Hotelbau an der Mole: Großenbroder Bürgerinitiative bereitet ein Bürgerbegehren vor

„Uns reicht es“ 

+
Wollen einen Bürgerentscheid erreichen: Markus Jordan, Sprecher der Bürgerinitiative „MEERTransparenz“, mit seinen Mitstreiterinnen Antje Jordan (l.) und Sarah Hahn vor der Freifläche an der Großenbroder Mole.

Großenbrode -ra- Heiligenhafen hat es vorgemacht, eine Bürgerinitiative aus Großenbrode zieht nun nach. „Wir lehnen den Hotelbau an der Mole ab und sprechen uns dafür aus, dass die Großenbroder Bürger darüber abstimmen dürfen, ob sie ein 138-Zimmer-Hotel in ihrem Ort haben möchten oder nicht“, sagte Markus Jordan, einer von drei Initiatoren des Bürgerbegehrens, gestern Vormittag bei einem Pressetermin.

Bekanntlich hat sich die Gemeindevertretung mehrheitlich für den Verkauf der Fläche an der Mole an die beiden Hoteliers Rolf Seelige-Steinhoff und Walter Neumann entschieden. Beide Investoren hatten vergangene Woche ihre Pläne im „MeerHuus“ der Öffentlichkeit vorgestellt. „Das Amt Oldenburg-Land und die Kommunalaufsicht haben unseren Antrag bereits geprüft, jetzt liegt er beim Innenministerium. Wenn das Ministerium grünes Licht gegeben hat, werden wir sofort mit der Unterschriftensammlung beginnen. Unser Ziel ist ein Bürgerentscheid“, erklärte Markus Jordan, der mit der Sammlung an diesem Wochenende, spätestens aber Anfang kommender Woche, beginnen will. Neben zahlreichen Unterstützern stehen Jordan Udo Glauflügel und Marion Brandt zur Seite, die ebenfalls zu den Initiatoren des Bürgerbegehrens zählen, gestern beim Pressetermin aber verhindert waren. 

194 Unterschriften muss die Bürgerinitiative, die den Namen „MEERTransparenz“ trägt, sammeln. „Das sind zehn Prozent der Wahlberechtigten der vergangenen Kommunalwahl“, erklärte Jordan, der coronabedingt auf Infostände verzichten will. „Wir werden klassisch Klinken putzen gehen und an den Haustüren mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Natürlich alles unter Einhaltung der geltenden Abstandsregelungen.“ Ein motiviertes Team stehe bereits in den Startlöchern.

Für Markus Jordan und seine Mitstreiter gebe es zahlreiche wichtige Gründe, um das geplante Hotelprojekt an der Mole doch noch zu verhindern. „Es wird von Jens Reise und Ubbo Voss immer gerne das Tourismusentwicklungskonzept genannt, das eine Hotelansiedlung empfiehlt. In diesem Zusammenhang hat es aber auch eine Bürgerbefragung gegeben, bei der sich die Einwohner mehrheitlich gegen noch mehr Tourismus ausgesprochen haben.“ Hier würden die Zahlen Bände sprechen. „Gab es 2012 noch 125000 Übernachtungen jährlich, waren es 2019 mehr als 350000 in Großenbrode. Wo soll das noch hinführen? Der Ort ist schon jetzt an der Grenze“, erklärte Antje Jordan. Die von Ubbo Voss bei der Hotelvorstellung gezeigte Entlastungsstraße östlich der Sportplätze sei zudem keine Lösung, um die Nordland- sowie die Strandstraße wirklich zu entlasten. „Die Straße wäre ein Umweg. Warum sollten Touristen dort langfahren?“, fragte sich Markus Jordan, der eindringlich ergänzte: „‚Südstrand 54‘ wird Ende des Jahres eröffnet, der Bau ‚Südstrand 44/46‘ steht in den Startlöchern, und ein weiteres Feriendorf wird ‚Am Hohen Ufer‘ vorbereitet – uns reicht es. Wir würden es viel lieber begrüßen, wenn der sanierungsbedürftige Altbestand am Großenbroder Südstrand renoviert werden würde, bevor ein neues 138-Zimmer-Hotel gebaut wird.“

Die Bürgerinitiative macht sich dafür stark, dass die inklusive Wassersportschule Sail United auf dem Grundstück bleiben darf und schließt eine „zurückhaltende Bebauung“, inklusive einer neuen DLRG-Unterkunft, keineswegs aus. „Wir sind keine kompletten Blockierer“, so Markus Jordan.

Übrigens: Sollte das nun angeschobene Bürgerbegehren Erfolg haben, würde es den zweiten Bürgerentscheid in der Geschichte Großenbrodes geben. Am 5. November 2006 durften die Großenbroder Bürger darüber abstimmen, mit welchem Partner ihre Gemeinde eine Verwaltungskooperation eingehen sollte. Die Bürger entschieden sich damals für das Amt Oldenburg-Land, die Gemeindevertretung hatte sich im Vorfeld für eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Heiligenhafen ausgesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.