Theodor-Storm-Schule in Heiligenhafen schauten sich Eltern interessiert die Wanderausstellung zur Prävention von sexualisierter Gewalt an Kindern an.

Kinder müssen widersprechen können

Theodor-Storm-Grundschule zeigt Ausstellung zur Gewaltprävention

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
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Die Theodor-Storm-Grundschule in Heiligenhafen lud kürzlich zu einem Elternabend ein, um über das Thema „Sexualisierte Gewalt“ aufzuklären. Wenn Kinder ein gesundes Selbstbewusst haben, sei schon viel richtig gemacht.

  • Theodor-Storm-Schule tut viel, um Kinder vor sexualisierter Gewalt zu schützen.
  • 90 Prozent der Taten beginnen zwischen dem sechsten und dem 14. Lebensjahr.
  • Ein freierer Erziehungsstil führt zu selbstbewussten Kindern, die sich trauen, einem Erwachsenen auch mal zu widersprechen.

Heiligenhafen – „Wir wollen Kinder stark machen, wir wollen sie aufs Leben vorbereiten“, erklärte Lehrer Finn Thal von der Theodor-Storm-Schule in Heiligenhafen auf dem Elternabend in der Sporthalle, bei dem zusammen mit dem Kinderschutzbund über das Thema „Sexualisierte Gewalt“ mit einer Ausstellung informiert wurde. Die Eltern erhielten hier allerhand Informationen, mit denen ihre Kinder bestmöglich vor sexualisierter Gewalt geschützt werden sollen.

„Die Schule ist ein Lern- und Lebensraum, da wird auch zementiert, was in der Gesellschaft passiert“, führte Thal in das Thema ein. Gleichzeitig sei sie aber auch ein Ort, wo etwas verändert werden könne und wo Kinder die Möglichkeit haben, ihre eigene Identität zu entwickeln. Die Persönlichkeitsentwicklung ziehe sich an der Schule wie ein roter Faden durch alle Fächer. Jeden Tag gehe es darum, wie Schüler miteinander umgehen und wie mit Konflikten umgegangen wird, stellte der Lehrer heraus. Die Theodor-Storm-Schule vermittle ihren Schülerinnen und Schülern im Sachunterricht eine angemessene Sexualaufklärung, so Thal. „Je aufgeklärter ein Kind ist, desto stärker ist es geschützt vor sexualisierter Gewalt.“

Gewalt kann in unterschiedlichen Formen auftreten

Doch was meint der Begriff genau? Das erklärte der Psychologe Volker Neubeck vom Kreisverband Ostholstein des Kinderschutzbundes den anwesenden Eltern. „Sexualisierte Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem minderjährigen Kind vorgenommen wird.“ Etwa 20 bis 25 Prozent der Mädchen und circa zehn Prozent der Jungen erleben sexualisierte Gewalt, betonte Neubeck. 90 Prozent der Taten würden zwischen dem sechsten und dem 14. Lebensjahr beginnen. Gewalt könne dabei in unterschiedlichen Formen auftreten, sie verlaufe von Beschimpfungen über Schläge bis hin zu seelischer Manipulation, so der Psychologe. Besonders wichtig, um den Begriff zu verstehen, sei laut Neubeck eines: „Es geht um Macht und das Kontrollerleben über andere Menschen.“ Je früher der Missbrauch beginne, desto höher sei die Wiederholungsgefahr.

Die Täter würden aus allen sozialen Schichten kommen. Nach den bisherigen Untersuchungen seien 80 Prozent von ihnen männlich und zehn Prozent weiblich. „Selten sind es Fremde, die ihre Opfer zufällig herausgreifen“, merkte Neubeck an. Oft kämen die Täter aus dem näheren sozialen Umfeld von Kindern wie beispielsweise dem Freundeskreis, der Familie, dem Verein oder auch der Schule. Auch das Internet mit seinen vielen Kontaktmöglichkeiten wie Chats und sozialen Netzwerken würden Täter nutzen, um mit Kindern in Kontakt zu kommen und sich in ihre Lebenswelt einzuschleichen. Diese Herangehensweise werde mit dem Begriff Cybergrooming bezeichnet, erklärte der Berater des Kinderschutzbundes.

Kinder brauchen Selbstbewusstsein

Auf der anderen Seite gebe es auch nicht das typische Opfer, führte Neubeck weiter aus. „Es gibt aber Risiko-Faktoren.“ So sei besonders das Selbstbewusstsein von Kindern wichtig, um sich gegen sexualisierte Gewalt wehren zu können. „Kinder brauchen ein großes Selbstbewusstsein“, sagte der Psychologe, da es innerhalb eines Abhängigkeitsverhältnisses zu einem Erwachsenen von großer Bedeutung sei, dass Kinder ihre eigene Meinung äußern und auch klar deutlich machen, dass ihnen etwas nicht gefällt und dass sie etwas nicht möchten. Kinder mit wenig Selbstbewusstsein würden leichter zu Opfern sexualisierter Gewalt werden, „weil Täter sich die Kinder heraussuchen, von denen sie wenig Widerstand erwarten“, informierte Neubeck. Deshalb sollten Eltern auf ein gutes Erziehungsklima achten. Wenn dieses etwa eher herrschsüchtig ausgelegt sei, sodass Kinder gegenüber ihren Eltern keinen Widerspruch äußern dürfen, dann führe das eher dazu, dass sie sich auch bei sexualisierter Gewalt nicht trauen würden, zu widersprechen. Ein freierer Erziehungsstil, bei dem Kinder ihre eigene Meinung äußern dürfen, lasse sie ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, so der Psychologe. Darüber hinaus gehöre aber auch ein aufmerksames Umfeld zu den Präventionsmaßnahmen von sexualisierter Gewalt.

Volker Neubeck vom Kinderschutzbund Kreisverband Ostholstein informierte die Eltern in der Sporthalle über das Thema „Sexualisierte Gewalt“.

In drei Gruppen gingen die Eltern anschließend zur Wanderausstellung des Gewaltpräventions-Vereins Petze in die Aula der Grundschule. Sie ist noch bis Ende dieser Woche in Heiligenhafen zu sehen und soll von allen Schulklassen besucht werden. An verschiedenen Stationen können Kinder hier lernen, einzuordnen, in welchen Situationen sie es mit sexualisierter Gewalt zu tun haben. Sie lernen hier, Situationen mit Erwachsenen einzuordnen, in denen sie Widerstand leisten dürfen. So etwa beim Thema Berührungen, mit denen sie in ihren jungen Jahren sehr viel zu tun haben. Bei komischen und sich schlecht anfühlenden Berührungen, auch wenn es der eigene Opa ist, sollen Kinder widersprechen und sich von anderen Hilfe holen. Ebenso spricht ihnen die Ausstellung Mut zu, wenn es darum geht, ihre eigene Meinung zu äußern und in Situationen, die ihnen nicht gefallen, zu widersprechen.

Weitere Informationen zum Kinderschutzbund Kreisverband Ostholstein und zum Thema „Sexualisierte Gewalt“ gibt es im Internet auf der Seite kinderschutz-zentrum-ohse.de sowie telefonisch unter 04561512325.

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