Horst Brunotte übte das Amt 32 Jahre lang aus / Gespräche immer wichtiger als Paragraphenreiterei

Heiligenhafens Schiedsmann sagt Adieu

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Bürgermeister Heiko Müller dankte Horst Brunotte (r.) für sein 32-jähriges Engagement als Schiedsmann. Ilse Hoffmann-Röhr fungierte die vergangenen neun Jahre als Stellvertreterin.

HEILIGENHAFEN -ra- Eine Ära geht zu Ende: Horst Brunotte, 32 Jahre lang als Schiedsmann in Heiligenhafen aktiv gewesen, ist am Montagvormittag im Rathaus verabschiedet worden. Bürgermeister Heiko Müller dankte dem 84-Jährigen für sein „außergewöhnliches Engagement“, das im Jahr 1982 begonnen hatte.

Wer nun nachrechnet, wird schnell merken, dass es eine Unterbrechung von vier Jahren gab. „Das war in der Zeit von 1999 bis 2003. Die Partei mit der politischen Mehrheit zu dieser Zeit wollte ihren eigenen Kandidaten installiert wissen“, blickte Horst Brunotte zurück. Im Anschluss übernahm er wieder den Posten, den er immer mit viel Herzblut ausgeübt hat. „Man muss einfach Lust darauf haben. Mir war es immer wichtig, über Dinge ehrlich zu sprechen und bei Streitigkeiten nicht auf Paragraphen zurückzugreifen, denn damit kenne ich mich gar nicht aus“, erzählte der gelernte Drogist, der bis 2000 seinen eigenen Laden in Heiligenhafen geführt hatte.

Es mag zwar ein Klischee sein, aber Auseinandersetzungen im privaten Bereich gibt es besonders häufig unter Nachbarn. „Die Hecke wird nicht geschnitten oder ein Baum ragt auf das andere Grundstück – dann komme ich ins Spiel“, erklärte Brunotte, auf den die „Streithähne“ zukamen. In Deutschland sollen Schiedsmänner die Gerichte vor unnötigen privaten Rechtsstreitigkeiten freihalten. Erst wenn die Beratung nicht von Erfolg gekrönt war, muss sich doch ein Richter der Sache annehmen.

„Es gab Jahre, da hatte ich nur drei Fälle, 2017 waren es aber 21“, blickte der scheidende Schiedsmann zurück. Das liegt aber unter anderem auch daran, weil früher die sogenannten „Haustürfälle“, also die nur einmalige Beratung zwischen „Tür und Angel“, nicht protokolliert werden mussten. Das hat sich seit einiger Zeit geändert. „Manchmal reicht schon ein einfacher Ratschlag und die beiden Parteien klären den Rest unter sich. Aber dann gibt es natürlich auch noch andere Fälle, bei denen es richtig zur Sache geht und alle Beteiligten einfach nicht zurückstecken wollen“, berichtete er im Rahmen seiner Verabschiedung, bei der er von Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller einen Restaurant-Gutschein überreicht bekam.

Ganz auf die „faule Haut“ legen will sich Horst Brunotte unterdessen noch nicht. „Zweimal die Woche fahre ich nun Medikamente für eine Apotheke aus. Ich muss etwas um die Ohren haben und genieße den Kontakt mit Menschen.“ Wie Heiko Müller erklärte, besitze Brunotte eine faszinierende Vita, sodass die Stadt ihn mit einem weinenden Auge verabschiede. Horst Brunotte erwähnte in diesem Zusammenhang die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Heiligenhafen und hier besonders mit Dennis Schreiber.

Auch seine Stellvertreterin Ilse Hoffmann-Röhr, mit der er die letzten neun Jahre eng zusammengearbeitet hatte, bekam viel Lob. „Es ist immer gut, noch die Meinung einer Frau einzuholen“, sagte er schmunzelnd. Hoffmann-Röhr, zukünftig in der Stadtvertretung aktiv, wird das letzte Jahr ihrer Amtszeit noch mit Brunottes Nachfolger Klaus-Udo Krolle absolvieren.

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