Erweiterungsbau für Regionalschule vorgestellt / Vollständige Kreditfinanzierung des 1,5 Millionen-Baus

Musikinstrumente auf Reisen

+
In der Realschule werden die Musikinstrumente seit 1988 zu den Aufführungen in der Pausenhalle getragen – Treppen hoch und wieder hinunter, denn der Musikraum befindet sich im Kellergeschoss.

HEILIGENHAFEN (hö) · Musikinstrumente sind teuer und empfindlich. Ein Lied davon singen kann Sabine Baier, Musiklehrerin an der Realschule. Gibt es Aufführungen in der Pausenhalle, müssen die Schüler sperrige Instrumente wie Metallophone oder Schlagzeug, schwere Verstärker und Sonstiges jedes Mal aufs Neue aus dem im Keller befindlichen Musikraum hoch ins Erdgeschoss und auch wieder hinuntertragen.

Doch dies hat möglicherweise bald ein Ende, denn ein für die zum Schuljahr 2010/11 startetende Regionalschule erforderlicher Erweiterungsbau schließt auch den Neubau eines Musikraumes mit ein. Damit könnte die Reisezeit der Musikinstrumente endlich ein Ende finden. Denn: „Seit 1988 tragen wir die Instrumente hin und her“, so Sabine Baier.

▪ Bessere Nutzung der Pausenhalle

Architekt Jan F. Gollus stellte seine Ideen nun im Ausschuss für Bildung und Soziales vor. Dabei unterbreitete er den Vorschlag, auf der Ostseite des Gebäudes einen Musikraum anzubauen und eine Verbindung zu schaffen zur Pausenhalle, die momentan mehr schlecht als recht als Aula genutzt werden kann. Gleichzeitig könnte ohne größeren Aufwand eine Bühne geschaffen werden.

Fiele der Musikraum im Keller weg, könnte parallel die Schulküche, derzeit gerade einmal mit fünf Kochstellen ausgestattet, vergrößert werden. Des Weiteren bestünde die Möglichkeit, an die Schulküche eine Cafeteria anzugliedern, um die Attraktivität der Schule auch bei einer möglichen Ausweitung des Nachmittagsangebotes weiter zu erhöhen.

Einschließlich eingeschossigem Erweiterungsbau wird die neue Regionalschule dann zwölf Klassenräume mit einer Mindestgröße von 56 m² sowie sechs etwa 35 m² große Lernwerkstätten beherbergen. Weiter vorgesehen, so Jan F. Gollus, sei eine Vergrößerung des Lehrerzimmers sowie die Errichtung weiterer Besprechungs- und Arbeitszimmer. Darunter ist auch ein Raum für den Schulsozialarbeiter. Die Sinnhaftigkeit dieser zum Schuljahresbeginn 2009/10 neu geschaffenen Stelle stand im Ausschus für Bildung und Soziales außer Frage, so trafen die Ausschussmitglieder der Kontinuität wegen die Beschlussempfehlung, den bislang auf ein Jahr befristeten Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. Die Entscheidung obliegt dem Hauptausschuss.

Den Spagat, den die Stadt Heiligenhafen bei alldem demnächst zu bewältigen hat, spiegeln zwei Aussagen wider: „Wenn wir den Schulstandort attraktiver machen wollen, müssen wir etwas Konkurrenzfähiges bauen“, so Monika Rübenkamp (SPD). „Bei den im Raum stehenden Summen bekomme ich eine Gänsehaut und ich habe die Befürchtung, dass wir in drei, vier Jahren gar nichts mehr machen können“, reagierte Ausschussvorsitzender Stephan Karschnick (CDU) auf den bevorstehenden finanziellen Kraftakt, den die Stadt zu stemmen hat. Mit rund 1,5 Millionen Euro dürfte die Gesamtmaßnahme zu Buche schlagen. Fördermittel sind nicht zu erwarten, sodass der Stadt nur eine vollständige Kreditfinanzierung der Maßnahme bleibt. Bei einer Kreditlaufzeit von 40 Jahren würden nach Berechnung der Verwaltung Zinskosten von rund einer Million Euro anfallen.

▪ Aber auch wegfallende Kosten

Nach Mitteilung von Bürgermeister Heiko Müller relativiert sich die im ersten Moment hohe Investitionssumme jedoch bei einer Betrachtung der Gesamtentwicklung des Schulsektors in Heiligenhafen. So soll die zurzeit im Gebäude der Theodor-Storm-Schule untergebrachte Grundschule in die Franz-Böttger-Schule umziehen, in der bislang die Haupt- und Förderschüler unterrichtet werden, welche schließlich am Standort der Regionalschule beschult werden sollen. Der Umzug wird nach einstimmiger Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bildung und Soziales bereits zum Schuljahresbeginn 2011/12 erfolgen.

Damit könnte die leer stehende Theodor-Storm-Schule einschließlich Grundstück verkauft werden. Allein der Wert des rund 4 700 m² großen Grundstückes beträgt laut Müller 400 000 Euro. Zudem ließen sich jährliche Bewirtschaftungskosten in Höhe von rund 92 000 Euro einsparen. Die Hausmeisterstelle (rund 20 000 Euro) würde wegfallen und auch die jährlichen Leistungen des Bauhofes (rund 16000 Euro).

Diskussionen hatte es zunächst noch darum gegeben, ob das Förderzentrum an der Franz-Böttger-Schule verbleibt oder ebenfalls umzieht. Unterm Strich entstehen für eine Angliederung an die Regionalschule durch die Neuschaffung eines Raumes laut Gollus Investitionskosten von rund 70 000 Euro. In der Beratung, an der sich auch die Rektoren Dorothea Hansen und Bernd Wiegand einbrachten, wurde aber schnell deutlich, dass der Umzug des Förderzentrums aus pädagogischer Sicht sinnvoll wäre.

Bislang war die Stadt Heiligenhafen davon ausgegangen, den Schulanbau für rund eine Million Euro über die Bühne bringen zu können. So sind im Haushalt 2010 bereits 300 000 Euro (Planungskosten, Umbau Lehrerzimmer) eingestellt und 700 000 Euro als Verpflichtungsermächtigung für den Haushalt 2011 dargestellt worden. Jetzt wären also rund 1,5 Millionen Euro fällig. Umzugskosten sind bei dieser Summe noch unberücksichtigt.

Wahlmöglichkeiten gibt es auch noch bei den Varianten der Außenansicht des Schulanbaus, dem der zuständige Architekt mehr Farbe geben möchte. Über die Auswahl der Variante soll nach Vorschlag des Ausschusses die Schulkonferenz entscheiden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.