20 Jahre haben die Seglerinnen Spaß gehabt, Erfolge eingefahren und für Furore gesorgt

Die „Ohlala“-Crew sagt Tschüss

Foto: Roland Mattern
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Heiligenhafen -ft- Vorsicht, wenn der Kampfruf „Juhuu, Juhuu“ beim Regattastart über die Ostsee dröhnt. Dann ist die Damen-Crew der „Ohlala“ am Start. Steuerfrau Hannelore Schäfer und Eignerin Katja Schmütsch sind ein eingespieltes Team, das besonders in den letzten Jahren die Regatta-Szene beim Ostsee-Cup und den Vereinsregatten aufmischte. „Als wir vor 20 Jahren anfingen, wurden wir belächelt, dann aber akzeptiert und in den letzten Jahren sogar gefürchtet, denn die ‚Ohlala‘-Crew lag immer auf den vorderen Plätzen“, blickt Hannelore Schäfer auf die vergangenen 20 Jahre zurück. „Kälte, Nässe und Stürme haben uns nichts ausgemacht“, betont Schäfer und weiß: Eine nächste Saison wird es für die Frauen nicht geben. „Wir haben genug bewegt.“

Die Ostsee-Cup-Regatten, die in Heiligenhafen, Fehmarn, Grömitz, Neustadt, Niendorf, Travemünde und Wismar stattfinden, erforderten stets eine gute Logistik, denn die „Ohlala“, eine Olsen 31, Baujahr 1983, musste an den Vortagen nach Wismar oder einen anderen Startpunkt gebracht werden. Doch die Erfolge rechtfertigten den Aufwand. So konnten die Frauen der „Ohlala“ unter dem Kommando von Schäfer bei den Ostsee-Cup-Regatten einen vierten Platz, zwei dritte Plätze und sieben zweite Plätze belegen. Bei den Einzelregatten wurde auch Siege eingefahren.

Bei den Vereinsregatten der Segler-Vereinigung Heiligenhafen (SVH) zeigten die Seefrauen auf der „Ohlala“, mit Schäfer, Schmütsch, Regina Heinritz, Birgit Pommerenk, Astrid Femerling und Steffi Giersch, dass man mit der einzigen Frauen-Regatta-Crew auf der Ostsee rechnen muss. Nicht selten verwiesen die Seglerinnen die Männer-Crews in die Schranken. Auch abseits des Kräftemessens war die Crew eine Bereicherung. Katja Schmütsch: „Wir haben nach einer Regatta in einem Restaurant gegessen. Dann wurden wir von den Männern, weil nichts los war, in die Halle zum Feiern geholt. Wir waren eben auch der Garant für gute Stimmung.“

2017 haben sich die Frauen vom Ostsee-Cup zurückgezogen, weil der Zeitaufwand sehr hoch war. Das Schiff musste am Freitag verlegt werden, am Wochenende wurde gesegelt, bevor es am Montag in den Heimathafen zurückging. „Das war nicht mehr zu organisieren“, sagt Schäfer. So habe man sich dann auf die heimischen Regatten der SVH und der Nachbarvereine konzentriert und auch hier Erfolge einfahren können. So war die „Ohlala“ bei der SVH-Warder-Regatta viermal Erster, zweimal Zweiter und dreimal Dritter. Bei der Fehmarn-Rund-Regatta schafften es die Frauen viermal auf den zweiten Platz und dreimal auf den dritten Platz. Weitere Erfolge konnte die Crew auf der Langeland-Regatta und beim Lolland-Race verbuchen. Bei den SVH-Mittwochs-Regatten kam die „Ohlala“ 13-mal unter die Top Ten – und das gegen die vielen Weltmeister, die die SVH hat und die bei den Mittwochs-Regatten antreten.

Wie fing alles an? Vor 22 Jahren hatte die „Ohlala“ eine gemischte Crew, die sehr erfolgreich segelte. Dann kaufte sich ein Mitsegler ein eigenes Boot und Katja Schmütsch fiel auch ein Jahr aus, weil sie keinen Babysitter für ihre Tochter hatte. So lag die „Ohlala“ ein Jahr verwaist im Hafen. Zu diesem Zeitpunkt reifte bei Schmütsch der Gedanke, doch eine eigene Crew mit Freuen aufzubauen. So wurde die regattaerfahrene Schäfer als Steuerfrau an Bord geholt. Hörten die Frauen an Bord auf ihr Kommando? Antwort: „Nicht immer, aber immer öfter.“ Die Crew wurde eigentlich aus der Not heraus geboren, weil Katja Schmütsch auf der „Ohlala“ keinen mehr zum Segeln hatte. „Katja hatte das Schiff, ich ein Motorboot und dann konnten noch andere Frauen für die Crew angeworben werden. Am Anfang haben wir nur Vereins-Regatten gesegelt, Erfahrung gesammelt und das neue Team eingespielt.“

Auch für den Unterhalt des Schiffes sorgte die Mannschaft gemeinsam und entlastete somit die Eignerin. Wie Schäfer berichtet, hatten die männlichen Regatta-Segler aus der SVH den Frauen auf der “Ohlala“ nur eine Saison gegeben und waren der Meinung, „dann ist sowieso alles vorbei.“ Durch Erfolge bei den Vereins-Regatten habe man sich 2007 zum ersten Mal getraut, beim Ostsee-Cup mitzusegeln, so Schäfer. Die „Ohlala“ war die einzige Frauen-Crew beim Ostsee-Cup. „Zuerst hätten die männlichen Mitbewerber gemeint, man müsse auf uns aufpassen, bis klar geworden sei, „wir haben das im Griff“, so Regina Heinritz. Schäfer stellte klar, dass man niemals einen Frauenbonus bekommen habe. 

Jetzt ist Schluss. 20 Jahre Frauensegeln auf der „Ohlala“ ist doch ein Grund, die Segel einzuholen, sagt Hannelore Schäfer und Eignerin Katja Schmütsch fügt hinzu: „Das Schiff soll jetzt verkauft werden, ein paar Interessanten gibt es schon.“

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