Ausstellung zum 660. Hafengeburtstag eröffnet / Müller: Jörgen Heinritz ist das Gehirn dieser Stadt

Herz der Stadt schlägt am Hafen

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An die Erfolge der Reederei Willi Freter und der Butterfahrten erinnert ein Teil der Ausstellung im Heimatmuseum, die Hildegard Kunow (l.) und Museumsleiterin Petra Mischke hier präsentieren.

HEILIGENHAFEN (ft) · „Das Herz dieser Stadt ist nicht auf dem Marktplatz, das Herz dieser Stadt ist der Hafen“, sagte Bürgermeister Heiko Müller im Heimatmuseum in seinem Grußwort zur Ausstellungseröffnung zum 660. Hafenjubiläum.

Jeden Besucher, aber auch die Einheimischen ziehe es zum Hafen. Die Gäste wollen die Möwen auf dem Dalben sehen, wenn sie ihre Jungen ausbrüten gleich neben den Gästetischen, sowie die Angelkutter, wenn sie abends mit ihren Fang einlaufen und die Angler von Bord gehen. Auch die Lüttfischer, die eigentlich immer weniger werden, gehörten zum Bild des Hafens, wie auch die Kutterfischer e. G. und die Großfischerei mit ihren Kuttern.

▪ Dank für Aufarbeitung des Theams

„Wir sind dabei, den Hafen am Leben zu erhalten, auszubauen und fit zu machen für die Zunft“, sagte der Bürgermeister. Heiko Müller dankte Jörgen Heinritz sen. und Siegfried Hallmann für die Aufarbeitung des Themas „660 Jahre Hafen Heiligenhafen“. Als Stadtarchivar sei es Jörgen Heinritz sen. gelungen, Einblicke in die Hafengeschichte zu geben.

Heiko Müller: „Jörgen Heinritz weiß so viel über Heiligenhafen und den Hafen, dass man sagen muss, er ist das Gehirn Heiligenhafens. Um dieses Wissen auszubreiten, brauche man sicher riesige Hallen.“

Besonders erfreut zeigte sich der Bürgermeister, dass auch dem Begründer der Butterfahrten und der Seetouristik, dem Heiligenhafener Reeder Willi Freter, ein Teil der Ausstellung im Heimatmuseum gewidmet wurde. Mit seinem Engagement habe Kapitän Willi Freter auch ein Stück Heiligenhafen-Geschichte geschrieben und die Stadt weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins bekannt gemacht. Eine ähnliche Anziehungskraft über Grenzen hinweg habe heute der Grenzhandel.

Aber zum ersten Mal nach 660 Jahren müsse man am Hafen erleben, wie hier ein Zaun gezogen werde, der vor den terroristischen Bedrohungen schützen soll. Die Freiheit der Meere scheint nicht mehr gegeben. Wenn dieser Zaun aber nicht da wäre, könnten Schiffe, die hier ankommen, keinen anderen internationalen Hafen außerhalb Deutschlands mehr anlaufen, sagte Bürgermeister Heiko Müller.

Die 1. Vorsitzende des Fördervereins für Heimatmuseum und Kultur, Hildegard Kunow, beizeichnete in ihrem Grußwort den Hafen als wirtschaftlichen Impulsgeber der Stadt und auch gesellschaftlich als einen sehr wichtigen Ort.

660 Jahre Hafengeschichte breitete Stadtarchivar Jörgen Heinritz sen. in seinem Jubiläumsvortrag vor den Gästen im Heimatmuseum aus. Etwa 450 Jahre sei allerdings überhaupt kein Hafen vorhanden gewesen. Doch hinter den Wardern habe für die Schiffe, die die schmale Rinne schafften, Schutz zur Verfügung gestanden. Bei schwerem Wetter konnten sich die Schiffe hier „verkriechen“. Die Stadt habe lange Zeit kein Geld gehabt, um irgendetwas zu unternehmen, um die Schiffe hier sicher unterzubringen, so Heinritz.

Der Stadtarchivar führte weiter aus: Die Stadtwerdung lag allerdings urkundenmäßig bis zum Jahre 1305 im Dunkeln. Um das Jahr 1233 bekamen Graf Adolf IV. und sein Sohn Wagrien zu ihrem Erbe. Die Stadtrechte bestätigte Graf Gerhard zur Grube im Jahre 1305, „am Freitag der vollen Woche nach Ostern“. Auch das Lübsche Recht kam dazu. Die Dorfbewohner der drei eng anein-anderliegenden Dörfer Helerikendorf, Tulendorf und Kristineburfeld und als viertes Krystorf wurden Bürger der Stadt. Wie Jörgen Heinritz sen. deutlich machte, war auch das Stapelrecht mit dem Stadtrecht verbunden. Jetzt konnten Waren angenommen und ausgeführt werden. Später erhielt die „kleine Stadt am Meer“ auch die Gerichtsbarkeit und das Marktrecht sowie Standrecht. Der heutige Wochenmarkt ist eine Folge davon. Wie Jörgen Heinritz sen. berichtete, bekam Heiligenhafen im Dezember 1350 auch die Hafengerechtigkeit verliehen. Das damit verbundene Privileg, Korn, Getreide und andere Waren nur über den Hafen auszuführen, führte zu jahrelangem Streit mit den adligen Gütern und freien Bauern nördlich des Oldenburger Grabens.

Interessant waren auch die Ausführungen des Stadtarchivars Jörgen Heinritz sen. zum erworbenen Strandrecht, das von Hohwacht, über den Breich von Großenbrode und inklusive Fehmarn bis nach Dahme reichte. Die eingesetzten Strandvögte mussten der Stadt mitteilen, wenn irgendetwas angespült wurde. Heute ist es der Hafenmeister, der dieses Recht noch ausübt. Bei ihm sind größere Funde abzugeben.

Auch unter der dänischen Herrschaft von 1460 bis 1864 änderte sich wenig an den Hafenverhältnissen, weiß Jörgen Heinritz sen. zu berichten. Regulär konnte Heiligenhafen in diesen Jahren keinen Hafen vorweisen. Das tiefe Wasser ging bis nach Ortmühle, das nach der bedeutenden Sturmnacht und der Schließung der Warder die Grundlage für den Hafen war. Langsam entstand so der heutige Hafen mitten in der Stadt. 453 Jahre vergingen, um eine Schiffsbrücke in der Nähe der Brückstraße zu errichten. Etwa um 1807 kann man davon ausgehen, dass der Hafen, so wie er heute ist, Bestand hatte.

Jörgen Heinritz sen. streifte in seinem Vortrag auch die Gründungen der Häfen Neustadt, Travemünde, Kiel und Hamburg. Bildmaterial von den ersten Sandbänken vor Heiligenhafen und die Entstehung der Warder bis hin zur Lage des heutigen Hafens rundeten den Vortrag ab. Mit Liedern von Wellen und Meer sorgte der Shantychor der Segler-Vereinigung -Heiligenhafen musikalisch für einen maritimen Rahmen bei dieser Veranstaltung.

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