Vier Gildebrüder wollten zur Majestät werden / Um 19.12 Uhr fiel der entscheidende Schuss

Horst Sachau ist der Gildekönig 2011

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Hoch lebe unser neuer König: Nach dem Königsschuss wurde Horst Sachau als neue Majestät auf den Schultern seiner Gildebrüder gefeiert.

HEILIGENHAFEN · Nach zähem Schusswechsel der vier Gildebrüder, die in diesem Jahr Gildekönig werden wollten, gelang Gildebruder Horst Sachau um 19.12 Uhr der entscheidende Treffer, mit dem er den Rest des Gildevogels von der Stange holte. Wenige Minuten später wurde die neue Majestät auf den Schultern der Gildebrüder als neuer König gefeiert. Die vielen Gäste auf dem Gildeplatz klatschten dazu Beifall.

Gefasst zeigte sich Ehefrau Ute, die ihrem Mann in die Arme fiel. „Ich habe damit gerechnet, denn Horst wollte unbedingt König werden. Trotzdem ist mir etwas mulmig im Magen, sagte die neue Königin. Zu den ersten Gratulanten gehörten die Mitstreiter um den Königsschuss. Mit den Worten „dann bis zum nächsten Mal“ deutete Klaus-Jürgen Horn an, dass er im nächsten Jahr wieder dabei sein werde, wenn es um die Königswürde geht. Auch Erwin Steuck wird wieder mit dabei sein. Für den dritten Bewerber, Ernst-Hermann Rohlf aus Dazendorf war es hingegen der letzte Versuch, den Königsschuss zu platzieren. „Ich habe es elf Mal versucht und meiner Frau versprochen, wenn es jetzt nicht klappt, aufzuhören."

Das Schießen auf den Rest des Gildevogels erfordert nicht nur ein sicheres Auge, sondern auch viel Kraft bei den Schützen. Immerhin wiegt so ein Gildegewehr fast 36 Kilogramm. Zum Glück gibt es ja noch die Adjutanten, die dem Schützen das Reinigen des Gewehres und das Nachladen abnehmen. Gildebruder Horst Sachau hatte 24 Schüsse abgegeben, bis der Rest und auch das größte Stück des Vogels zu Boden fiel. Zu den großen Schützen dieses Tages gehören auch Heiner Wilcken, der den linken Kopf und den rechten Flügel abschießen konnte. Genauso erfolgreich waren Björn Engler, der den rechten Flügel herunterholte und Michele Müller, der mit einem Prachtschuss den Schwanz des Vogels von der Stange holte.

Vor der angetretenen Gilde überreichten die Ältermänner Hans Dieter Eybächer und Ulrich Kunz dem neuen König Horst Sachau die Königskette. Vorjahresmajestät Detlef Graupner wurde die kleine Königskette, die der alte König noch für ein Jahr tragen kann, überreicht. Beide Könige nahmen dann die Front der angetretenen Gildebrüder ab und zogen anschließend ins Gill-Hus ein.

In seiner Ansprache stellte der erste Ältermann Hans Dieter Eybächer das neue Königspaar vor. So habe Gildebruder Horst Sachau es geschafft, vom Fahnenträger zum Gildekönig aufzusteigen. Schon im Vorfeld habe Horst Sachau gegenüber dem Ältermann gesagt: „König ja – Ich werde darüber nachdenken.“

Majestät auf dem Heiligenhafener „Olymp“

Gildebruder Horst Sachau setzt zum Königsschuss an.

„Zuerst ist es ein bürgerlicher Wandel, wenn alles auf einen einprasselt. Am Ende der Amtszeit ist man aber glücklich über ein schönes Königsjahr“, waren die ersten Worte des Ältermannes an das neue Königspaar. Nach dieser Ansprache von Hans Dieter Eybächer ließ das Gildevolk im Gill-Hus Königin Ute hochleben. Ute Sachau habe schon königliches Blut in ihren Adern, denn sie sei eine geborene König, gab der Ältermann zum Besten. Dazu wohne das Königspaar auf dem „Olymp“ von Heiligenhafen – gemeint hatte Eybächer damit das Neubaugebiet oberhalb der Stadt. Von hier könnten die Majestäten die Stadt und ihr Volk gut überblicken.

Auch die neue Majestät richtete erste Worte an das Gildevolk: „Ich bin heute morgen aufgestanden, um mich am Königsschießen zu beteiligen. Ich wusste aber auch, dass es drei ernstzu-nehmende Mitbewerber gibt.“ Die neue Majestät dankte seinen Helfern Tilo Heinrich und Karlo Schmütsch, die sein Gewehr gereinigt und wieder schussbereit gemacht hatten. „Nun bin ich Euer neuer König und darüber bin ich sehr glücklich“, sagte die Majestät. Ich verspreche allen ein schönes Königsjahr. Besonders freue ich mich darüber, dass meine Mitbewerber um den Königsschuss sich mit mir freuen, dafür ein herzliches Dankeschön“, so der neue König.

Beim Königsball am Sonnabend konnte Königin Ute zum ersten Mal die Königskrone tragen und mit König Horst den Festball eröffnen.

Kein Traumwetter, aber viel Spaß

Das Traumwetter vom Vorjahr war den Gildebrüdern leider nicht beschieden, als sie sich am Freitag auf ihren traditionellen Umzug begaben. Dabei mussten sie ausgerechnet in diesem Jahr einen besonders weiten Weg zurücklegen – Noch-König Detlef Graupner regierte das Gildevolk von der Tollbrettkoppel aus, so dass der Umzug etwas länger ausfiel.

Einen langen Weg mussten die Gildebrüder auf ihrem Umzug zurücklegen.

Dennoch blieben die zahlreichen Gildebrüder auf ihrem Weg weitgehend trocken und als sie beim Ehrenmal im Stadtpark ankamen, ließ sich sogar die Sonne blicken. Nicht gefasst auf die Ankunft der schwarzgekleideten Marschformation war allerdings ein junger Mann, der es sich wenige Augenblicke zuvor auf den Stufen des Mahnmals gemütlich gemacht hatte. Etwas verschreckt räumte der Erholungssuchende das Feld, so dass die Ehrung der Gefallenen seitens der Gildebrüder ihren Lauf nehmen konnte.

Wie in jedem Jahr zog der Gildeumzug durch die Stadt wieder zahlreiche Schaulustige an, die sich das Spektakel auf den Straßen nicht entgehen lassen wollten. Erst, als beim „Endspurt“, dem Weg über den Steinwarder zum Gill-Hus, ein kräftiger Schauer einsetzte, dezimierte sich das Publikum beträchtlich – und die Gildebrüder waren froh, nach dem langen Weg endlich im Trockenen angelangt zu sein, wo sie beim Festkommers eine wohlverdiente Stärkung zu sich nehmen konnten.

Mit den traditionellen sieben Glasen begann der Kommers, und der 1. Ältermann begrüßte neben den befreundeten Abordnungen der Eckernförder Bürgerschützengilde, der Kyffhäuser-Kameradschaft Heiligenhafen sowie der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhafen auch Georg Rehse und Ingo Gädechens, die diesmal in ihrer Funktion als Gildebrüder zugegen waren. Der Bürgervorsteher überbrachte die Grüße der Stadt und betonte die Bedeutung des Gildefestes für die Warderstadt. Er wünschte den Schützen viel Erfolg und erinnerte noch einmal an das nächste Schießen, das voraussichtlich auf der Seebrücke ausgetragen werde. Auch Ingo Gädechens grüßte die „MdBs“ (Mitglieder der Bürgergilde) in einer launigen Ansprache und erklärte die Sandberge des Bauplatzes kurzerhand zu Sicherheitswällen für die Schützen.

Im Anschluss nahm Hans Dieter Eybächer die Ehrungen der langjährigen Gildebrüder vor: Ein Vierteljahrhundert bei der Gilde hatten Horst Sachau, Friedrich Ulrich und Dr. Jürgen Menslage erreicht, auf 40 Jahre brachten es Rolf Köhler, Joachim Herbold, Manfred Wolff, Dr. Conrad Nolte, Hans-Hermann Loose, Peter Richert – und der 1. Ältermann selbst. Zu Ehrenmitgliedern wurden zudem Joachim Herbold und Jost Eggers ernannt, die ihr 80. Lebensjahr vollendet hatten. Höhepunkt der Ehrungen war die Überreichung des Gildeehrenkreuzes, das in diesem Jahr an Gerhard Fruggel ging. Der seit vielen Jahren für „Strom und Ton“ verantwortliche Gildebruder zeigte sich sichtlich bewegt und dankte der Gilde für die hohe Auszeichnung.

Nun hatte Eybächer noch ein „Hühnchen“ mit einigen Gildebrüdern zu rupfen: Einige hatten sich nicht ganz an die Regeln der Gilde gehalten – so war etwa der „Tonausfall“ bei der Vogeltaufe kein Zufall gewesen – und wurden dafür mit „Strafen“ sanktioniert. Mit dem traditionellen Schleswig-Holstein-Lied endete der Festkommers und die Gildebrüder konnten sich auf das Königsschießen freuen. · ft/wob

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