Birgit Kursawe, Jessica Korte, Carsten Horn, Bettina Hagedorn, Tania Welzel und Iris Rilke-Femerling
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SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (3.v.r.) besuchte das „Kurhaus Baltic“ in Großenbrode zum Pressegespräch. Klinikleiterin Birgit Kursawe (v.l.) und ihren Mitarbeitern Jessica Korte, Carsten Horn, Tania Welzel (2.v.l.) sowie Iris Rilke-Femerling droht Ende 2023 das Aus, da die Geschäftsführung der AWO in Westfalen plant, die Einrichtung zu schließen.

„Dürfen es nicht dem freien Markt überlassen“

AWO-Kurhaus in Großenbrode: Bettina Hagedorn will Schließung in 2023 verhindern

  • Hans-Jörg Meckes
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Nachdem bekannt wurde, dass die Kurklinik in Großenbrode Ende 2023 schließen soll, möchte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn für einen längeren Erhalt der Einrichtung einsetzen. Sie sucht dafür aber auch Mitstreiter.

  • Die AWO will das Kurhaus „Baltic“ in Großenbrode spätestens Ende 2023 schließen.
  • 70 Arbeitsplätze würden in der 2000-Einwohner-Gemeinde wegfallen.
  • SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn will die Schließung vorerst verhindern.

Großenbrode – Es war ein großer Schock für die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mutter-Kind-Einrichtung „Kurhaus Baltic“, als sie vor circa drei Wochen die Nachricht erhielten, dass ihr Standort in Großenbrode Ende des Jahres 2023 nicht mehr weiterbetrieben werden soll (wir berichteten). Zuvor plante die Geschäftsführung aus Westfalen noch, mit den Mitarbeitern an einen neuen Standort am Kai zu ziehen. Doch wegen der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie sieht AW Kur und Erholungs GmbH Geschäftsführer Andreas Frank nun von den Plänen ab, was das Aus für die Mitarbeiter in Großenbrode Ende 2023 bedeutet.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn, der das Thema sehr am Herzen liegt, lud am Montag zu einem Pressegespräch in die Klinik ein. Sie sucht nun Möglichkeiten und Mitstreiter, um die berufliche Zukunft der Mitarbeiter zu sichern.

„Ich habe die Nachricht aus den Medien erfahren, es hat mich schon umgehauen und sehr betroffen gemacht“, sagte Hagedorn. Sie machte darauf aufmerksam, dass es in Ostholstein insgesamt 18 dieser Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen gebe. „Wir haben ein riesiges Potential, und es ist für unseren Kreis schon wichtig, dass es ein Angebot gibt für die Auszeit der Eltern. Wir brauchen eine professionelle Hilfestellung.“ Die Klinik in Großenbrode sei unterdessen eine der ganz wenigen in der Bundesrepublik, die sich um Kinder mit Handicap kümmere, machte die Sozialdemokratin deutlich.

Hagedorn hat mit AWO bereits Kontakt aufgenommen

Die Herausforderungen, vor denen Eltern mit ihren Kindern stünden, seien jetzt durch die Corona-Pandemie noch größer. „Wir brauchen die Kliniken jetzt noch dringender als zuvor“, betonte Hagedorn und machte ebenso darauf aufmerksam, dass es sehr viele Familien gebe, die momentan auf eine solche Kur warten würden.

Hagedorn, die selbst seit fast 40 Jahren AWO-Mitglied ist, habe bereits mit der Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westliches Westfalen, die die Klinik in Großenbrode betreibt, sowie mit dem neuen Bundesvorsitzenden der AWO, Jens Schubert, Kontakt aufgenommen. „Für mich geht es bei meinem Beistand für dieses Haus vor allem auch um die Frage, wie wir als Gesellschaft mit diesem Thema umgehen“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete. Sie habe dem Träger aus Nordrhein-Westfalen ihren Unmut über die Entscheidung deutlich gemacht, so Hagedorn weiter. Ihr sei mitgeteilt worden, dass die Gründe für die Schließung einerseits am Ausbau der Autobahn für die Feste Fehmarnbeltquerung liegen würden. Andererseits habe sich die AWO gegen den Bau einer neuen Kurklinik am Kai entschieden, da die Corona-Pandemie die Einrichtungen finanziell stark belastet habe, sodass ein neues Großbauprojekt momentan nicht möglich sei.

Das Kurhaus „Baltic“ in Großenbrode wird von der AWO Bezirk Westliches Westfalen betrieben.

Hagedorn könne keine Hoffnung machen, dass der Standort in Großenbrode auf Dauer erhalten bleibt, „aber man muss auch mit den politischen Akteuren sprechen“. Die SPD-Politikerin wolle weiter an dem Thema dranbleiben, aber sie brauche dafür auch Partner aus anderen Parteien. Akteure aus allen politischen Ebenen müssten nun miteinander über die Situation der Mitarbeiter sprechen und zu einem Konsens kommen.

SPD-Bundestagsabgeordnete plädiert für Zeitgewinn

Vor allem gehe es Hagedorn darum, mehr Zeit für die Mitarbeiter der Kurklinik in Großenbrode zu gewinnen, denn es sei ein gewaltiger Unterschied, ob die Frist nur bis zum Jahr 2023 laufe oder ob noch ein zeitlicher Puffer bis zum Jahr 2025 erreicht werden könne. Die Kompetenz, die hier in Großenbrode über Jahrzehnte aufgebaut wurde, sei nicht einfach zu ersetzen, so die Sozialdemokratin. 

Sie geht zudem nicht davon aus, dass die Feste Fehmarnbeltquerung bis 2029 fertig werde. „Hier fährt kein Güterzug, bevor der Sundtunnel nicht fertig ist. Die Zeit kann man auf alle Fälle nutzen.“ 

Standort könne möglicherweise noch länger genutzt werden als bis 2023

Hagedorn geht auch davon aus, dass die Geschäftsführung aus Westfalen möglicherweise nicht genug über den Beginn der Bauarbeiten am Tunnel informiert sei. Man müsse ihr deutlich machen, dass der Standort an der E47 noch länger genutzt werden könne als bislang angedacht.

Finanzielle Vorteile habe eine Schließung aus gesellschaftspolitischer Sicht laut Bettina Hagedorn nicht: „Später müssen wir das Geld dann in der Jugendhilfe ausgeben. Man kann das Haus nicht dem freien Markt überlassen.“

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