So wurde das Schwimmbad in einer ersten Grafik im Februar 2019 der Öffentlichkeit präsentiert.
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So könnte das Schwimmbad, das so in einer ersten Grafik im Februar 2019 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, aussehen.

Bürgerentscheid am 14. Februar

Schwimmbad und Hotel: Heiligenhafen stimmt ab

  • Patrick Rahlf
    vonPatrick Rahlf
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Am Sonntag stimmen die Einwohner von Heiligenhafen beim Bürgerentscheid darüber ab, ob auf dem Steinwarder ein Schwimmbad, ein Hotel und eine Parkpalette entstehen sollen. Das Ergebnis wird abends im Internet veröffentlicht.

  • Bereits 1700 Wähler haben ihre Stimme per Briefwahl abgegeben.
  • Die vier Abstimmungslokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
  • Die Sprecher der Pro- und Contraseite kommen noch einmal zu Wort.

Heiligenhafen – Eines ist jetzt schon sicher: Die Wahlbeteiligung am Bürgerentscheid, der am Sonntag (14. Februar) in Heiligenhafen stattfindet, wird größer sein als im Oktober 2015. Vor fast fünfeinhalb Jahren hatte es den letzten Bürgerentscheid in Heiligenhafen gegeben, an dem sich gerade einmal 13,82 Prozent aller Abstimmungsberechtigten (1122 Personen) beteiligt hatten. Damals ging es um die Ansiedlung eines Wohnmobilstellplatzes auf dem Steinwarder, und auch dieses Mal steht der Standort wieder im Fokus. Die Fragestellung des Bürgerentscheides lautet: „Sind Sie dafür, dass auf dem Steinwarder keine weitere Bebauung vorgenommen wird, die Planungen für ein Hotel, Erlebnisbad und Parkpalette eingestellt und die hierfür beschlossenen Aufstellungsbeschlüsse aufgehoben werden?“ 

Das ist die rund 18000 Quadratmeter große Potentialfläche auf dem Steinwarder westlich des bestehenden Parkplatzes.

„Es haben bislang 1700 Briefwähler ihre Stimme abgegeben. Bereits in den letzten Jahren haben wir eine steigende Tendenz bei den Briefwählern erlebt, so viele waren es aber noch nie“, sagte Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos), der als Abstimmungsleiter fungiert. Zum Vergleich: Bei der Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr hatten gerade mal 864 Bürger Briefwahl beantragt. „Ob es wirklich eine herausragende Wahlbeteiligung wird oder einfach coronabedingt sehr viele Bürgerinnen und Bürger die Briefwahl favorisiert haben, wird sich erst am Sonntag zeigen“, so Brandt. 

Die vier Abstimmungslokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet

Am Valentinstag haben die vier coronakonform hergerichteten und barrierefreien Abstimmungslokale (Jugendclub „Pier 15“, Warderschule, Jugendzentrum und Rathaus) in der Zeit von 8 bis 18 Uhr geöffnet. „Es liegen genügend Stifte bereit, die natürlich desinfiziert werden. Es ist dieses Mal aber auch erlaubt, einen eigenen Stift mitzubringen“, erklärte der Wahlleiter gestern gegenüber der HP. Auf eine öffentliche Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses im Rathaus-Sitzungssaal muss in Pandemie-Zeiten verzichtet werden. Die Zahlen werden auf der Internetseite der Stadt (heiligenhafen.de) umgehend veröffentlicht, sobald sie vorliegen. „Ich rechne damit, dass das Endergebnis zwischen 19 und 19.30 Uhr bekanntgegeben werden kann“, so Brandt, der sich eine große Wahlbeteiligung wünscht. „Direkter als über einen Bürgerentscheid kann man an einer kommunalen Entscheidungsfindung nicht teilnehmen. Und ich denke, dass zu diesem Thema alle Heiligenhafener eine Meinung haben.“ 

Wichtig: Wer sich gegen eine weitere Steinwarder-Bebauung ausspricht, muss sein Kreuz bei „Ja“ setzen, wer für die Fortführung der von der Stadtvertretung mehrheitlich getragenen Projektbausteine Hotel, Schwimmbad und Parkpalette ist, muss mit „Nein“ stimmen. 

Thema polarisiert die Heiligenhafener

Dass das Thema polarisiert, hat auch Kuno Brandt in den vergangenen Wochen erlebt. Besonders auf Facebook sei der Ton rauer geworden, und die Fronten hätten sich verhärtet. „Dabei handelt es sich aber eher um Einzelfälle“, so Brandt.

Für einen Sieg beim Bürgerentscheid muss das „Bündnis Steinwarder“, das über ein erfolgreiches Bürgerbegehren die Abstimmung erst erreicht hat, zwei Hürden nehmen: Die Mehrheit aller Abstimmungsteilnehmer muss mit „Ja“ stimmen, zudem muss  dabei das Quorum von 20 Prozent aller Abstimmungsberechtigten (insgesamt 8272) übertroffen werden. Mindestens 1655 Ja-Stimmen werden also benötigt, um die gefassten Aufstellungsbeschlüsse der Heiligenhafener Stadtvertretung aufzuheben.

Die Initiative „Pro Schwimmbad“ und das „Bündnis Steinwarder“ äußern sich selbst

Michael Jesse von der Initiative „Pro Schwimmbad“

Die Planungen für ein Erlebnisbad, das uns allen die Möglichkeit bietet, endlich wieder schwimmen zu gehen, laufen bereits seit vielen Jahren. Ich selbst habe die Initiative „Pro Schwimmbad“ ins Leben gerufen, weil viele Aussagen der Initiatoren des Bürgerbegehrens nicht der Wahrheit entsprechen. Es ist für mich als Vater zweier Kinder einfach nicht fair, wenn hier eine einmalige Chance verpasst wird. Es wird keine Schwimmhalle an einem anderen Standort geben können. Es gibt nur auf dem Steinwarder eine 90-prozentige Förderung. Die Stadt muss sich für das Schwimmbad nicht um einen Euro mehr verschulden.

Michael Jesse von der Initiative „Pro Schwimmbad“ sieht in der Kombination aus Schwimmbad, Hotel und Parkplatz eine einmalige Chance für Heiligenhafen.

Durch das Familienhotel wird die Wirtschaft im Ort nicht geschädigt, sondern diese Gäste bringen mehr Kaufkraft in die gesamte Stadt. Es fließen ganz direkt über Steuern und Kurabgabe mehr Mittel in die Stadtkasse. Kinder, Jugendliche, aber auch Senioren werden wieder ein echtes Schwimmangebot mit 6 x 25 Meter langen Bahnen direkt vor Ort nutzen können. Zum Schwimmen kein Pendeln mehr nach Fehmarn oder Eutin. Das Bad wird kommunal betrieben und wird natürlich auch Schwimmunterricht und Ausbildung anbieten. Durch das Hotel und das Bad werden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. 

Alle diese Tatsachen sind bei der Entscheidung der Stadtvertretung im August 2019 geprüft und bewertet worden. Bitte denken Sie an die Zukunft unserer Stadt und ihrer Einwohner/innen und stimmen Sie daher am Sonntag mit „Nein“.

Jörn Brauer und Hans Jürgen Detlef vom „Bündnis Steinwarder“

Jörn Brauer vom „Bündnis Steinwarder“ spricht sich gegen das Schwimmbad-Vorhaben aus.

Wir haben es gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Stadtvertretung erreicht: Jetzt können die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden! Doch wir entscheiden nicht allein über ein Hotel, ein Erlebnisbad und eine Parkpalette in exponierter Lage. Es geht auch um den Weg, den Heiligenhafen zukünftig gehen will. Wollen wir die Ideen aufnehmen, die ganz Deutschland und die Welt bewegen und nicht weiter zur Klimaerwärmung beitragen? Wollen wir versuchen, in diesem Sinne unseren Gästen und uns die Natur zu erhalten und erlebbar zu machen? Heben wir uns ab von anderen Ostseebädern, die ihre Küsten zubetoniert haben! Tourismus ja, aber mit Sinn, Verstand, das heißt mit soliden finanziellen Maßnahmen und vor allem zeitgemäß – und das heißt nachhaltig und naturnah.

Hans Jürgen Detlef möchte die Natur auf dem Steinwarder so belassen, wie sie ist.

Es geht letztendlich darum, ob wir im Gestern stecken bleiben oder in die Zukunft denken. Das Gestern ist ein Energiemonster von Erlebnisbad, das mit Gasblockheizkraftwerk CO2 in die Luft bläst. Die Zukunft gehört nicht dem Massentourismus, sondern dem Qualitätstourismus mit Erweiterung sicherer Fahrradwege, Naturlehrpfade und einem intakten, zeitgemäßen Zusammenspiel von Strand – Hafen – Stadt. Entweder Massentourismus auf Teufel komm raus oder ob unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben sollen. Es gibt nur das Eine oder das Andere. Deshalb muss sich jede Wählerin und jeder Wähler darüber klar sein: Diese Wahl am 14.2.2021 entscheidet jetzt über die Zukunft Heiligenhafens. Sie haben es in der Hand. 

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