Statt Segel werden bei Oleu nun Taxi-Trennwände gefertigt / Bereits 1000 Stück bestellt

Kreative Idee gegen Kurzarbeit

Statt Kurzarbeit läuft in der Segelmacherei Oleu-Segel die Produktion von flexiblen Taxi-Trennwänden, die Oliver Leu (l.) und Sascha Schwarck (2.v.l.) auf unserem Bild präsentieren, auf Hochtouren.
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Statt Kurzarbeit läuft in der Segelmacherei Oleu-Segel die Produktion von flexiblen Taxi-Trennwänden, die Oliver Leu (l.) und Sascha Schwarck (2.v.l.) auf unserem Bild präsentieren, auf Hochtouren.

Heiligenhafen –ft– Gerade hatten Oliver Leu und Sascha Schwarck noch darüber beraten, ob man alle Mitarbeiter der Segelmacherei Oleu-Segel in Kurzarbeit schicken müsse. Schließlich ist die Marina Heiligenhafen verwaist und wegen des Verbotes, die Hafenanlagen zu betreten, liegen auch keine Schiffe an den Stegen. Doch dann kam alles anders – wie so häufig im Leben.

  • Trennwände bei Taxiunternehmen in der Region sehr gefragt
  • Produkt von Heiligenhafener Unternehmen bereits im Internet zu finden
  • Gefüllte Häfen ab Ende April?

Wie Oliver Leu berichtete, habe er durch reinen Zufall einen Kunden kennengelernt, dessen Tochter ein Taxiunternehmen betreibt und der für das Taxi der Tochter eine Trennwand brauchte. Das generelle Problem bei den Taxen sei, dass viele Fahrer feste, harte Plastikscheiben in den Baumärkten gekauft und eingebaut hätten. Das sei, laut Betriebserlaubnis für Taxen, aus Sicherheitsgründen aber nicht erlaubt. „Unser Kunde“, so erklärte Oliver Leu, „hat daraufhin eine weiche, durchsichtige Trennwand bei uns bestellt und in das Taxi seiner Tochter eingebaut“.

Leu: „Am Tag danach hatten wir schon den Auftrag, fünf Trennwände für Taxen herzustellen. Am nächsten Tag hatte unser Kunde weitere 50 Trennwände bestellt, und am dritten Tag wurden 1000 Trennwände geordert.“ In Baden-Württemberg sei es beispielsweise schon so, dass jedes Taxi eine Trennwand zwischen Fahrer und Fahrgast vorhalten müsse. „Das wird sicher auch bei uns im Norden schnell kommen, und dann sind wir mit unserem Produkt gefragt.“ Die neue Produktion sei bereits ins Internet gestellt worden, und sofort hätten Taxi Kähler aus Oldenburg und Taxiunternehmen aus Schleswig die Heiligenhafener Firmeninhaber kontaktiert. Auch eine andere Segelmacherei aus Heiligenhafen hatte eine gute Idee, um in Corona-Zeiten zu helfen. 

„Kurzarbeit wird es bei uns vorerst nicht geben“

„Sascha Schwarck und ich haben alle Mitarbeiter wieder zurückgeholt. Kurzarbeit wird es bei uns vorerst nicht geben. Wir haben das ganze Wochenende mit neun Mann durchgearbeitet und Überstunden gemacht. 350 Taxi-Trennwände haben wir fertig“, berichtete Oliver Leu. „Jetzt müssen unsere Segelmacher richtig reinhauen, um die restlichen 650 Trennwände fertigzustellen“, ergänzte Sascha Schwarck lachend. Andere Betriebe, wie Hotels, entkommen der Kurzarbeit allerdings nicht so schnell.

Tote Hose an Heiligenhafens Häfen

Im Hafen sei unterdessen tote Hose. „Ware aus unserem Betrieb in Sri Lanka bekommen wir nicht, weil man dort auch nicht arbeiten darf. Wir können auch keine Segel anschlagen, denn die Häfen sind gesperrt.“ So lagern Hunderte von Segelsäcken noch in der Werkstatt und warten darauf, abgeholt zu werden. Oliver Leu zeigte sich aber optimistisch und rechnet damit, dass sich Ende April die Häfen wieder füllen. Auch Scandlines hofft auf gefüllte Häfen, derzeit ist hier ebenfalls Kurzarbeit angesagt.

Wie Leu weiter berichtete, habe er in der letzten Woche ein Boot aus Dänemark geholt, natürlich mit amtlicher Genehmigung der dänischen und deutschen Stellen. In der nächsten Woche soll es noch eine weitere amtlich genehmigte Überführung aus Dänemark nach Heiligenhafen geben. Gemeinsam mit seinem Partner Torsten Schauer betreibt Oliver Leu nämlich auch das Unternehmen X-Yachts Deutschland (Agentur Lübecker Bucht).

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