Der Heiligenhafener Otto Rosan feierte am Wochenende seinen ersten dreistelligen Geburtstag

Ältester Mann der Stadt wurde 100

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Otto Rosan steckt voller Lebensfreude. Der humorvolle Rentner feierte am Wochenende in großer Runde seinen 100. Geburtstag.

Heiligenhafen -mf- Ein Mann, der voller Lebensenergie steckt – so lässt sich Otto Rosan wohl am besten in einem Satz beschreiben. Wer den gut gelaunten Rentner kennenlernt, erfährt nicht nur, was es heißt, 100 Jahre alt zu werden, sondern versteht auch, was wahre Lebensfreude bedeutet. Dabei hat der Heiligenhafener schon viel Elend miterleben müssen, von dem jüngere Generationen nur aus den dunkelsten Stunden des Geschichtsunterrichts gehört haben.

Otto Rosan wurde am 11. Juli 1920 als erstes von sechs Kindern in Wilmsdorf im damaligen Kreis Neidenburg (Provinz Ostpreußen) geboren. Nach seiner Schulzeit begann Rosan eine Lehre auf einem Gutshof – bis der Krieg kam. Er meldete sich freiwillig zur Marine, doch eine Blinddarmerkrankung machte seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung, sodass der damals junge Mann von 1939 bis 1945 bei der Flugabwehrkanone eingesetzt wurde. In dieser Zeit musste Otto Rosan mehrmals seinen Standort und das Aufgabenfeld wechseln und landete schließlich in Leningrad. „Für mich war diese Zeit sehr furchtbar und gefährlich“, erinnert sich der Senior bis heute. „Nach dem Kriegsende sind wir dann zu Fuß von Leningrad nach Schleswig-Holstein marschiert. Am Kellersee bekamen wir von den Engländern eine Scheune als Unterkunft.“ Später konnte er zu seiner Tante Tilly in die Nähe von Hamburg ziehen, wo er in einer Baumschule einen Job fand.

Schließlich suchte Otto Rosan sich eine Unterkunft in Neuenfelde und zog dann, als es ihm dort nicht mehr gefiel, nach Hamburg-Schnelsen. „Hier war auch das Privatleben für mich abwechslungsreicher“, sagte der schon immer unternehmungslustige 99-Jährige. Jedes freie Wochenende nutzte Otto Rosan damals, um sein Tanzbein zu schwingen und auch, um das eine oder andere nette Mädchen kennenzulernen. Wirklich überzeugt hatte den leidenschaftlichen Tänzer allerdings nur eine: Hertha Dahm aus Heiligenhafen, die er am 28. März 1952 in Hamburg zur Frau nahm.

Inzwischen arbeitete das Ehepaar in Hamburg – Otto Rosan in einem Büro auf einem Schlachthof und seine Frau Hertha als Arbeiterin in einer Eisenverarbeitungsfirma. Im Rentenalter zog es das Paar an die Ostsee und so gingen die beiden 1983 zurück in Hertha Rosans Elternhaus nach Heiligenhafen, wo sie auch die Jahre zuvor schon am liebsten ihre Urlaube verbrachten. Besonders stolz ist Otto Rosan noch heute auf seinen Siegerpokal, den er 1985 für den schönsten Schrebergarten bekommen hat. Die kleine Grünanlage war für die Naturliebhaber immer ein beliebter Ruhepunkt.

Dann gab es einen tiefen Einschnitt in Otto Rosans Leben: Im Alter von 87 Jahren verlor seine geliebte Ehefrau den Kampf gegen den Krebs und verstarb. „Ich vermisse sie sehr“, sagte der fast 100-Jährige, der seinen Lebensmut trotzdem nie verloren hat. Mit 96 Jahren machte der Senior sogar noch einen Rundflug über Fehmarn und Heiligenhafen und bestaunte sein Wohnhaus aus luftiger Höhe. Der Nervenkitzel hatte es Otto Rosan offensichtlich angetan, denn im vergangenen Jahr setzte sich der Rentner bei den Hafenfesttagen zum ersten Mal in seinem Leben in ein Riesenrad.

Ein Geheimnis, wie man so alt wird, hat Otto Rosan nicht. Es liege an den Genen, glaubt seine Nichte Waltraud Kardel. Für den morgigen Jubilar sei die Zeit einfach sehr schnell vergangen: „Wenn man in Gange ist, dann läuft das Leben einfach immer so weiter“, sagte Rosan. Eine Gewohnheit könnte sich allerdings doch noch als Geheimnis entpuppen, um ein so stolzes Alter zu erreichen, denn seit jeher legt der 99-Jährige viel Wert auf sein tägliches Nickerchen. Auch zu Kriegszeiten habe Otto Rosan nicht darauf verzichten wollen. „Ein Mittagsschläfchen, das muss ich immer haben.“

Sowohl vom geistigen als auch vorm körperlichen Zustand her würde man dem Rentner abkaufen, locker 20 Jahre jünger zu sein. Otto Rosan macht seinen gesamten Haushalt alleine, putzt, wäscht, liest Zeitung und geht sogar selbst einkaufen. An eine Gehhilfe oder andere Hilfsmittel denkt der Junggebliebene nicht einmal – auch die steile Treppe zu seiner Wohnung meistert er ohne Probleme. Nur das Hören fällt Otto Rosan schwer, doch mit dem Ohr habe er bereits als Junge Schwierigkeiten gehabt, das „Geknalle“ im Zweiten Weltkrieg habe sein Übriges getan. Wünsche zu seinem Geburtstag hat Otto Rosan nicht: „Ich bin zufrieden, ich habe ja von allem genügend.“ Er freue sich über jeden weiteren Tag seines Lebens, über noch viele Spaziergänge am Strand und über viele nette Menschen, die er trifft, mit denen er sich unterhalten kann.

Die Ältesten der Alten

Otto Rosan ist zwar der älteste Mann Heiligenhafens, aber nicht die älteste Person in der Warderstadt. Eine einzige Frau hat es geschafft, das Geburtstagskind mit einem Alter von 102 Jahren zu toppen. Mit einem Alter von über 117 Jahren ist die Japanerin Kane Tanaka der älteste lebende Mensch der Welt. Die älteste Person, die jemals gelebt hat, ist die Französin Jeanne Calment. Sie starb am 4. August 1997 im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen.

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