150-Zimmer-Haus an der Großenbroder Mole: Bürgerentscheid wurde abgelehnt

Zoff um Hotelansiedlung 

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Die Grafik zeigt den Hotelentwurf für die Fläche an der Mole, für den sich die Großenbroder Gemeindevertreter am Dienstagabend mehrheitlich ausgesprochen haben.

Großenbrode -ra- Die Mehrheit der Besucher war kürzlich wegen des Tagesordnungspunktes 26 der Großenbroder Gemeindevertretersitzung  erschienen. Die CDU-Fraktion hatte, im Zuge der Hotelpläne an der Mole, einen Bürgerentscheid angeregt.  

„Es ist unsere Pflicht, die Bürger zu fragen, ob sie ein 150-Zimmer-Hotel an diesem Standort haben möchten“, sagte Hans Sehmel. Die CDU macht sich dafür stark, die Fläche mit einem Bebauungsplan zu überziehen, sie aber dann die nächsten Jahre ruhen zu lassen – für die nächste Generation. „Wenn das nicht geht, dann würden wir auch komplett darauf verzichten und sie grün lassen“, so Sehmel. „Und auf vier Millionen Euro verzichten?“, fragte Reise. Mit dem Geld könne man schließlich bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde schaffen, so der Bürgermeister, der sich bei der Abstimmung, ob die Bürger befragt werden sollen oder nicht, enthielt. Bei 6:6-Stimmen wurde der Antrag schließlich abgelehnt. Wie die HP am Mittwoch erfuhr, will sich nun eine Bürgerinitiative gründen, die ein Bürgerbegehren starten möchte.

Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung haben die Gemeindevertreter den Verkauf an einen Hotelinvestor beschlossen. Rund 150 Zimmer, eine Therme sowie einen Spabereich soll das Hotel unter anderem haben. „Es ist ein gängiges Vorgehen, dass die Politik einem Bewerber das Vertrauen schenkt. Im Anschluss wird es eine Bürgerversammlung geben. Die Detailplanung kommt doch erst“, entgegnete Reise Vorwürfen von CDU und BfG, die kritisierten, dass es keine Transparenz geben würde. „Die vier Bewerber hätten öffentlich vorstellen müssen“, so Peer Knöfler (CDU). Ob die Wassersportschule am jetzigen Standort erhalten bleiben kann, könne unterdessen nicht garantiert werden, teilte Jens Reise dem NDR am Mittwoch in einem Interview mit.

Ganze 37 Minuten hielt sich die Gemeindevertretung zu Beginn am Tagesordnungspunkt „Feststellung der Tagesordnung“ auf. Wulf Kruse (BfG) beantragte den sofortigen Abbruch der Sitzung, um diese zu einem späteren Zeitpunkt in der Sporthalle stattfinden zu lassen. „Das Bürgerinteresse ist riesengroß. Was hier gemacht wird, ist nicht in Ordnung“, so Kruse. Auch Udo Glauflügel fand in der Einwohnerfragestunde später deutliche Worte: „Wie kann man nur die Menschen draußen in der Kälte stehen lassen? Das hat nichts mit Demokratie zu tun.“ Während CDU und BfG für eine Verlegung der Sitzung stimmten, hielt die Zählgemeinschaft (CDG, SPD und FDP) dagegen. Mit 7:6-Stimmen wurde der Antrag abgelehnt. Jens Reise entgegnete, dass es in Corona-Zeiten verantwortungslos gewesen sei, in diesem großen Umfang für die Sitzung der Gemeindevertretung zu werben. „Für das, was da draußen passiert, übernehme ich keine Verantwortung. Es werden keine Abstände eingehalten.“

Die CDU forderte im Anschluss, den nichtöffentlichen Tagesordnungspunkt 29 (Verkauf des Grundstückes an der Mole an einen Hotelinvestor) von der Tagesordnung zu nehmen. „Wir haben nichts Schriftliches bekommen. Es gibt keine Unterlagen, deshalb können wir darüber heute Abend nicht entscheiden“, sagte Jörn Koch (CDU). Doch auch hier lautete das Abstimmungsergebnis schließlich 7:6 für den Erhalt des Tagesordnungspunktes.

Ebenfalls sprachen sich CDU und BfG dafür aus, die mögliche Verlängerung des Geschäftsführervertrages von Ubbo Voss von der Tagesordnung zu nehmen. „Hier stehen ja noch immer dubiose Betrugsvorwürfe und angebliche GTS-Unregelmäßigkeiten von euch im Raum. Ich denke, hier wäre langsam eine Entschuldigung in Richtung Ubbo Voss fällig. Es gibt noch nicht mal einen Anfangsverdacht für diese Vorwürfe“, sagte Jens Reise in Richtung CDU. So einfach, wie Reise es dargestellt hat, verhält es sich aber wohl nicht. Nach HP-Informationen haben sich Mitglieder des GTS-Aufsichtsrates mittlerweile gezwungen gesehen, einen Anwalt einzuschalten, der Strafanzeige gestellt hat. Sowohl Ubbo Voss als auch der damalige GTS-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Heinrich Schröder werden dabei belastet. Die Lübecker Staatsanwaltschaft teilte auf HP-Nachfrage mit, dass in diesem Zusammenhang eine Strafanzeige eingegangen sei, die derzeit geprüft werde.

Klaus Jäcker (FDP), Vorsitzender des GTS-Aufsichtsrates, meldete sich ebenfalls zu Wort. „Hier geht es nur noch um Mobbing. Jedes Mal, wenn eine Sitzung stattfindet, fragt man sich, was für Sauereien wieder auf den Tisch kommen. Wir sollten es schaffen, zu einer vernünftigen Zusammenarbeit zurückzukehren.“

Dem Vorschlag der CDU, den geplanten Minigolfplatz an die Strandstraße zur Jumicar-Anlage zu verlegen, wurde unterdessen endgültig eine Absage erteilt (7:6). Somit wird die Anlage definitiv vor dem „Vier Jahreszeiten“ kommen, auch wenn viele Anwohner erneut deutliche Kritik in der Einwohnerfragestunde geäußert hatten.

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