Lindhorst-Gruppe möchte 35 Millionen Euro investieren 

Keine Mehrheit für Hafencity-Konzept

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So soll nach den Plänen des Architekten Uwe Wulf die neue Skyline am Hafen aussehen.

HEILIGENHAFEN -ft- Mit sieben Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen kam es im Heiligenhafener Stadtentwicklungsausschuss zu keinem Grundsatzbeschluss für die Fortführung der Planung für eine Hafencity nach den Plänen der Lindhorst-Gruppe. Die Pläne zum Bau der Hafencity hatten der Architekt Uwe Wulf und Christian Möhrke vom Vorstand der Lindhorst-Gruppe in einer Präsentation vorgestellt. Die Lindhorst-Gruppe möchte insgesamt rund 35 Millionen Euro in das Objekt am Hafen investieren.

Zwischen Röversgang, Zollstraße und dem Hafengebiet sollen in speicherähnlichen Bauten, in siebengeschossiger Bauweise, an der Hafenstraße 75 Seniorenwohnungen, verbunden mit der Möglichkeit der Tagespflege, entstehen. In den drei neuen Hafenspeichern sind weitere 52 Wohnungen in sieben Geschossen untergebracht. In einer verglasten Galerie befinden sich im Erdgeschoss Gewerbeflächen und eine Gastronomie. Wie Investor Christian Möhrke sagte, könne er sich hier auch eine Kaffeerösterei, eine Brauerei, Boutiquen und ähnliche Betriebe vorstellen. In einer Tiefgarage unter der Hafencity sind 23 Stellplätze für die Seniorenwohnungen und 52 Stellplätzte für die Wohnungen in den Speichern der Hafenseite untergebracht. 75 weitere Stellplätze stehen den Hafenbesuchern zur Verfügung.

Auf eine Frage aus dem Raum, was denn passiere, wenn sich die 75 Seniorenwohnungen nicht an ältere Menschen vermieten lassen, sagte Christian Möhrke, dass er dann nicht ausschließen könne, einige Wohneinheiten auch einer anderen Nutzung zuzuführen. „Ist das alles schon vergeben? Kann ein Investor hier machen, was er will? Warum gibt es keinen Investorenwettbewerb? Das ist ein Sondergebiet Hafen und daraus wird jetzt eine Wohnbebauung“, so ein Heiligenhafener Bürger. Gerd Panitzki (CDU) berichtete von zahlreichen Anfragen aus der Heiligenhafener Einwohnerschaft und wollte vom Investor wissen, wie sich das Preisniveau entwickeln würde. Nach Aussage des Investors gehe man grundsätzlich von einem Mietniveau straßenseitig von elf bis zwölf Euro pro Quadratmeter aus.

Bürgermeister Heiko Müllers Aussage zu dem Projekt Hafencity fiel positiver aus. Stellvertretend für die LEV machte der Bürgermeister deutlich: „Wenn es so nicht klappt, dann werden dort Silos stehen, die für die nächsten 50 Jahre das Hafenbild prägen.“ Deshalb sei es wichtig, so ein Projekt voranzutreiben. Wie Müller weiter betonte, wolle man in Heiligenhafen auch versuchen, Sozialwohnungen im Stadtbereich zu bauen. Müller: „Wir versuchen allen Bürgern unserer Stadt gerecht zu werden. Wir versuchen aber auch, unsere schöne Hafenstadt mit entsprechenden Entwürfen vorzubereiten – für die Zukunft und die nächsten 50 Jahre.“

Dem Kinder- und Jugendbeirat war aufgefallen, dass die Planung auch den Jugendklub „Pier 15“ mit einschließe. Klare Antwort von Monika Rübenkamp: Der würde diesem Immobilienkomplex zum Opfer fallen. „Wir wollen kein fertiges Konzept haben, sondern würden uns über einen Wettbewerb freuen“, war die klare Aussage einer Bürgerin, die viel Beifall erntete. Zum Auswahlverfahren sagte Gerd Panitzki (CDU), dass der CDU nur das Lindhorst-Vorhaben vorliege, man habe kein anderes Konzept gesehen. Wie Folkert Loose CDU) betonte, wolle die LEV in Kürze in die Siloanlage investieren und er wisse, dass die Zeit dränge. Die Überplanung sei eine Chance für das Hafengebiet, allerdings nicht um jeden Preis. Die CDU wehre sich deshalb gegen einen „Schnelldurchgang“. In der Fraktion habe man in vielen Punkten noch Beratungsbedarf, und deshalb würden die CDU-Ausschussmitglieder heute dagegen stimmen. Bei der Verkaufsfläche würden 1650 Quadratmeter als Gewerbefläche angegeben werden, das müsse mit dem Bestand der Innenstadt abgeglichen werden. Eine Verödung des Zentrums könne man sich in der Innenstadt nicht erlauben, sagte Folkert Loose und erntete Beifall. Für Helmut Gideon (FDP) müsse man sich auch klar machen, wenn man bis zum 20. Dezember keine Lösung gefunden habe, dass die LEV das Grundstück behalte werde und man dann die Hafencity vergessen könne.

Die Fraktion der Grünen enthalte sich, weil man die Reaktion der Naturschutzbehörde abwarten wolle, sagte Manfred Ebken. Florian Kinnert von der BfH-Fraktion zeigte sich verwundert, weil man jetzt nach der Devise „Friss oder stirb“ die Sache beschließen wolle. Wie Monika Rübenkamp aus Sicht der SPD-Fraktion sagte, wolle man erst das Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) abwarten. Hier gehe es um die Innenstadt und das Umfeld, deren Entwicklung wichtig sei. Danach könne man einen Wettbewerb starten, nach welchen Grundsätzen sich der Hafen entwickeln sollte. Rübenkamp machte aber auch deutlich, dass die LEV, wenn sie ihre Grundstücke verkaufen könne, den Betrieb an anderer Stelle weiter fortführen wolle. Die LEV wolle bis zum Ende des Jahres von der Stadt ein „Go“ haben. In der SPD stelle man sich aber auch die Frage, ob man in diesem Bereich am Hafen mit drei großen Giebelhäusern, die hier entstehen sollen, noch weitere Zweitwohnungen haben möchte. Hierzu kam von der SPD ein klares Nein. Wie Rübenkamp weiter ausführte, möchte die SPD gerne, dass auch in diesem Bereich Heiligenhafener Bürger Wohnungen haben können. Eigentumswohnungen, die sich kein Heiligenhafener leisten könne, lehne die SPD ab.

Simon Schulz (BfH) zeigte sich verwundert über die gesamte Vorstellung, denn eine Hafencity sei schon seit Jahren im Gespräch. Um den Brückenschlag zur Innenstadt hinzubekommen, würde sich Schulz ein städtebauliches Konzept wünschen, was vom Marktplatz über den Wilhelmsplatz bis Am Strande und den Hafen reiche. „Ich fühle mich nicht mitgenommen von diesem Projekt“, sagte Schulz. Die HP hatte schon im September 2016 unter dem Titel „Heiko Müller setzt auf Hafencity“ über den ersten Entwurf der Architektengruppe „Skai“ berichtet. Ein Jahr später hatte die HVB ihren Entwurf „Hafenkante“ den Hafenanliegern und Geschäftsleuten vorgestellt, um deren Meinungen zu berücksichtigen. Mit der Ablehnung des Grundsatzbeschlusses für das Lindhorst-Projekt ist jetzt wieder am Hafen alles offen.

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