Auf der Nordweide grasen im Frühjahr Galloways / Müller: Es ist die zurzeit sinnvollste Lösung

Vom Hotel-Areal zur Rinderweide

Aufräumarbeiten auf der Nordweide: Damit die Galloway-Rinder hier demnächst ungefährdet grasen können, müssen dornenreiche Sträucher und alter Stacheldraht entfernt werden.

Von Andreas HöppnerHEILIGENHAFEN • Mitte der 90er-Jahre war die Euphorie in der Stadt Heiligenhafen groß, auf der sogenannten Nordweide gegenüber dem Ferienzentrum eine Hotel- und Appartementanlage errichten zu können.

Als 1995 auf dem Gelände die Pappeln gefällt wurden, war jedoch das letzte Mal Bewegung auf dem Areal, seitdem herrscht Ruhe, die ehrgeizigen Pläne entpuppten sich als großer Flop. In den letzten Tagen regte sich nun doch etwas auf dem verwilderten Gelände, es wurde „aufgeräumt“, damit das rund 3,7 Hektar große Gebiet beweidet werden kann – vom geplanten Hotel-Areal zur Rinderweide.

Die Situation für die Stadt Heiligenhafen ist verzwickt, denn unabhängig von den fehlgeschlagenen Hotelbauplanungen hat die Stadt Forderungen (Grundsteuern) an die Grundstückseigentümerin, die es gar nicht mehr gibt. Es ist (war) die „M & M Ferienprojekt und Vermögens-Verwaltungsgesellschaft“ mit Sitz in Bad Lippspringe. Die Gesellschaft ging in die Insolvenz und das Amtsgericht Paderborn löschte die Firma im Jahr 2003 aus dem Handelsregister.

Stadt beantragte Nachtragsliquidation

Für die Stadt Heiligenhafen stellte sich daraufhin die Frage, wer für sie Ansprechpartner ist für eine weitere Verwertung des Geländes. So beantragte sie eine Nachtragsliquidation und das zuständige Amtsgericht bestellte im November 2005 Immobilientreuhänder Peter Woidt (Oldenburg) zum Nachtragsliquidator. Für Woidt ging es nun darum, das überwiegend aus Grünland bestehende Gelände nicht noch weiter verwildern zu lassen. So sei er in Absprache mit der Stadt Heiligenhafen übereingekommen, mit  dem Klaustorfer Rinderzüchter Hajo Neiser, der bereits eine Galloway-Herde in der Eichholzniederung laufen hat, eine Nutzungsvereinbarung zu treffen.

Gegenüber der HP teilte Neiser mit, dass seine Mitarbeiter zurzeit damit beschäftigt seien, das Gelände so herzurichten, dass die robusten Galloways darauf ohne Verletzungsgefahr weiden könnten. Alter, verrosteter Stacheldraht wird entfernt, dorniges Gestrüpp beseitigt. Im März oder April – je nach Witterung – soll mit dem Auftrieb der Rinder in ganzjähriger Haltung begonnen werden. „Die Tiere sind absolut winterhart und begnügen sich mit einer Vegetation, die für andere Tiere nicht ausreichend ist. Sie sind Landschaftspfleger“, charakterisiert Neiser die Galloways, die er in einer Zuchtgemeinschaft mit Stefan Tischer hält.

Für Bürgermeister Heiko Müller ist es die zurzeit sinnvollste Lösung, das Gelände in direkter Nähe zum Ferienzentrum „nicht verkommen zu lassen“. Natürlich werde man eine anderweitige Verwertung des Geländes „weiter im Auge behalten“, so Müller.

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