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Für diese Fläche an der Großenbroder Mole existiert seit Dezember 2019 ein Aufstellungsbeschluss für einen Hotelbau. Dieser Beschluss soll nun aufgehoben werden.

Hotel-Aufstellungsbeschluss soll aufgehoben werden / Bürgerinitiative und CDU unterstellen Kalkül

Sondersitzung sorgt für reichlich Zunder

Großenbrode -ra- Eine kurzfristig von Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDG) einberufene Sondersitzung der Gemeindevertretung am 25. November sorgt seit dem vergangenen Wochenende in der Gemeinde für Gesprächsstoff. Der einzige Tagesordnungspunkt, über den an diesem Abend abgestimmt werden soll, ist zweifelsohne brisant: Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses vom 11. Dezember 2019 für eine Hotelansiedlung an der Großenbroder Mole.

Auf den ersten Blick scheint das Vorgehen von Jens Reise, der sich in der Vergangenheit für das 140 Zimmer große Hotel an der Mole mit diversen gastronomischen Einheiten und Shops starkgemacht hat, zu überraschen, doch die Begründung lieferte der Bürgermeister auf Nachfrage prompt: „Auch ich habe die Arbeit der Bürgerinitiative, die sich gegen das Projekt ausspricht, natürlich verfolgt. 900 Unterschriften sprechen für sich und zeigen, dass die Skepsis im Dorf größer ist, als ich dachte. Aber ich sehe es als meine Pflicht an, die Gemeinde vor einem millionenschweren Schaden zu bewahren. Das Grundstück muss gesichert werden, dann könnten wir uns mit dem Hotel noch etwas Zeit lassen“, sagte Reise. Mitte vergangener Woche habe er an einer Videokonferenz mit Vertretern von Land und Kreis teilgenommen, die Reise in Aussicht gestellt hätten, der Gemeinde eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, um das Grundstück am Wasser auch nach Juni 2021 überplanen zu dürfen. Entlang von Nord- und Ostsee muss ab Sommer auch innerorts ein Küstenschutzstreifen von 150 Metern von jeder Bebauung freigehalten werden.

„Ob die Aufhebung des jetzigen Aufstellungsbeschlusses, die wir am 25. November beschließen wollen, dazu führt, dass das Bürgerbegehren nichtig ist, kann ich nicht sagen. Das muss die Kommunalaufsicht entscheiden“, sagte Jens Reise. Dennoch räumte er ein, schnell Fakten schaffen zu wollen. Sollte sich die Mehrheit der Großenbroder bei einem Bürgerentscheid gegen eine Hotelansiedlung aussprechen, würde das einen mehrjährigen Planungsstopp auf dem betreffenden Gelände bedeuten.

Fakt ist bereits, dass ein möglicher Bürgerentscheid wackeln könnte, sollte der Aufstellungsbeschluss für eine Hotelansiedlung am 25. November von der Gemeindevertretung erst einmal zurückgenommen werden. Die bereits eingereichte Fragestellung der Bürgerinitiative lautet nämlich wie folgt: „Sind Sie dafür, dass in der Straße Am Kai kein Hotel gebaut wird, die Planungen eingestellt und der gefasste Aufstellungsbeschluss der Gemeinde Großenbrode vom 11. Dezember 2019 aufgehoben wird?“ Ob das laufende Bürgerbegehren von der Sitzung am 25. November betroffen ist, werde nun von den zuständigen Behörden geprüft, so Bündnissprecher Markus Jordan, der auch berichtete: „So einen Fall hat es wohl noch nicht gegeben, wurde mir gesagt. Viele Stunden verschlang bislang die Ausarbeitung der Fragestellung, Sachverhaltsdarstellung und Begründung bis hin zum fertigen Unterschriftenzettel.“ Udo Glauflügel, einer der Mitinitiatoren, ergänzte: „Nach arbeitsreichen fünf Wochen erhielten wir das Okay von der Kommunalaufsicht und fingen an, mit 22 Helfern Unterschriften an den Haustüren zu sammeln.“ Schließlich konnten über 900 Unterschriften von Großenbrodern, die sich für einen Bürgerentscheid in der Hotel-Frage ausgesprochen haben, beim Amt eingereicht werden.

„Ist die geplante Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses nun der Versuch, das Bürgerbegehren unzulässig zu machen?“, fragt sich Markus Jordan derzeit. Udo Glauflügel ergänzte: „Die Gemeindevertretung hatte ihre Chance gehabt, einen Bürgerentscheid und somit Basisdemokratie umzusetzen. Nun will man die demokratische Ordnung auf die Ziele einzelner herunterbrechen, so der Eindruck.“

Auch die Großenbroder CDU hat sich in einer Pressemitteilung am Wochenende zu Wort gemeldet. „Wir, als CDU, fühlen uns durch die überragende Resonanz der Unterschriftenaktion bestätigt, den Willen der Bürger vertreten zu haben und unterstützen in vollem Umfang die Bürgerinitiative. Sollten die Bürger im Bürgerentscheid final gegen ein Hotel stimmen, so würde das Grundstück sowohl in der Bebauung als auch in der Überplanung seitens der gesetzlichen Vorgaben gesperrt werden. Diesen Umstand wollen der Bürgermeister und die Zählgemeinschaft durch eigenständige Rücknahme des Aufstellungsbeschlusses nun verhindern, denn hierdurch bleibt ein zukünftiger Handlungsspielraum erhalten. Es wäre dadurch möglich, eine entsprechende Hotelbauplanung in dieser Größenordnung mit einem neuen Beschluss wieder zu aktivieren“, findet die CDU deutliche Worte für das geplante Vorgehen.

Bezüglich des von Jens Reise genannten angeblichen finanziellen Schadens sei anzumerken, dass auf dem betroffenen Grundstück, auch durch den Bürgerentscheid, der ursprüngliche B-Plan bestehen bleiben würde. „Eine Bebauung bleibt somit für nachfolgende Generationen weiterhin möglich, allerdings nicht mehr für einen viergeschossigen Massentourismus-Komplex“, so die Christdemokraten vom Sund und ergänzen: „Interessant wäre auch, wann der Bürger erfahren soll, welche Kosten auf unsere Gemeinde zukommen werden, wenn das Hotel gebaut wird. Denn laut schriftlicher und uns vorliegender Auskunft seitens des Investors stellt dieser die Forderung, die Promenade auf Kosten der Gemeinde weiterzubauen. Und von den Kosten der Umgehungsstraße wollen wir gar nicht erst sprechen. Es liegt somit auch kein millionenschwerer Schaden vor, den der Bürgermeister nun auf einmal als Grundlage für seine Einsicht nennt. Hier wird lediglich mit der Angst gespielt, um somit den Versuch zu starten, die Grundlage des Bürgerentscheids auszuhebeln. Wieder einmal mehr der Beweis, dass hier jeglicher Bezug zum Bürger verloren gegangen ist.“

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