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Mobbing-Thematik: Nach dem Tod eines 15-jährigen Heiligenhafeners werden Konsequenzen gefordert

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Von: Patrick Rahlf

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Eindringliche Worte an der Bushaltestelle, in der das Unglück passierte. Noch immer werden Blumen abgelegt und Kerzen für den Verstorbenen angezündet.
Noch immer werden Blumen abgelegt und Kerzen für den Verstorbenen angezündet. © Rahlf

Der Suizid eines 15-jährigen Jungen in Heiligenhafen hat die Menschen in der Region sehr bewegt. Dass Mobbing-Attacken von Gleichaltrigen den jungen Heiligenhafener so schwer belastet haben, dass er seinem Leben Ende Juni ein Ende gesetzt hat, macht fassungslos. Jetzt wird der Ruf nach Konsequenzen laut.

Heiligenhafen – „Man darf nicht wegschauen und muss alles dafür tun, um Mobbing bereits im Ansatz zu unterbinden“, sagt die Heiligenhafenerin Nadine Greve. Auf Facebook hat sie die Gruppe „Sag auch NEIN zu Mobbing“ gegründet und schnell gemerkt, dass das Thema sehr präsent ist.

„Der verstorbene Junge ist kein Einzelfall. In unserer so respekt- und rücksichtslosen Gesellschaft gibt es unzählige Kinder und Jugendliche, die Opfer von abscheulichen Schikanierungs-Attacken werden, die von Gleichaltrigen verübt werden – auch in Heiligenhafen und Umgebung.“ Das Thema werde viel zu häufig totgeschwiegen und von Lehrkräften und Schulleitungen unter den Tisch gekehrt, sagt Nadine Greve, die in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Eltern Kontakt hatte, die von schweren Mobbingvorfällen in Heiligenhafener und Oldenburger Schulen berichtet haben. 

Betroffene schildern ihre Mobbing-Erlebnisse in Facebook-Gruppe

Besonders bewegt hat sie die Geschichte eines 15-jährigen Mädchens, das wie der verstorbene Junge auf die Warderschule geht. Auch sie sah sich in der Vergangenheit schwersten Mobbing-Attacken ausgesetzt und wurde schließlich aufgrund von akuter Suizidgefahr in eine Kinder- und Jugend-Psychiatrie in Lübeck eingeliefert. „Der Aufenthalt des damals zwölfjährigen Mädchens dauerte mehrere Wochen. Noch immer besucht sie ein Mal wöchentlich eine Kinder- und Jugendpsychologin, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten“, berichtet Nadine Greve, die mit dem Vater des Mädchens in Kontakt steht. „Die verzweifelten und wütenden Eltern suchten damals das Gespräch mit der Schulleitung. Diese wiegelte ab – es gäbe kein Mobbing-Problem an der Warderschule.“ Dutzende Personen haben sich in der öffentlichen Facebook-Gruppe mittlerweile zu Wort gemeldet und von ihren eigenen Mobbing-Erfahrungen oder denen ihrer Kinder berichtet. 

„Der unsinnige Tod des 15-jährigen Jungen muss einen Sinn haben – und wenn es nur der ist, andere Opfer vor weiteren Mobbing-Attacken zu schützen.“

Nadine Greve, Initiatorin der Facebook-Gruppe „Sag auch NEIN zu Mobbing“

„Der unsinnige Tod des 15-jährigen Jungen muss einen Sinn haben – und wenn es nur der ist, andere Opfer vor weiteren Mobbing-Attacken zu schützen und ihnen somit zu zeigen, dass es auch einen Ausweg gibt“, sagt Nadine Greve, der es wichtig ist, das Thema nachhaltig aufzuarbeiten.

Pastor macht Mobbing zum Gottesdienst-Thema 

In der Antoniuskirche in Neukirchen stand der jüngste Gottesdienst ganz im Zeichen der Mobbing-Thematik. Pastor Michael Thermann nahm den Tod des 15-jährigen Heiligenhafeners zum Anlass, um mit viel Einfühlungsvermögen über das Thema zu sprechen. „Besonders freut mich, dass er uns in der aktiven Mobbing-Arbeit unterstützen möchte“, so Nadine Greve, die noch viele weitere Unterstützer an ihrer Seite weiß. Ein erstes Treffen ist für kommende Woche geplant, um sich auszutauschen und ein Netzwerk aufzubauen. Greve: „Ziel ist es, eine Initiative zu gründen, an die sich Mobbing-Opfer wenden können – sowohl telefonisch als auch per E-Mail. Wir nehmen dann Kontakt mit den Schulen auf und werden auch versuchen, das Gespräch mit den Tätern zu suchen.“ Kinder und Jugendliche von Fehmarn bis Oldenburg sollen so einen festen Ansprechpartner bekommen, wenn sie Probleme haben.

Kristina Krämer, die im Herbst 2019 ihre Stelle als Schulleiterin der Warderschule angetreten hatte, hat auf die Frage der HP, wie mit dem Thema Mobbing generell umgegangen wird, schriftlich geantwortet: „Nach Rücksprache mit allen verantwortlichen Personen unserer Schule sind wir der Meinung, dass es für Statements, egal in welcher Form, aktuell zu früh ist. Wir trauern um einen Schüler, unser Mitgefühl gilt der Familie. Wir werden in angemessener Weise handeln, wenn die Umstände durch die zuständigen Stellen geklärt sind.“ 

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