Fremdenverkehrs-Experten beim „Frühstück im Strandkorb“ zwischen guten Bilanzen und großen Problemen

Tourismus-Aussichten: heiter bis wolkig

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Die Strandkorbrunde zog bei bestem Sommerwetter Bilanz zur aktuellen touristischen Situation.

HEILIGENHAFEN · Wie in jedem Jahr hatte CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Klinckhamer die Tourismusexperten aus dem Kreis Ostholstein zum traditionellen „Frühstück im Strandkorb“ eingeladen. Diesmal fand das Treffen in Heiligenhafen statt. Für die Gesprächsrunde hätte man sich kaum bessere Rahmenbedingungen wünschen können: Der sommerliche Vormittag in der Mitte der Hafenfesttage schien wie geradewegs aus einer Touristik-Broschüre entsprungen – Gäste säumten unentwegt die Nordpromenade des Kommunalhafens und im Hafenbecken herrschte reger Schiffsverkehr.

Überhaupt konnten viele der anwesenden Fremdenverkehrs-Akteure auf ein hervorragendes erstes Halbjahr 2011 zurückblicken. So berichtete etwa Töns Haltermann, Geschäftsführer des Ferienparks Weissenhäuser Strand, dass man – gerade bei gutem Wetter – bei den Gästezahlen bisweilen sogar an die Kapazitätsgrenzen stoße. Auch Oliver Behncke, Touristikleiter in Heiligenhafen, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der diesjährigen Hafenfesttage. Neben einigen Neuerungen im Konzept greife der Tourismus-Service auch auf viele bewährte Elemente zurück, was bei den Gästen der Warderstadt gut ankomme. Wie zur Bestätigung liefen just in diesem Augenblick die Boote der Dänischen Marineheimwehr im Hintergrund ein – auch sie sind echte „Stammgäste“ der Hafenfesttage.

Zunehmend kurzlebige „Schönwetterphasen“

Zur Hochsaison herrscht also eitel Sonnenschein – doch diese touristische Schönwetterphase wird zunehmend kürzer, wie unter anderem Touristik-Betriebsleiter Olaf Dose-Miekley aus Grömitz bemängelte. Im nächsten Jahr werden sich die Sommerferien aller Bundesländer auf gerade einmal 73 Tagen abspielen – eine „Horrorvision“, pflichtete Bundestagsabgeordneter Ingo Gädechens bei, der versprach, sich in dieser Sache stärker für die Bedürfnisse der Tourismustreibenden einzusetzen.

Auf Kritik stießen auch die finanziellen Kürzungen, die das Land dem Fremdenverkehr ab 2013 auferlegt. So wird der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) das Budget von einer Million auf dann nur noch 500 000 Euro gestutzt. Es sei nach den umfangreichen Investitionen der letzten Jahre schlicht unsinnig, den Tourismus auf diese Weise wieder „abzusägen“, so der Grundtenor in der Strandkorbrunde; auch, ob man die Wirtschaft – wie vom Land vorgeschlagen – für die Finanzierung gewinnen könne, sei äußerst fraglich, ließ der Grömitzer Touristikchef vernehmen. Landtagsabgeordneter Klaus Klinckhamer verwies entschuldigend auf die leeren Landeskassen; sobald aber wieder mehr Mittel verfügbar seien, werde man dem Tourismus umgehend wieder entgegenkommen.

Denn trotz der gut gehenden Geschäfte brauche der Fremdenverkehr weiterhin viel Geld, wie Martin Riedel anmerkte. So hätten viele Orte an der Küste auch mehr als ein Jahr nach dem Sturmtief „Daisy“ noch mit dessen Auswirkungen zu kämpfen, erläuterte der Kellenhusener Touristikleiter. Auch müsse an der Gestaltung der Orte weitergearbeitet werden; eine gut ausgebaute Infrastruktur sei beispielsweise unabdingbar für touristischen Erfolg und auch der vielzitierte „Charme“ der 70er- und bisweilen sogar 60er-Jahre in den Unterkünften sei alles andere als ein Gästemagnet. Weitere Investitionen seien hier Pflicht, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, resümierte Riedel.

Bäderregelung: Kein Verständnis trotz des „C“

Betrübt zeigten sich die Touristiker über das rigorose Vorgehen der Kirchen gegen die Bäderregelung. In Mecklenburg-Vorpommern habe es bereits Gerichtsurteile gegeben, die die Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen empfindlich einschränken, so Oliver Behncke; dies sei auch in Schleswig-Holstein zu befürchten. Volles Verständnis für diese Sorge signalisierte Timo Gaarz. Anstatt gleich den juristischen Weg zu wählen, hätte er sich von den Kirchen mehr Willen zum Dialog gewünscht, zeigte sich der Heiligenhafener Stadtvertreter enttäuscht. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete stimmte damit überein: Trotz des „C“ in seiner Partei könne er die Haltung der Kirchen nicht verstehen. „Die Leute bleiben wegen des Einkaufs doch nicht aus der Kirche weg“, so Gädechens.

Harsche Kritik musste das Land Schleswig-Holstein von Seiten der Kellenhusener Bürgermeisterin einstecken: Ingelore Kohlert, die der Wählergemeinschaft FWK angehört, empörte sich darüber, dass die TASH von einem ehemals kleinen, kompetenten Unternehmen zu einem unverhältnismäßig großen „Rattenschwanz“ angewachsen sei, der unnötige Kosten verursache. Zudem werde mit Aktionen wie der „Ostseecard“ oder zweifelhaften Gutachten zu den Zielgruppen des Ostsee-Tourismus eine Menge Geld „versenkt“, das an anderer Stelle weitaus besser angelegt wäre, so Kohlert.

Hier sprang Haltermann in die Bresche, der in den Gutachten sinnvolle Hilfen sieht, um die Urlaubsorte an der Ostsee zielgerichteter vermarkten zu können; bei den immensen Investitionssummen und den vielen Arbeitsplätzen, die an diesem Sektor hängen, seien solche Maßnahmen absolut notwendig. Auch Ingo Gädechens versicherte, dass er mit den Tourismustreibenden im Kreis „an einer Front“ kämpfe – die insgesamt doch sehr positive Entwicklung spreche für die aufgewendeten Mittel. · wob

[In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, dass Ingelore Kohlert Ingo Gädechens wegen der TASH kritisiert hatte. Die Kritik Kohlerts richtete sich jedoch an das Land, nicht an den Bundestagsabgeordneten. Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen.]

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