Stefan Schunke legte die Strecke von Heiligenhafen nach Fehmarn schwimmend zurück

Im Kampf gegen die Strömung

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Ganz wichtig für Stefan Schunke: Vor dem Start seiner kleinen Tochter Melina noch schnell tschüss zu sagen.

Heiligenhafen –Von Mareike Falz– Rock ‘n‘ Roll, Alkohol und Zigaretten gehörten zum Alltag von Stefan Schunke – bis er eines Tages beschloss, sein Leben radikal zu ändern. Nach einem „Forrest-Gump-Erlebnis“, wie Schunke es nennt, fing er an zu laufen, entdeckte das Freediving und Schwimmen für sich und bekämpfte 118 Kilogramm Körpermasse, bis der Sport für ihn zur Lebenseinstellung wurde. Heute trainiert der Extremsportler täglich und geht dabei regelmäßig bis an seine Grenzen. Erst am Sonntag stellte sich Schunke der Herausforderung, bei windigem Wetter und kühlen Temperaturen von der Heiligenhafener DLRG-Hauptwache bis zum Flügger Leuchtturm nach Fehmarn zu schwimmen.

„Ich wollte ein Resümee für mich ziehen, um zu gucken, wo ich aktuell stehe“, sagte der Heiligenhafener, der schon als Kind gerne Zeit an der Ostsee verbrachte. „Damals“, erinnert sich der 44-Jährige, „war das Wasser noch deutlich sauberer“. Mit seiner Aktion möchte Stefan Schunke auch auf die Vermüllung der Ostsee aufmerksam machen. Wenn der Familienvater heute mit seiner siebenjährigen Tochter an den Strand gehe, dann sei es für die beiden selbstverständlich, auch immer etwas Müll vom Strand einzusammeln und wegzuwerfen.

Seit zwei Jahren war das Vorhaben, nach Flügge zu schwimmen, öfter mal Thema, musste verletzungsbedingt aber immer wieder verschoben werden. Bis es dann ganz schnell ging: Mit einer Hauruck-Aktion und einem kurzen Blick auf die Wettervorschau war es knappe zwei Tage später bereits so weit. Rettungsschwimmer, Sponsoren und ein Stand-Up-Paddler, der Stefan Schunke begleitete, standen am Sonntagmorgen bereit, um das Projekt, aus reiner Körperkraft nach Fehmarn kommen, zu starten. „Ich bin seit fünf Uhr wach. Natürlich habe ich auch schiss“, sagte Schunke kurz vor dem Start mit Blick auf die Ostsee. Dann ging es los. Schnell war der Kopf des Schwimmers in der Ferne nur noch ameisengroß zu sehen.

Die Strömung machte es dem erfahrenen Wassersportler nicht einfach, voller Fokus und Konzentration waren angesagt. „Es ist ein Kampf gewesen, aber irgendwann denkst du nicht mehr, du gehst einfach ganz tief in dich rein. Es ist so, als wärst du in einem Maschinenraum und guckst, dass der Motor läuft und alle Teile funktionieren“, erklärte Stefan Schunke das Gefühl während des Schwimmens.

Nach zwölfeinhalb Kilometern und zwei Stunden und 45 Minuten war es geschafft. Ein befreiendes Gefühl für den Heiligenhafener, aber auch eine Bestätigung: „Ich habe mein Ziel erreicht. Der viele Sport hat etwas gebracht, alles hat funktioniert.“ Besonders gefreut hat sich Stefan Schunke über seine Freunde, die am Ziel auf ihn gewartet und seinen Erfolg mit ihm gefeiert haben.

Doch das soll nicht sein letztes sportliches Abenteuer gewesen sein. Das nächste Ziel auf der Liste: Die Strecke von Puttgarden bis nach Rødby zu schwimmen. Wann Stefan Schunke sein nächstes großes Ziel umsetzt, steht allerdings noch in den Sternen.

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