Kantorin Dörte Czernitzki geht in Rente

Rückblick auf 40 Jahre

+
Dörte Czernitzki feiert ihre Verabschiedung im Gottesdienst am 31. Oktober.

Heiligenhafen –Von Mareike Falz– Dass ihr die Musik in den Genen liegt, hat bereits Pastor Carsten Sauerberg festgestellt, als er im aktuellen „Giebel“ der evangelischen Kirchengemeinde Heiligenhafen einige Zeilen über Kantorin Dörte Czernitzki verfasst hat. Der Anlass dazu: Die Gebürtige Fehmaranerin verabschiedet sich in den Ruhestand. Bereits Czernitzkis Mutter war der Kirche sehr verbunden und langjährige Kirchenmusikerin in der St.-Nikolai-Kirche auf Fehmarn.

Dörte Czernitzki selbst fand im Alter von 21 Jahren ihren Einstieg in die Kantoreileitung. „‚Warum machst Du das nicht, Dörte?‘, wurde ich damals beim Feiern gefragt, als ein Nachfolger für meinen damaligen Orgellehrer und Kantor Kurt Rasch gesucht wurde“, erinnerte sich die 62-Jährige im Gespräch mit der HP an ihre Anfänge zurück. So kam es dazu, dass die junge Studentin noch während ihres Studiums – ab dem 1. Januar 1978 – bereits erste Chöre leitete und Sonntagsgottesdienste gestaltete. Mit abgeschlossenem Examen wurde Czernitzki dann am 1. November 1979 vollständig in das Amt der Kantorin eingeführt. „Deswegen war es mir auch so wichtig, meinen Abschlussgottesdienst am 31. Oktober zu feiern. Dann sind es genau 40 Jahre, und so schließt sich dann der Kreis“, sagte die Kirchenmusikerin, der die Arbeit mit verschiedensten Menschen in allen Altersklassen und das Gestalten der Gottesdienste am meisten Spaß gemacht haben. „Die Gottesdienste sind mir auch beinahe wichtiger als die großen Konzerte. Deswegen gibt es auch einen Abschiedsgottesdienst und kein Abschiedskonzert.“ Das Besondere hierbei werde sein, dass alle Chöre gemeinsam den Gottesdienst begleiten. Los geht es am 31. Oktober wie gewohnt um 10 Uhr in der Stadtkirche.

Der Kinderchor wird zudem drei Kirchentagslieder präsentieren, die an die vielen Ausflüge zu den jeweiligen Kirchentagen erinnern sollen, die alle zwei Jahre von Czernitzki organisiert wurden. Auch die Organisation der Sommerabendkonzerte, die jeden Donnerstag im Juli und August stattfinden, oblagen der beliebten Kantorin.

Czernitzki, die Mitte November ihren 63. Geburtstag feiert und offiziell ab Dezember Rentnerin ist – bis dahin nutzt sie noch ihre angesammelten Urlaubstage – hat vor vier Jahrzehnten nicht nur den Kinderchor übernommen, sondern auch den mittlerweile großen Kirchenchor ausgebaut. Von anfänglichen acht Sängern kann der Chor mittlerweile auf stolze 40 Sänger blicken. Seit 2002 leitet die Musikerin zudem auch den Posaunenchor. „Ich bin besonders glücklich darüber, dass so viele Chorsänger über Jahrzehnte dabei geblieben sind. Uns zeichnet aus, dass wir wie eine große Familie sind“, sagte die baldige Ruheständlerin dankbar.

Besonders zu spüren bekam Czernitzki den Zusammenhalt vor fünf Jahren, als sie einen schweren Unfall hatte. Gleich mehrere Monate war sie außer Gefecht gesetzt, weil ein Auto sie als Fußgängerin angefahren hatte. „Hier habe ich ganz viel Unterstützung, besonders von den Chormitgliedern, erfahren. Sonst bin ich nie krank gewesen, aber da wurde ich vier Monate am Stück aus dem Dienst gerissen.“

Nach einigen Todesfällen in ihrem Umfeld und einer Phase, in der sie sich erschöpft fühlte, ist sie jetzt wieder dabei, ihr Leben zu genießen. „Ich lebe gesund und möchte jetzt fit in den Ruhestand starten“, blickt Dörte Czernitzki positiv in die Zukunft und freut sich auf die dazugewonnene freie Zeit. Herzlich lachend stellte sie fest: „Alle sind traurig – außer mir“, und ergänzte: „Ich gehe noch viel lieber in den Ruhestand, seit ich weiß, wer mein Nachfolger wird. Tim Weigardt ist ein sehr netter junger Mann. Er könnte fast mein Sohn sein“, schmunzelte Czernitzki zufrieden. Daher könne ihr Ruhestand auch richtig gefeiert werden.

Nach ihrem Abschied möchte sich die 62-Jährige erst einmal für ein viertel Jahr aus der Gemeinde komplett zurückziehen. Ihr Wunsch ist es, einmal Weihnachten zu verbringen, ohne einen Dienst verrichten zu müssen, denn schon als Kind hatte sie an den Heiligabend-Gottesdiensten immer eine Aufgabe. Ansonsten möchte die Hundebesitzerin viel reisen und die Zeit mit ihren zwei Vierbeinern nutzen. Gleich Anfang November soll es mit ihren Hunden losgehen. Ihr erstes Ziel: Wandern im Teutoburger Wald.

Der Musik bleibt Czernitzki aber auch weiterhin treu. In ihrem Ruhestand möchte sie sich der Gildekapelle anschließen und den Posaunenchor als Mitglied unterstützen. Auch könne sie sich vorstellen, Orgelvertretungen in der Stadtkirche zu machen. Mit Rat und Tat werde sie ihrem Nachfolger und der Kirchengemeinde Heiligenhafen in jedem Fall weiterhin zur Seite stehen, verspricht Dörte Czernitzki voller Vorfreude auf die Zukunft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.