Skizze neuer DLRG-Bau.
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Auf einem Grundstück der GTS, direkt neben der DGzRS-Station am Wasser, soll die neue DLRG-Unterkunft entstehen.

An der geplanten Unterkunft für Wachdienstler scheiden sich die Geister 

Übertriebener Neubau für die DLRG? Kontroverse Diskussion in Großenbrode

  • Patrick Rahlf
    VonPatrick Rahlf
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Auf einem Grundstück der GTS, direkt neben der DGzRS-Station am Wasser, soll die neue DLRG-Unterkunft entstehen. Die obere Etage soll an Touristen vermietet werden. Das war bis Dienstagabend nicht allen Gemeindevertretern in Großenbrode klar. 

  • Den Standort direkt am Hafen als neue DLRG-Unterkunft halten einige Gemeindevertreter für unpassend.
  • Selbst alle Mitglieder der Großenbroder Zählgemeinschaft kannten neue Pläne nicht.
  • Konzepte für Hochwasserschutz und Verkehr wurden vorgestellt.

Großenbrode – Die Großenbroder Gemeindevertretung hat ein turbulentes Jahr mit vielen verbalen Auseinandersetzungen hinter sich. In der letzten Sitzung des Jahres ging es dagegen etwas besinnlicher zu – am Ende sprachen die Fraktionssprecher sowie Monika Klein (SPD) für die Zählgemeinschaft traditionell ihre Weihnachtsgrußworte. Da waren aber schon längst nicht mehr alle Zuhörer anwesend, schließlich war es eine lange Sitzung mit zwei ausführlichen Konzeptvorstellungen über den geplanten Hochwasserschutz und den Autoverkehr in der Gemeinde. 

Zu einer richtigen Diskussion kam es am Dienstagabend nur beim Wirtschaftsplan der GTS GmbH & Co KG für das Jahr 2022. In diesem sind zwei Millionen Euro für den Bau einer neuen DLRG-Unterkunft am Kai  mit direktem Ostseeblick veranschlagt. „Das verstehe ich nicht. Es war zunächst von 800000 Euro die Rede, auf einmal steht hier etwas von zwei Millionen. Das ist doch überhaupt nicht verhältnismäßig für die paar Personen“, sagte Wulf Kruse (BfG). 

Reise: „In Hundehütte keine Ehrenamtler unterbringen“

Bürgermeister Jens Reise (CDG) entgegnete, dass die Ansprüche der DLRG immer weiter wachsen würden. „In einer Hundehütte kann man keine Ehrenamtler mehr unterbringen. Dann bekommt man nämlich irgendwann keine mehr.“ Es handele sich um eine exponierte Lage, das sei ohne jeden Zweifel der Fall, so Reise, der vorschlug, die DLRG-Zimmer von September bis Mai anderweitig zu vermieten. „So ist wieder eine Wirtschaftlichkeit gegeben“, führte der Bürgermeister weiter aus. 

Ebenfalls sollen drei Wohnungen mit Dachterrassen im oberen Stockwerk separat an Urlaubsgäste hochpreisig vermietet werden – unabhängig von der Belegung durch die DLRG in den unteren Etagen. „Das höre ich heute Abend aber auch zum ersten Mal, davon war vorher nie die Rede“, merkte Andreas Albrecht (SPD) an. 

Sehmel: „Das wird ein Drei-Millionen-Euro-Grab“

Wie Hans Sehmel (CDU) sagte, würden zwei Millionen Euro laut Aussage des Architekten nicht ausreichen, um an diesem Standort mit aufwendiger Pfahlgründung zu bauen. „Das wird ein Drei-Millionen-Euro-Grab werden“, so der CDU-Fraktionssprecher. Nach HP-Informationen rechnen die beauftragten Architekten derzeit mit 2,6 Millionen Euro an Kosten. 

Zudem haben CDU und BfG große Bedenken, dass sich die jungen Wachdienstler der DLRG und die Feriengäste in der oberen Etage in die Quere kommen. „Die Lautstärke der jungen Menschen, die abends gerne feiern, wird zum Problem werden. Das ist doch bereits am aktuellen Standort im Vital Resort so. Das ganze Konzept wird deshalb gegen die Wand laufen. Es gibt genügend andere Standorte für eine vernünftige Unterkunft der DLRG, die im Bau nicht so teuer werden“, sagte Hans Sehmel. Mit 7:6 Stimmen stimmte die Großenbroder Zählgemeinschaft, bestehend aus CDG, SPD und FDP, am Ende für den vorgelegten Wirtschaftsplan. 

90-prozentige Förderung für Hochwasserschutz 

Ebenfalls im Fokus stand ein Hochwasserkonzept für die Gemeinde Großenbrode. Dieses wurde nur vorgestellt und diskutiert, beschlossen wird es voraussichtlich erst im Juni kommenden Jahres. „Der Meeresspiegel wird steigen. Nur wie hoch, das weiß keiner“, sagte Ingenieur Karsten Peters von der Firma Ramboll. Er würde diverse Maßnahmen empfehlen, um die Gemeinde zukünftig vor Sturmfluten zu schützen. Dabei geht es konkret um die sensiblen Bereiche Großenbroderfähre, Großenbroder Moor, Rethwiese, Jachthafen sowie West-Großenbrode. „Ein Hochwasserschutzdeich müsste im Osten errichtet werden, teilweise reicht es aber auch, Schwachstellen zu beheben“, sagte Karsten Peters. Bei den Maßnahmen würde eine 90-prozentige Förderung im Raum stehen, zudem könnte man die Hinterlandanbindung zur Festen Beltquerung nutzen. „Da wird viel Erde bewegt, die Sie gut gebrauchen könnten“, führte der Ingenieur aus. Zudem sei es wichtig, den E47-Damm als offizielle Hochwasserschutzanlage anerkennen zu lassen.

Ein Kreisverkehr für die Nordlandstraße?

Auch ein Verkehrskonzept ist der Gemeindevertretung durch Vertreter des Büros Merkel Ingenieur Consult vorgestellt worden. Die Kernaussage: Großenbrode sei weder verkehrlich besonders überlastet noch gebe es eine Parkplatzproblematik. Als Grundlage würden Verkehrszählungen aus September dieses Jahres dienen. „Eine temporäre Überlastung in der Hauptsaison ist nicht repräsentativ“, erklärte Gutachterin Sandra Gertzen.  Unter anderem wird dringend empfohlen, das Parkleitsystem zu optimieren, Radwege auszubauen oder die Teichstraße als reine Anlieger- und Fahrradstraße umzuwidmen. Denkbar wäre auch der Bau eines Kreisverkehrs  am Knotenpunkt Nordlandstraße/Strandstraße. Für die geplante Umgehungsstraße empfiehlt das Büro unterdessen eine nordöstliche Umfahrung des Ortes. Es handelte sich auch hierbei nur um eine Vorstellung, beschlossen ist noch nichts.  

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