Archivfoto von Beate Rinck aus 2019
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Ist sonst meist gut gelaunt, doch nachdem kürzlich ihr Autoreifen zerstochen wurde, ist Beate Rinck ins Grübeln gekommen und hat Konsequenzen gezogen.

Beate Rinck tritt nach Hassattacken als Gemeindevertreterin von Heringsdorf zurück

  • Patrick Rahlf
    VonPatrick Rahlf
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Erst kam im vergangenen Jahr ein Kot-Brief, jetzt wurde ihr Autoreifen zerstochen. Beate Rinck will sich dem nicht mehr aussetzen und tritt aus der Heringsdorfer Gemeindevertretung zurück. Doch einen Anlass für die Attacken gibt es nicht.

  • Beate Rinck war bislang stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Heringsdorf.
  • Das Motiv für die Attacken bleibt ein Rätsel, denn zurzeit werde um nichts in der Gemeinde derart intensiv gestritten.
  • Sie sieht ihre Sicherheit und die ihrer Familie nach den beiden Hassattacken nicht mehr gewährleistet.

Heringsdorf – Beate Rinck, bislang stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Heringsdorf und langjährige Gemeindevertreterin, hat die Reißleine gezogen: Sie ist mit sofortiger Wirkung von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Der Grund sorgt für Entsetzen, denn die 64-Jährige ist kürzlich zum zweiten Mal Opfer einer Hassattacke geworden.

„Nachdem mir am 28. September vergangenen Jahres ein Brief mit Kot zugesandt worden war, wurde mir jetzt auf unserem Grundstück im Carport ein Autoreifen zerstochen und ein Holzstück hineingekeilt. In beiden Fällen habe ich Strafanzeige gestellt“, erklärt Beate Rinck. Das haben die Beamten auf Nachfrage bestätigt. 

Besonders der zweite Vorfall habe sie „in hohem Maße schockiert“, sodass sich die Ehrenamtlerin dazu entschieden hat, alle politischen Ämter sofort niederzulegen. „Weder sehe ich meine Sicherheit noch die meiner Familie gewährleistet. Zudem möchte ich keinen dauerhaften gesundheitlichen Schaden erleiden, von den materiellen Schäden einmal abgesehen“, so Beate Rinck, die nicht versteht, warum ein Mensch einen derartigen Groll gegen sie hegt. „Ich kann es mir nicht erklären. An meiner Funktion als Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Wagrien-Fehmarn kann es doch nicht liegen. Ebenfalls habe ich privat mit niemandem Streit. Deshalb kann ich nur vermuten, dass es mit der Kommunalpolitik zu tun haben muss“, sagt die 64-Jährige. 

Es ist für Rinck wichtig, diese Vorfälle öffentlich zu machen

Ihr sei es wichtig, nicht über die Vorfälle zu schweigen, sondern diese öffentlich zu machen, schließlich seien derartige Attacken gegenüber Kommunalpolitikern in keiner Weise zu dulden. „Ich war mehr als 17 Jahre politische Ehrenamtlerin. Was geht in den Köpfen von Menschen vor, die so etwas machen?“, fragt sich Rinck. Es dürfe nicht sein, dass Menschen ihren Hass und Frust an anderen auslassen. „In der großen Politik muss ein Karl Lauterbach viel aushalten. Aber er ist Berufspolitiker und wird dementsprechend geschützt. Wir sind doch alle nur Feierabend-Politiker“, sagt die 64-Jährige enttäuscht. 

Ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Wagrien-Fehmarn, der das Ziel verfolgt, in Oldenburg ein Hospiz zu erreichten, will die in Klötzin wohnende 64-Jährige fortführen. 

Der Abgang von Beate Rinck ist ein großer Verlust für unsere Gemeinde. Das Ehrenamt wird zunehmend mit Füßen getreten.

Udo Scholz (CDU), Bürgermeister von Heringsdorf

Derweil zeigt der Heringsdorfer Bürgermeister Udo Scholz (CDU) Verständnis für den Rücktritt Rincks. „Trotzdem bedauere ich ihn, denn der Abgang von Beate Rinck ist ein großer Verlust für unsere Gemeinde.“ Für den Bürgermeister, der ebenfalls jahrzehntelanger Ehrenamtler ist, ist die Einstellung vieler Bürgerinnen und Bürger gegenüber Politkern insgesamt ein Problem. „Das Ehrenamt wird zunehmend mit Füßen getreten, das Maß ist voll. Bei uns darf man nicht seinen Frust abladen.“ Aber nicht nur Kommunalpolitiker, auch Feuerwehrkräfte und Bauhofmitarbeiter seien in der Vergangenheit immer wieder Opfer von wüsten Pöbeleien geworden. „Das alles bedeutet nicht, dass wir nicht kritikfähig sind – im Gegenteil. Wir sind immer an Gesprächen interessiert ist, doch was nun passiert ist, hat eine neue Stufe erreicht.“ 

Die Gemeindevertretung würde sich derzeit mit vielen wichtigen und auch brisanten Themen beschäftigen, es werde allerdings um nichts derart intensiv gestritten, dass sich daraus ein Motiv für die Hassattacken gegen Beate Rinck ableiten lasse, so Scholz.

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