Wirtschaftsgipfel in Heiligenhafen – Tourismus und Berufsschulen weitere Themen

IHK Lübeck steht zur Beltquerung

IHK-Wirtschaftsgipfel in Heiligenhafen (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Bernd Rohwer, IHK-Vizepräses Christoph Andreas Leicht, MdL Klaus Klinckhamer, Claus-Peter Matthiensen von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein und Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller.

IHK-Wirtschaftsgipfel in Heiligenhafen (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Bernd Rohwer, IHK-Vizepräses Christoph Andreas Leicht, MdL Klaus Klinckhamer, Claus-Peter Matthiensen von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein und Heiligenhafens Bürgermeister Heiko Müller.

Von Peter Foth

HEILIGENHAFEN/FEHMARN • Wie kann man den Standort Ostholstein attraktiver machen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der IHK-Wirtschaftsbeirat Ostholstein auf seiner Sitzung  in Heiligenhafen. Zur Information der Wirtschaftsexperten gehörte auch ein Sachbericht über die Malmö-Vereinbarung, das neue Pact-Gesetz, die Lage der Beruflichen Schulen im Kreis, eine Bilanz über die Tourismuszahlen und natürlich die feste Fehmarnbelt-Querung.

Hier machte Sybille Kienstedt vom Fachdienst Regionale Planung beim Kreis Ostholstein deutlich, dass bei einer Beltquerung die Malmö-Vereinbarungen nicht falsch verstanden werden dürften. Hier gehe es nicht darum, ob die feste Fehmarnbelt-Querung komme oder nicht, sondern um die Verknüpfung der Grenzregionen.

Arbeitsplätze und die Beltquerung

Ex-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Bernd Rohwer, heute Hauptgeschäftsführer der IHK Lübeck, machte gegenüber unserer Zeitung deutlich, dass der Kreis Ostholstein auch eine Strategie unabhängig von der Beltquerung brauche. Es sei Aufgabe des Wirtschaftsbeirates der IHK, hier helfend zu begleiten.

Bernd Rohwer machte aber deutlich, dass es im IHK-Wirtschaftsbeirat eine breite Mehrheit für eine feste Fehmarnbelt-Querung gibt und man weiter entschlossen sei, für dieses Projekt zu kämpfen.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer: „Es ist wichtig, dass der Kreis Ostholstein sich weiter als Standort stärkt. Die Zukunft des Kreises liegt sicherlich in beiden Richtungen, das heißt in Süd- und Nordrichtung, deshalb sollte man sich nicht alleine auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit konzentrieren.“

Was wird aus den Arbeitsplätzen im Norden Ostholsteins nach einer festen Verbindung über den Fehmarn- belt? IHK-Hauptgeschäftsführer Bernd Rohwer sieht hier keine Gefahr. Alle ihm bekannten Studien sprächen dafür, dass der Beschäftigungseffekt per Saldo für die Gesamtregion positiv sein werde. Sollte die Fährverbindung gänzlich wegfallen, werde es hier zu Verlusten von Arbeitsplätzen kommen, diese Frage sei nie bestritten worden. Dem würden aber deutliche Beschäftigungsgewinne in der Bauphase sowie in der Betriebsphase gegenüberstehen. Professor Rohwer ging davon aus, dass sich auch im Tourismus positive Beschäftigungseffekte bemerkbar machen werden.

„Steuerzahler so wenig wie möglich belasten“

Bernd Rohwer: „Ich habe immer gesagt, dass einer der wichtigsten Nebeneffekte der festen Fehmarnbelt-Querung darin besteht, dass wir die Verkehrsachsen, also die A1 im weiteren Ausbau und die Eisenbahnverbindung zwischen Lübeck und Puttgarden, natürlich nur im Zusammenhang mit einer festen Beltquerung weiter optimieren können. Ohne eine feste Beltquerung wird es sehr schwierig sein, einen vierspurigen Autobahnausbau weiterzuführen oder die Eisenbahnstrecke zu begradigen.“

Bei den Gesprächen, die im Moment zwischen dem Land Schleswig-Holstein, der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Dänemark geführt werden, gehe es jetzt vor allem um das Finanzierungskonzept. Der Steuerzahler sollte bei so einem Projekt so wenig wie möglich belastet werden, das sei der Sinn einer privaten Finanzierung der Fehmarnbelt-Querung, bei dem die Nationalstaaten lediglich eine Staats-Garantie übernehmen.

Bernd Rohwer: „Diese Staatsgarantie wird im Normalfall – siehe Große Beltquerung, siehe Öresundbrücke – ja nicht gebraucht, das heißt, sie wird nicht finanzwirksam. Mit anderen Worten: Für den Steuerzahler gibt es unter normalen Bedingungen überhaupt keine Belastung. Nur in einem sehr extremen Fall, wenn sich der Verkehr ungünstiger darstellt, als prognostiziert, kann es zu einer Verlängerung des Annuitätszeitrau- mes kommen. Dann würde die Abgeltung der Finanzierungsbeträge sich von 33 zum Beispiel auf 37 Jahre verlängern.“

Für Arbeitgeber freie Wahl der Berufsschule

Die Leiterin der beruflichen Schulen in Ostholstein informierte den IHK-Wirtschaftsbeirat  über die beruflichen Schulen in Ostholstein. Der neue Paragraf 24 des Berufschulgesetzes 2007 ermögliche den Arbeitgebern eine freie Berufsschulwahl. Die Berufsschulbezirke werden aufgehoben, was einem Flächenkreis wie Ostholstein Probleme bringen könnte, wenn die Berufsschüler sich die nächstgelegene Berufsschule aussuchen können und dabei auch die Kreisgrenze kein Hindernis sei.

Wie der Vizepräses der IHK Lübeck, Christoph Andreas Leicht, im Pressegespräch berichtete, habe der Vizepräsident der Dehoga Schleswig-Holstein, Peter Lüttgens, für die Tourismusbranche einen sehr positiven Rückblick gehalten. Die Übernachtungs- und Gästezahlen hätten sich am Ende der Saison noch sehr positiv entwickelt.

Nach den Worten von IHK-Hauptgeschäftsführer Bernd Rohwer sei die Attraktivität des Standortes Ostholstein ein wichtiges Thema. Ostholstein brauche den Verbund mit dem Kammerbezirk und dem Oberzentrum Lübeck auch in Richtung Hamburg. Hier möchte die IHK Lübeck natürlich auch gerne eine aktive Rolle übernehmen, denn die Region Ostholstein sei für die IHK Lübeck ein sehr wichtiger Partner.

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