Thomas Deutsch in der Kabine seines Kutters „MS Einigkeit“.
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Kutterkapitän Thomas Deutsch wünscht sich im Zuge der neuen EU-Fangbeschränkungen Unterstützung aus der Bundes- und Landespolitik. Seinen Beruf möchte der 55-Jährige noch weiter ausüben.

Neue EU-Fangbeschränkungen stellen auch die Heiligenhafener vor Probleme

Fischer wünschen sich Unterstützung aus der Politik

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
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Die neuen EU-Fangbeschränkungen werden im Jahr 2022 in Kraft treten. Ab dann darf nur noch ein Dorsch pro Tag gefangen werden. Auch Hering darf im kommenden Jahr nicht mehr gezielt befischt werden. Viele Fischer stellt das vor Existenzsorgen.

  • Fischer in Heiligenhafen wollen weitermachen, aber sie wünschen sich Unterstützung aus der Politik.
  • Auch die Fangstoppzeiten stellen die Fischer vor große Herausforderungen.
  • Fischer sagen einen Preisanstieg bei heimischem Frischfisch voraus.

Heiligenhafen – Die neuen Fangmengen, für die sich die EU-Agrarminister für das Jahr 2022 geeinigt haben, stellen viele Fischer vor existentielle Probleme. So dürfen Dorsch und Hering im kommenden Jahr nicht mehr gezielt befischt werden. Auch viele Fischer in Heiligenhafen stellt das beschlossene Tagesfanglimit von einem Dorsch pro Tag vor große Herausforderungen.

„Das ist schon existentiell. Wie es weitergeht, wissen wir auch nicht“, sagt Kutterkapitän Thomas Deutsch der HP auf Nachfrage. Doch ans Aufgeben denkt der 55-Jährige, der auf seiner MS Einigkeit Angelfahrten für Touristen anbietet, noch lange nicht. „Wir wollen weitermachen, aber es muss auch von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt sein.“ Es sei zweifelsohne eine schwierige Situation, in der er sich jetzt befinde. Deutsch möchte künftig Kombitouren anbieten, bei denen morgens beispielsweise nur Plattfische geangelt werden und nachmittags Dorsch.

„Ich sehe das nicht so schwarz. Die Wissenschaft sagt, dass keine Kleinfische mehr unterwegs seien. Ich sage, es gibt noch Kleinfische, das ist unsere Hoffnung“, so der 55-Jährige. Um wieder mehr Hoffnung zu haben, wünscht sich Deutsch aber auch Hilfe aus der Politik, sowohl vom Land als auch vom Bund.

Fangstoppzeiten sind die größte Sorge von Ulrich Elsner

Auch für die 17 Fischereibetriebe von Ulrich Elsner, Geschäftsführer der Küstenfischer Nord, wird das kommende Jahr nicht einfach werden. „Wir leiden massiv darunter und müssen uns auf Schließungen vorbereiten“, so Elsner. Für ihn gehe es jetzt vor allem darum, die Kosten zu reduzieren. Dabei seien die Fischfangquoten noch nicht einmal seine größte Sorge. „Es sind mehr die langen Fangstoppzeiten, die im nächsten Jahr für die westliche Ostsee vom 15. Januar bis zum 31. März dauern werden. Dann können wir zehn Wochen lang nicht fischen, das ist ein riesen Problem.“ Elsner fragt sich, wie er dann seine Mitarbeiter weiter bezahlen soll. Die Fahrzeuge hätten während des Fangstopps zu lange Liegezeiten, und in jedem Anlandehafen müsse auch während des Stillstands immer noch ein Verantwortlicher präsent sein.

Für die hiesige Gastronomie sieht Elsner vor allem einem deutlichen Preisanstieg entgegen: „Der Frischfisch aus unserer Region wird vom Preis wahrscheinlich in den nächsten zwölf Monaten um 20 bis 30 Prozent anziehen.“ Ein Großteil des Speisefisches werde aber aus anderen Ländern wie beispielsweise Norwegen importiert, sagt der Geschäftsführer der Küstenfischer Nord.

Wenn wir die Fischerei erhalten wollen, dann müssen die Fangstoppzeiten weg.

Ulrich Elsner, Geschäftsführer der Küstenfischer Nord

Er verstehe natürlich auch, weshalb die Politik diese Maßnahmen einleitet. „Die Politik versucht rudimentär, die Fischerei zu erhalten“, so Elsner. Das sei auch in seinem Interesse. Er finde es jedoch schlimm, dass es vor allem die Fischer seien, die diese Situation ausbaden müssten. „Wenn wir die Fischerei erhalten wollen, dann müssen die Fangstoppzeiten weg.“ Laut Elsner könnten die Fischer anstatt Dorsch zu fangen auf Plattfische ausweichen, von denen es seiner Ansicht nach momentan reichlich in der Ostsee gebe. 

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