Mahnungen, Anwaltspost, Gesundheitsamt: Pier 15 hatte mit vielen Problemen zu kämpfen

Bessere Zeiten stehen bevor

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Petra Kowoll und Marc Wiemers sind motiviert, den Pier-15-Club wiederzubeleben.

Heiligenhafen -mf- Es scheint so, als wäre es ruhig geworden um den Pier-15-Club in der Hafenstraße, doch dem ist nicht so – im Gegenteil. Hinter den Kulissen war es in der Vergangenheit alles andere als ruhig.

Angefangen habe alles mit der Idee des Husumer Speichers, erklärte Bürgervorsteherin Petra Kowoll. Ein Ort für verschiedene Events, die auch die jüngere Generation ansprechen, sollte geschaffen werden. „Es ist Fakt, dass es in Heiligenhafen nichts für Jugendliche und junge Erwachsene gibt“, sagte die Bürgervorsteherin gestern Nachmittag bei einem gemeinsamen Termin mit dem Pier-15-Vorsitzenden Marc Wiemers. Um das zu ändern, nahm die Stadt Heiligenhafen 2017 insgesamt rund 80000 Euro für die umfangreichen Instandsetzungsarbeiten des Clubs in die Hand.

Wiemers erzählte, dass sich nach der Eröffnung 2017 ein „fester Kern“ an Mitgliedern gebildet habe, die sich um den Pier-15-Verein kümmerten. Die meisten davon seien allerdings mittlerweile weggezogen, was für das Pier 15 fast das Aus bedeutete. „2018 geriet der Club in große finanzielle Schwierigkeiten“, sagte der Vorsitzende und ergänzte, dass es damals dann zwischenzeitlich sogar fast soweit gekommen wäre, dass der Club geschlossen werden musste.

Der Grund für die rapide Talfahrt des Pier 15: Eigennutzungen, unbezahlte Rechnungen und niemanden, der sich um Organisatorisches kümmerte. Damalige Vorstands- und Clubmitglieder hatten auf Vereinskosten Getränke herausgegeben, Getränke nicht bezahlt, die Musik zu laut gedreht und „hier und da ging immer mal etwas kaputt“, berichtete der heutige Vorsitzende. Die Folgen: Mahnungen und Post vom Anwalt. Auch Gegensteuerungsversuche und das Appellieren an die anderen Mitglieder durch den damaligen Vorsitzenden Jannik Schmidt zeigten keine Wirkung, sodass dieser selbst aus dem Verein austrat. Ärger mit der Politik und den Heiligenhafener Verkehrsbetrieben (HVB), die Eigentümer des Gebäudes sind, ließen nicht lange auf sich warten.

Mit einem neuen Vorstand ging es dann allerdings Ende 2018 auch nicht weniger chaotisch weiter. „Es gab zwar nicht mehr permanent private Partys, aber es hat sich auch keiner mehr um Dinge wie Finanzen oder Gema gekümmert“, sagte Wiemers. Petra Kowoll ergänzte mit Blick auf die teilweise sanierungsbedürftigen Wände, dass die Stadt und auch die HVB die letzten gewesen wären, „die nicht auch mal einen Pott Farbe gestiftet hätten“. Auch mit dem Gesundheitsamt habe es zwischenzeitlich Probleme gegeben. Dabei seien es die einfachsten Dinge gewesen, die hätten umgesetzt werden müssen, „die einfach nicht gemacht wurden“, so die Bürgervorsteherin, die sich ab September 2019 der Sache angenommen hatte und den Club seitdem unterstützt. „Ich mache das gerne, und mir ist es wichtig, dass wir hier eine Location für Veranstaltungen haben und auch einen Partyraum für junge Leute“, so Kowoll, die motiviert ist, das Pier 15 am Laufen zu halten.

„Wir müssen hier Kontinuität reinkriegen, und das hätten wir tatsächlich fast geschafft, wenn denn nicht Corona gekommen wäre“, bedauerte Kowoll, die gemeinsam mit Marc Wiemers schon viel geplant hatte. Das Hauptaugenmerk werde weiterhin auf Musikveranstaltungen liegen. Goa-Partys, Oldies-Night, Mucke für alle, Liveauftritte, ein wöchentlicher Open-Club, ein Flohmarkt oder Inklusions-Discos für die Bewohner der Ameos-Klinik waren unter anderem angedacht. „Wir haben alles da. Wenn uns gesagt wird, es kann losgehen, dann könnten wir direkt starten“, sagte Wiemers motiviert. „Allerdings haben uns die freien Feiern auch ein bisschen zurückgeworfen“, ergänzte Petra Kowoll, die erklärte, dass die Räumlichkeit auch für private Feiern durch die HVB vermietet werde. „Nicht jeder, der hier feiert, geht gut mit den Räumen um“, so die Bürgervorsteherin, die sich für eine Kaution für Mieter ausspricht, um einen dreckig hinterlassenen Club zu vermeiden. 

Als Nächstes stehen jetzt erst einmal einige Renovierungs- und Umbauarbeiten auf dem Programm. Außerdem sollen die Beitragsrückstände von mehreren Hundert Euro in Angriff genommen werden. Das Pier 15, das für bis zu 199 Menschen ausgelegt ist, solle für alle sein, „die Spaß daran haben, Spaß zu haben, für alle die Tanzen wollen, Musik mögen und sich einfach gerne wohlfühlen“, erklärte Kowoll und ergänzte, dass auch Helfer, Unterstützer und Ideengeber immer gerne gesehen sind. „Und auch Bands können sich melden.“ Zu erreichen sind die Verantwortlichen am einfachsten auf der Facebook-Seite des Pier-15-Clubs. Mit Blick auf die Hafenkantenumgestaltung sagte Marc Wiemers abschließend: „Wie es mit dem Gebäude weitergeht, steht in den Sternen, aber das hält uns als Club ja nicht auf.“ In anderen Räumlichkeiten das Projekt Pier 15 weiterleben zu lassen, wäre daher durchaus eine Option.

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