Wie heimische Betriebe die Corona-Lage sehen / „Wir müssen jetzt da durch“

Die Wirtschaft in Heiligenhafen leidet

Wie Elektromeister Karl Schmütsch (l.) berichtet, würden viele Kunden ihre Aufträge stornieren.
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Wie Elektromeister Karl Schmütsch (l.) berichtet, würden viele Kunden ihre Aufträge stornieren.

Heiligenhafen –ft– Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft in Heiligenhafen sind fatal. Viele Betriebe haben nur noch Finanzmittel für ein paar Wochen. 

  • "Katastrophe" für Tourismuswirtschaft, Gastronomie und Einzelhandel in Heiligenhafen
  • Aufträge im Handwerk werden abgesagt
  • Zahlreiche Arbeiter in Kurzarbeit

Alle von der HP befragten Unternehmer sind sich unterdessen einig darüber, dass die eingeleiteten Schutzmaßnahmen des Landes und des Bundes richtig seien. Nur so könne die Infektionskette des sich ausbreitenden Coronavirus unterbrochen werden.

Doch wie sieht es in einem Fremdenverkehrsort wie Heiligenhafen aus, der ja vom Tourismus lebt? Die HP sprach mit Handwerkern, Geschäftsleuten und Gastronomen und fragte nach den Auswirkungen der Krise auf ihren Geschäftsbereich.

Aufträge brechen weg

Für den Heiligenhafener Elektromeister Karl Schmütsch haben im Handwerk alle das Problem, dass Kunden Aufträge stornieren oder verschieben und somit keine neuen Aufträge reinkommen. „Die Großbaustellen machen teilweise ganz zu, so haben wir in Großenbrode eine Woche nicht gearbeitet, diese Woche geht es zum Glück weiter“, berichtete Schmütsch und ergänzte: „Die Zweitwohnungsbesitzer, die noch sanieren wollten, können nicht mehr anreisen. Wenn das in vier Wochen vorbei sein sollte, können wir froh und glücklich sein und haben alle hoffentlich was aus dieser Krise gelernt.“ Große Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Corona-Krise mache er sich aber nicht. Für die Tourismuswirtschaft, die Gastronomie und den Einzelhandel sei es milde gesagt eine „Katastrophe“. Für Betriebe, die über kein Polster verfügen oder groß investiert haben, könne es gefährlich werden, denn die Abträge und Zinsen laufen weiter, sagte Schmütsch. Sein Verkaufsgeschäft hat er schließen müssen und für einen Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beantragt. Der technische Betrieb laufe noch weiter.

„Im Moment ruht das Telefon“

Marcel Hoffmann ist Malermeister in Heiligenhafen. Auch ihn befragte unsere Zeitung nach den Auswirkungen der Corona-Krise auf seinen Betrieb. „Im Moment ruht das Telefon. Kaum Anfragen, Privatleute sagen ab, weil sie Angst haben.“ Und was ist mit den Mitarbeitern? „Noch sind sie bei mir, noch habe ich Arbeit für ein paar Wochen, doch die ersten fangen an, in Urlaub zu gehen. Nach Ostern gehen einige in Kurzarbeit.“ Um zu überleben, setzt auch Marcel Hoffmann auf die versprochene finanzielle Unterstützung der Bundesregierung. Die Hilfe für kleine Unternehmen über 15000 Euro würde helfen, um liquide zu bleiben. „Kredite belasten einen Betrieb, denn sie müssen zurückgezahlt werden“, so Marcel Hoffmanns ehrliche Meinung. „Wenn die Krise länger dauert, kommen wir auch an unsere Grenzen. Was dann kommen könnte, wäre katastrophal.“ Auch der Kontakt zu den Kollegen der Bezirkshandwerkerschaft sei in diesen Tagen wichtig. Hier werde offen über die Corona-Krise gesprochen, und der Erfahrungsaustausch unter den Handwerkern sei hilfreich, so Hoffmann. Auch die Ärzte in Heiligenhafen haben mit der aktuellen Corona-Krise zu kämpfen.

„Der Laden ist dicht“

Mit dem Einreiseverbot für Touristen haben auch die Restaurants schließen müssen. Wie ist die Lage in der Gastronomie? „Der Laden ist dicht“, sagte Benn Steltner vom Restaurant „Seestern.“ Die Mitarbeiter habe er alle in Kurzarbeit schicken müssen. Keine Einnahmen mehr. Hier und da noch ein paar Handwerker, die übernachten dürfen, aber sonst alles auf null. Zu den Einnahmeverlusten befragt, sagte Steltner. „Jetzt in den Wochen vor Ostern tut es nicht ganz so weh. Ostern allerdings ist das Gästeaufkommen immer sehr gut. In der Vorbereitung auf die nächste Saison hatten wir schon alle Angestellten angemeldet“, so der Gastronom, der ergänzte: „Auch wenn uns die Lohnkosten abgenommen werden, müssen die 60 Prozent vom Lohn erst vorgeschossen werden. Unternehmen, die bodenständig sind und vernünftig gewirtschaftet haben, verfügten über ein Polster, bei den anderen könnte es früher oder später eng werden.“ Auch die Zeit danach, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden, werde nicht einfach werden. „Auch wenn in zwei Monaten alles geschafft ist, ist die Saison erst mal gelaufen.“ Dann komme der Winter, und zur Saison 2021 werde sich alles wieder normalisiert haben, so die Einschätzung von Benn Steltner.

„9000 Euro helfen da wenig“

Viele Gastronomie-Betriebe versuchen sich mit dem Außer-Haus-Verkauf und einem Lieferservice derzeit über Wasser zu halten. So auch Heiko Wallerstein vom „Fischerstübchen“. „Ich glaube, keiner weiß so wirklich, wie es weitergeht. Es geht vielen Gastronomen nicht gut. Ostern ist die Zeit, wo wir alle Geld verdienen – die Hotels, die Zimmervermietung und die Gastronomie. Doch es reisen keine Gäste an, die Lokale haben geschlossen. Ob die Hilfe des Bundes bei den Kleinen ankommt, ist noch fraglich.“ Sollte die Krise noch weiter anhalten, werden alle vier Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „9000 Euro Überbrückungsgeld vom Staat helfen da sehr wenig.“

So versuchen Wallerstein und einige seiner Kollegen mit dem Außer-Haus-Verkauf Kosten aufzufangen. „Ich bin jetzt seit zwölf Jahren im ‚Fischerstübchen‘ und habe miterleben können, wie der Laden aufgebaut wurde und sich etabliert hat. Die Zeit der Corona-Krise ist hart, aber wir müssen jetzt da durch. Die Maßnahmen sind wichtig, und wir sollten uns alle daran halten“, sagte Heiko Wallerstein.

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