Caesar: Not, die nicht mehr unter „normal“ eingestuft werden kann

„Heiligenhafener Tafel“ nimmt Betrieb auf

Von Andreas HöppnerHEILIGENHAFEN • Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland ist unverkennbar, soeben wurden die neuesten Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt veröffentlicht.

Doch nicht alle Mitbürger profitieren von dieser positiven Entwicklung, die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter geöffnet. Auch in Heiligenhafen leben zahlreiche Menschen am oder unterm Existenzminimum. Um deren Not zu lindern, hat sich die  Ev.-Luth. Kirchengemeinde Heiligenhafen auf Initiative von Pastorin Elisabeth Caesar entschlossen, die „Heiligenhafener Tafel“ zu gründen, die ab sofort jeden Dienstag Lebensmittel ausgibt.

„Es hat sich eine Not eingestellt, die nicht mehr unter "normal" eingestuft werden kann“, so Elisabeth Caesar, die beispielhaft von einer Rentnerin berichtet, die einen behinderten Sohn betreut, sich aufgrund einer Mieterhöhung nach einer neuen Wohnung umsehen muss und das Haushaltsbudget nur noch ausreicht, um sich Toastbrot leisten zu können. Da schien der Pastorin der Zeitpunkt gekommen zu reagieren. So reifte im November des letzten Jahres der Entschluss, in Heiligenhafen eine Tafel ins Leben zu rufen, wie es sie bereits in Oldenburg und Burg gibt.

Mittlerweile habe man rund 30 Helfer gefunden, die das Projekt unterstützten, so Caesar. Und auch bei den Filialleitern der Supermärkte, den Bäckereien, Gemüse- sowie Fischhändlern sei man auf offene Ohren gestoßen. Kühlschränke, in denen die Lebensmittel gelagert werden können, seien von Privat- und Geschäftspersonen auch schon bereitgestellt worden, freute sich Caesar.

Als Ausgabestelle für die Lebensmittel dienen alte Küche und alter Speisesaal im Psychatrium. Hier habe man mit dem Psychatrium eine Mietvereinbarung getroffen, berichtete Caesar. Man habe sich zwar auch bei der Stadt um Räumlichkeiten bemüht, doch diese habe keine zur Verfügung stellen können, bedauerte die Pastorin. Gleichwohl freue sie sich über die „100-prozentige ideelle Unterstützung“ des Projektes durch Bürgermeister Heiko Müller.

Die Trägerfunktion der „Heiligenhafener Tafel“ hat die Ev.-Luth. Kirchengemeinde übernommen, die der Gemeinde angeschlossene Diakonie-Sozialstation unter Leitung von Axel Severin übernimmt Aufgaben der Verwaltung und stellt die Fahrzeuge zur Verfügung, mit denen die Lebensmittel zur Ausgabestelle transportiert werden.

Um Missbrauch vorzugbeugen, ist von den Personen, die die „Heiligenhafener Tafel“ in Anspruch nehmen, der Nachweis der Bedürftigkeit zu erbringen. Hierzu, so Severin, ist ein kurzer Fragebogen auszufüllen. Zudem haben die Bedürftigen bei der Ausgabe der Lebensmittel (keine Essensausgabe) einen Euro zu entrichten.

„Ich habe schon jetzt ein großes Echo verspürt“, blickt Elisabeth Caesar der Premiere am 8. Mai mit einer gewissen Spannung entgegen. Die „Heiligenhafener Tafel“ ist jeweils dienstags geöffnet in der Zeit von 15 bis 16 Uhr.

 

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