Auftakt der Reihe „SPD im Gespräch“ / Müller: Jeder muss sich einbringen für das Wohl der Stadt

,Refitting‘ der Innenstadt notwendig

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So schön kann Heiligenhafen sein – in der Fischerstraße 11 und 13 haben die Hauseigentümer keine Mühen gescheut, um die Altstadtfassade zu erhalten und ansprechend zu gestalten. Doch nicht alle Altstadthäuser sind in vorzeigbarem Zustand.

HEILIGENHAFEN · Heiligenhafen hat in den letzten zehn Jahren mehr als 20 Millionen Euro in seine touristische Infrastruktur investiert, die Entwicklung der Innenstadt konnte mit diesem Tempo nicht mithalten. Ob die Heiligenhafener Bürger überhaupt von dem verbesserten touristischen Angebot profitieren, darauf wollte Dr. Theodor Siebel, 1. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „SPD im Gespräch“ eine Antwort finden. Hierzu standen Bürgermeister Heiko Müller, HVB-Geschäftsführer Manfred Wohnrade und PmH-Vorsitzender Hendrik Martens Rede und Antwort.

„Jeder muss sich einbringen für das Wohl der Stadt“, gehört nach Auffassung von Bürgermeister Heiko Müller auch ein Stück Eigenverantwortung dazu, das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Mit anderen Worten: Die Kommune kann nur Anreize bieten.

Und hierzu zählen auch die umfangreichen Investitionen rund um Yachthafen, Strand und Binnensee. Manfred Wohnrade umriss diesbezüglich anhand des touristischen Masterplans noch einmal grob die Entwicklung. Er versicherte den Heiligenhafenern, dass der gesamte Strandbereich auf dem Steinwarder auch nach Fertigstellung der beiden Hotels in drei- bis viergeschossiger Bauweise öffentlich zugänglich bleibe. Dass auch das heimische Gewerbe von den öffentlichen Investitionen profitiere, machte der HVB-Geschäftsführer daran fest, dass einige schon ihr Interesse angemeldet hätten, die an der Seebrückenpromenade entstehende 2 000 m² große Einzelhandelsfläche zu bestücken. Grundsätzlich, so Wohnrade, werde mit der Seebrücke und den Hotels die zur Innenstadt führende Achse gestärkt.

Aber was erwartet die Touristen, die vom Hafenbereich in die Innenstadt pilgern? Trotz einer Investitionssumme von mehr als 20 Millionen Euro habe man den Anschluss nicht geschafft, resümierte Hendrik Martens, 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Partner-mit-Herz (PmH). Aus seiner Sicht spiegele das Marina Resort ebenso eine Zeitenwende wider wie damals die Errichtung des Ferienparks. Ein funktionierender Tourismus schaffe Arbeits- und Ausbildungsplätze, doch was man jetzt benötige, sei ein „Refitting“ (Umbau, Umrüstung) der Innenstadt, denn für zwei Drittel der Besucher seien gute Einkaufsmöglichkeiten das wesentliche Kriterium, überhaupt in die City zu gehen.

Hier wies Bürgermeister Heiko Müller auf ein wesentliches Problem vieler Einzelhändler in der Innenstadt hin. Viele verfügten in den alten Häusern nur über eine Verkaufsfläche von 50 m² – zu wenig, um davon leben zu können. Man habe eine schicke und erhaltenswerte Altstadtfassade, doch den Raum dahinter, den gelte es zu nutzen. Dabei verwies er beispielhaft auf das Quartier zwischen Thulboden und Parkpalette. „Die Pläne liegen in der Schublade“, so Müller, dessen Hoffnungen auch auf die Fertigstellung der Südtangente beruhen, um dann das Quartier entwickeln zu können. Grundsätzlich dauere es von der Planung bis zur Realisierung von Vorhaben einfach viel zu lange, so Müller.

Wegkommen von Einzelfallentscheidungen

„Wir müssen wegkommen von den Einzelfallentscheidungen“, fehlt Hendrik Martens die klare Linie bei der Entwicklung der Innenstadt. In diesem Zusammenhang bemängelte er, dass die AG Innenstadt dem Umwelt- und Bauausschuss angeschlossen wurde und die Aktivitäten dann eingeschlafen seien.

Dass Handlungsbedarf besteht, davon sind Müller, Wohnrade und auch Martens überzeugt, doch innerhalb der Bevölkerung haben sie eine eher abwartende Haltung ausgemacht. Es herrsche offenbar noch Unsicherheit darüber, ob die touristischen Investitionen auch wirklich den Aufschwung bringen. Manfred Wohnrade meinte, man müsse Geduld aufbringen, doch es sei schon komisch, dass das Land Schleswig-Holstein an die Projekte glaube, denn nichts anderes drückten hohe Förderquoten von 70 Prozent aus, die Heiligenhafener aber noch zögerten.

Die Einschätzung, dass die Warderstadt mit der Errichtung von „guten Hotels“ aber auf dem richtigen Weg sei, brachten einige Besucher der Veranstaltung in die Aussprache ein. Sie forderten auch, dass die alten Fassaden in der Innenstadt unbedingt erhalten bleiben und Überlegungen angestellt werden müssten, den Ferienpark in das Gesamtkonzept zu integrieren.

Abschließend zeigte sich Theo Siebel mit dem Zuspruch – rund 30 Besucher wohnten der Info-Veranstaltung im Restaurant „Nordpol“ bei – mehr als zufrieden. Alle acht Wochen möchten Heiligenhafens Sozialdemokraten solche Info-Abende zu aktuellen Themen durchführen. Nach der Sommerpause soll es dann wieder heißen: „SPD im Gespräch“. · hö

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