,Olifanten‘ auf schwankenden Planken / ,Gewitter‘ auf Mitgliederversammlung

Museumsschiffverein in schwierigem Fahrwasser

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Große Hoffnungen setzten die „Olifanten“ auf ihren neuen Vorstand mit dem 1. Vorsitzenden „Atze” Krein (l.), dem stellvertretenden Vorsitzenden Arnim Bock (vorn) sowie Jugendwart Thomas Kowoll und Kassenführerin Marion Schafhäutle.

HEILIGENHAFEN · Schwere See, dazu ein Gewittersturm mit Blitzeinschlägen und orkanartige Böen, solche Wetterverhältnisse verlangen eine gute Seemannschaft und ein stabiles Schiff. Diese seemännische Extremlage hätte sich auch problemlos auf die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „Museumsschiff Heiligenhafen e.V.“, zu der die „Olifanten“ sich am Freitag im Sportlerheim eingefunden hatten, übertragen lassen können. Das kurze seemännische Fazit: Der „Olifant“ schwimmt noch und hat den Sturm überlebt. Die neue Schiffsführung, sprich neuer Vorstand, muss nun aber alles versuchen, um wieder „Ruhe ins Schiff“ zu bringen.

Wie schwer es ist, auf sicherem Kurs durch eine Mitgliederversammlung zu steuern, musste der 2. Vorsitzende des Vereins „Museumsschiff Heiligenhafen“, Klaus „Atze“ Krein, erfahren. Krein, der den Verein zuletzt kommissarisch leitete, versuchte an diesem Abend trotz vieler „Einschläge“ ruhig zu bleiben. Allerdings hätte alles geräuschloser verlaufen können, wenn die Regularien, die eine Mitgliederversammlung steuern, besser aufbereitet worden wären. So war die Tagesordnung mit den vom kommissarischen Vorsitzenden „angesetzten geheimen“ Wahlen ein erster „Knackpunkt“, denn über eine geheime Wahl des Vorstandes könne nur die Versammlung befinden, wenn ein Mitglied den Antrag auf geheime Wahl stelle, war aus den Reihen der Mitglieder zu hören. Auch der Änderung der Tagesordnung hätte die Versammlung zustimmen müssen. So begann schon im Vorfeld eine heiße Debatte über die Regularien, die eine reibungslose Abwicklung der Mitgliederversammlung verzögerte.

Nach drei Anläufen konnte Klaus Krein dann endlich seinen Bericht vortragen und über die Teilnahme des „Olifant“ an der Rum-Regatta von Sønderborg/DK nach Flensburg berichten. Hier hatte der „Olifant“ den zweiten Platz in seiner Klasse belegt. Zu einer Fahrt in See lief der Segeloldtimer anlässlich eines 80. Geburtstages und einer Hochzeit aus. Auch in die Hafenfesttage und die Heiligenhafener Kult(o)urnacht war der „Olifant“ eingebunden. Höhepunkt des Jahres war aber der Hafengeburtstag mit Kohlregatta.

Wie Kassenwart Jürgen Erz berichtete, sollten für jede Ausfahrt des Meumsschiffes, so sieht es ein Beschluss vor, 60 Euro in die Kasse kommen, um die Betriebskosten zu decken. Tatsächlich, so Erz, habe der „Olifant“ mehr Fahrten in See unternommen, als Geld in die Kasse gelangt sei. Wie Vereinsmitglied Stephan Karschnick kritisierte, gehe es „in erster Linie um Lustfahrten“, die nicht bezahlt worden seien. Eine Überprüfung des Logbuches soll nun Klarheit bringen.

Kohlfest ohne städtischen Zuschuss

Im Kassenbericht von Jürgen Erz sind die Mitgliedsbeiträge von 5 671 Euro und Spenden von 4 005 Euro die größten Einnahmequellen. Bei den Ausgaben ist die Unterhaltung des „Olifant“ mit 6 959 Euro der größte Ausgabeposten. Für Veranstaltungen habe der Verein 2 355 Euro ausgegeben. Erz berichtete ferner, dass die „Olifanten“ beim letzten Kohlfest mit Kohlregatta ohne Zuschüsse der Stadt haben auskommen müssen. Allerdings hatte die Stadt Heiligenhafen die Jugendarbeit des Vereins mit 358 Euro unterstützt. Wie Schatzmeister Jürgen Erz kritisch anmerkte, habe er über den Ablauf des Kohlfestes keine Informationen bekommen.

Kasse und Vorstand wurden nach dem Bericht der Kassenprüfer in getrennten Abstimmungen entlastet.

„Olifant“ ist der Stolz des Vereins

An bessere Zeiten erinnerte in einer mit viel Herzblut vorgetragenen Rede Harry-Horst Könekamp. „Wir alle sind dem Club beigetreten, weil wir uns hier wohlfühlen. Unsere damaligen Gründungsmitglieder, bestehend aus Norbert-Dietrich Lange, „Atze“ Krein, Helmut Brumme und wer weiß noch alle, haben diesen Club gegründet, haben keine Kosten und Mühen gescheut, um unseren Olifanten-Club ins Leben zu rufen. Sie waren es, die den Olifanten, unser Vereinsschiff, gekauft haben. Wie sie ihn bezahlen sollten, war damals noch nicht ganz klar und Dank unseres so großzügigen Mäzens Norbert-Dietrich Lange konnten wir das Schiff hier nach Heiligenhafen holen. Hiermit wurden schöne Reisen auf der Ostsee absolviert. Wir nahmen erfolgreich an Regatten, wie der Rum-Regatta, der Hanse-Sail und dergleichen mehr teil. Schnell war unser Schiff bekannt und wir waren alle stolz darauf, ein Olifant zu sein. Dieses Schiff ist der Stolz unseres Vereins.“

Genauso sah es Jugendwart Thomas Kowoll, der in seinem Bericht über die Gründung der Jugendgruppe vor zwei Jahren erinnerte. Heute sind es fünf Jungen und Mädchen, die gerne zu den Jugendstunden kommen und mit Begeisterung an Bord gehen. In diesem Jahr haben die „kleinen Olifanten“ sogar an der Kohlregatta teilgenommen und einen zweiten Platz verbuchen können, der später nur als dritter Platz gewertet wurde, was Enttäuschung bei den Jugendlichen hervorgerufen habe. Auch für diese Segelsaison haben die Olifanten-Jugendgruppe und ihr Jugendleiter Thomas Kowoll viel vor. „Dazu bedarf es aber der Unterstützung der Vereins“, war der Appell an den neuen Vorstand.

Bevor schließlich ein neuer Vorstand gewählt wurde, „legte der Sturm noch einmal nach”, als es darum ging, ob die fünf neuen Mitglieder schon wahlberechtigt sind. Neuzugänge müssten sich in der Mitgliederversammlung vorstellen und diese müsse zustimmen, hieß es. „Dann sind wir alle illegal hier”, rief ein Mitglied in den Saal, denn alle seien ohne diese Regularien Vereinsmitglieder geworden. Bürgermeister Heiko Müller – auch ein „Olifant” – erinnerte an die Vereinssatzung, die hier klare Regelungen enthalte. Danach müsse der Vorstand handeln und wenn es die Mehrheit beschließe, auch eine Niederlage akzeptieren. Danach sollte man sich die Hand reichen und zum Wohle aller weiterarbeiten. Nach langem Hin und Her wurden dann die neuen Mitglieder mit Mehrheitsbeschluss aufgenommen.

Krein und Bock stehen jetzt an der Vereinsspitze

Als neues kurioses Szenarium entwickelte sich der eigentliche Wahlvorgang. Zuerst waren zu viele Stimmzettel für die 32 stimmberechtigten Mitglieder verteilt worden. Dann wurden 32 Stimmzettel ge-stempelt und neu ausgegeben. Dank Wahlhelfer Uwe Fahrenkrog konnte die Wahl dann zügig erfolgen. Für den Posten des 1. Vorsitzenden bewarben sich Klaus Krein und Wolfgang Mangler, wobei Klaus Krein drei Stimmen mehr als sein Mitbewerber erhielt und die Wahl gewann. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wählte die Versammlung Armin Bock aus Heiligenhafen/Ortmühle mit 15 Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Die neue Schatzmeisterin Marion Schafhäutle aus Hannover wurde mit 21 Ja-Stimmen gewählt. Jugendwart Thomas Kowoll freute sich über sein einstimmiges Wahlergebnis.

Das Amt für „Öffentlichkeitsarbeit” wurde auf Mitgliederbeschluss gestrichen. Diese Arbeit könne der Vorstand übernehmen, war die Meinung der „Olifanten”. Als Kassenprüfer für ein Jahr wird Petra Kowoll tätig werden. Clarissa Preuß prüft die Kasse für zwei Jahre.

Zu guter Letzt: Nach Beendigung der Olifanten-Mitgliederversammlung gab es noch drei Austritte zu verzeichnen. Darunter Schriftführer Thorsten Schweitzer. Für den neuen Vorstand eine weitere Herausforderung, denn jetzt muss laut Satzung ein neuer Schriftführer nachgewählt werden. · ft

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