Museumshafen: Beate Bock und Mitstreiter warnen vor Fehlplanung / HVB widerspricht

Konträre Ansichten

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Dass der alte Steg marode ist und ein Neubau viele Vorteile mit sich bringt, darin sind sich alle Parteien einig. Nur bei der Ausführung gehen die Meinungen auseinander.

Heiligenhafen -ra- Von einem weiteren Angebotsbaustein mit neuen Alleinstellungsmerkmalen für Heiligenhafen sprechen die einen, von einem Planungsdesaster die anderen. Gemeint ist der neue Museumshafen, der für eine Million Euro (50-prozentige Förderung vom Land, die andere Hälfte finanziert die HVB) an der Nordmole im Kommunalhafen entstehen soll. Während im März mit dem Abbruch des alten Stegs begonnen werden soll, schlägt Beate Bock, Vorsitzende des „Museumshafens am Warder“, Alarm.

„Das Chaos ist bei dieser Planung vorprogrammiert. Es ist einfach ein Drama, was da gemacht wird“, sagte Bock bei einer einberufenen Krisensitzung am Dienstagabend im „Nordpol“. Jahrelang habe der Museumshafen-Verein mit der HVB wunderbar zusammengearbeitet, bei der Umsetzung des Museumssteg-Projektes fühlten sich Bock und ihre Mitstreiter aber nicht ernst genommen. „Wir haben 13 Schiffe, und es gibt fünf weitere Liegeplatz-Anfragen. Bei der jetzigen Planung werden die Schiffsgrößen nicht berücksichtigt, es gibt maximal fünf brauchbare Liegeplätze für uns“, erklärte die Vorsitzende enttäuscht.

Kritik gibt es auch bei der Manövrierfähigkeit, die deutlich eingeschränkt sei. „Leider ist der touristische Aspekt, hier ist besonders die Promenaden-Verlängerung zu nennen, zu sehr in den Vordergrund gerückt worden. Wir wurden nicht in die Planungen einbezogen, Transparenz sieht anders aus“, so Bock, die nach eigener Aussage die Pläne einsehen durfte, aber von der HVB-Geschäftsführung nicht ausgehändigt bekam. HVB-Geschäftsführer Joachim Gabriel entgegnete gestern, dass die HVB über einen „sehr engagierten Mittelsmann“ mit den Eignern der Museumsschiffe in einem engen Austausch stehe. „So verlief zum Beispiel über den Jahreswechsel die Verlegung der Schiffe von der alten Brücke übergangsweise in die Marina absolut problemlos und professionell.“ Auch die erneute Verlegung von der Marina an die Ostmole bis zur Fertigstellung der Museumsbrücke sei bereits final abgesprochen worden.

Dortje Kreutzfeldt vom beauftragten Ingenieurbüro Mohn erklärte zu den Planungen: „Unserem Verständnis nach ist der Grundgedanke des Museumshafens der, dass die Schiffe hier vor allem als ‚Ausstellungsstücke‘ liegen und nicht ständig ein- und auslaufen. Sofern nicht alle Schiffe auf der Nordseite gleichzeitig beschließen, ihren Liegeplatz zu verlassen, ist der gewählte Abstand für die vorhandenen Schiffsgrößen ausreichend groß, um die Liegeplätze anzufahren und zu verlassen.“ Gerade vor dem Hintergrund, wie beengt die Verhältnisse derzeit seien, stelle der Neubau mit einem weitaus größeren Abstand zur Nordmole eine Verbesserung der Liegebedingungen dar. Beate Bock hält dagegen: „Es ist schlichtweg nicht möglich, es passt von den Abmessungen her nicht.“

Aktuell wird mit zehn Traditionsschiffen geplant, der Verein hat allerdings 13 im Bestand. „Ich bin sicher, dass alle geeigneten Schiffe einen Liegeplatz erhalten. Die Fahrzeuge müssen einen Erhaltungszustand aufweisen, der präsentabel ist“, erklärte Joachim Gabriel. Von Neuanfragen wisse er nichts. Ebenfalls gibt der Verein „Museumshafen am Warder“ zu bedenken, dass der neue Hafen für Traditionsschiffe den Wendekreis für Frachtschiffe verkleinere, sodass die bisherigen Schiffsgrößen nicht mehr im Kommunalhafen drehen könnten. „Pepe“ Töpfer, von Beruf Schiffslotse, äußerte Dienstagabend erhebliche Bedenken. Dem widersprach gestern das Ingenieurbüro Mohn, das außerdem betont, die Planung dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lübeck vorgelegt zu haben. „Laut WSA bestehen keine Bedenken“, erklärte Dortje Kreutzfeldt.

Neben dem stellvertretenden Bürgermeister Folkert Loose (CDU) waren im „Nordpol“ auch Stadtvertreter der Grünen und der FDP anwesend. BfH, SPD oder Forum „BisS“ kamen der Einladung nicht nach. Folkert Loose: „Die HVB wurde von der Stadtvertretung mit der Umsetzung beauftragt und hat den Stab in der Hand. Ich kenne die Pläne derzeit auch nicht, wenn ich aber heute Abend höre, dass es Probleme gibt, ist das natürlich nicht in unserem Interesse.“ Er wolle sich nun schnellstmöglich informieren und auch Rücksprache mit dem HVB-Aufsichtsrat halten. Auch die Lotsenbruderschaft Kiel will bei der HVB die Pläne anfordern und diese prüfen. Der ebenfalls an diesem Abend anwesende Rechtsanwalt Dr. Christian Grote riet dem Verein, schnellstmöglich den HVB-Aufsichtsrat einzuschalten und zu intervenieren. „Versuchen Sie alles, um zu verhindern, dass es am Ende einen Museumshafen ohne Schiffe gibt. Das wäre wohl ein Fall für den Bund der Steuerzahler“, so Grote. Eine öffentliche Vorstellung des Museumshafens wird es unterdessen am 14. März bei der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses geben, erklärte Monika Rübenkamp (SPD).

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