Orkantief "Xaver" fegte über Heiligenhafen

„Wir hatten eine Menge Glück“

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Wie an der Nordsee: Das Wasser hatte sich komplett zurückgezogen.

Von Patrick RahlfHEILIGENHAFEN - Das Orkantief „Xaver“ ist Geschichte, doch noch lange wird es den Menschen in Erinnerung bleiben. Zwar hielten sich die Sturmschäden in der Warderstadt und den Nachbargemeinden in Grenzen, doch etliche Pendler waren von der über 35-stündigen Vollsperrung der Fehmarnsundbrücke betroffen. Wer auf der Insel arbeitet, der musste von Donnerstagabend bis Sonnabendmorgen auf Fehmarn ausharren. Der Rückstau von der Fehmarnsundbrücke reichte bis auf die Höhe des Parkplatzes „Ostseeblick“ zurück. Glimpflich kam die Warderstadt unterdessen bei dem so gefürchteten Hochwasser davon. „Wir hatten eine Menge Glück“, lautete gestern das Fazit von Bürgermeister Heiko Müller.

Er war bereits am Freitag froh, dass die Warderstadt das Orkantief relativ unbeschadet überstanden hat. Kleinere Einsätze hätte die Feuerwehr schnell und problemlos gemeistert. Ebenso zufrieden zeigte sich Wehrführer Michael Kahl. „Wir hatten 19 Einsätze seit 20.30 Uhr am Donnerstag“, erklärte er. Darunter einige umgeknickte Bäume, Dachpfannen, die sich von Häuserdächern gelöst hatten, und ein umgeknickter Schornstein. Entlang der Stadtkirche und am Salzspeicher wurden die Wege aufgrund herunterfallender Dachpfannen abgesperrt. Auch nach Großenbrode musste die Heiligenhafener Feuerwehr am Donnerstagabend um 21.50 Uhr ausrücken. Auf der Fehmarnsundbrücke war ein Lkw umgekippt, und die zwei Insassen mussten leicht verletzt geborgen werden. Zudem setzte gegen 22.20 Uhr ein dichtes Schneetreiben ein. „Sonst ist Heiligenhafen gut davongekommen“, berichtete Michael Kahl am Freitagmorgen. Ein auf dem Parkplatz vor dem Kaufhaus Stolz umgefallener Baum gehörte noch zu den Opfern des Sturms. Außerdem musste die Feuerwehr im Heiligenhafener Ferienpark ran, da sich die Teerpappe vom Dach gelöst hatte. Der Innenhof musste abgesperrt werden.

Ein besonderes Bild erlebten die Heiligenhafener am Freitag. Der Binnensee erlebte einen „Niedrigwasserstand wie noch nie“, berichtete Bürgermeister Heiko Müller. Der Orkan war dafür verantwortlich, dass das Wasser aus dem Binnensee sowie aus dem Yacht- und Kommunalhafen zurückgedrückt wurde. Am Freitagmorgen fühlte man sich schon fast an die Nordsee versetzt. Auf gut Deutsch herrschte „Ebbe“. Auch in Strandhusen war das Wasser weitestgehend verschwunden. Doch dieser Zustand hielt nicht lange an. Das Wasser kam zurück, und die Fluttore des Binnensees wurden am Freitagabend gegen 21.45 Uhr bei einem Pegelstand von 70 Zentimetern geschlossen. „Die neue Promenade wäre sonst unter Wasser gesetzt worden“, erklärte Heiko Müller. Von weiteren Überschwemmungen blieb die Warderstadt in der Folgezeit nur verschont, „weil wir großes Glück hatten“, so Müller. „Hätte sich der Wind ungünstig gedreht, hätte es ein Szenario gegeben, das man sich nicht hätte vorstellen wollen.“ Parallelen zum Jahr 2006, als Heiligenhafen stark vom Hochwasser betroffen war, würden vielen noch in den Knochen stecken. Bereits am Sonnabendmorgen trauten sich die ersten Surfer und Kiter wieder aufs Wasser und konnten die Nachwehen des Orkantiefs „Xaver“ noch für sich nutzen.

Zur selben Zeit wurde nach mehr als 30 Stunden der umgekippte Lkw auf der Fehmarnsundbrücke geborgen. Im Anschluss wurde Fehmarns „Lebensader“ wieder für den Verkehr freigegeben. Hunderte Autos und Lastkraftwagen, die seit Donnerstagabend auf der E 47 ausgeharrt hatten, durften sich wieder in Bewegung setzen. Auch alle Festländer, die zwei Nächte lang auf Fehmarn festsaßen, konnten den Heimweg antreten und ihre Familien wieder in die Arme schließen. Neukirchen ist von Auswirkungen des Orkantiefs „Xaver“ unterdessen so gut wie verschont geblieben. „Ich weiß von einem Einsatz, als ein auf die Straße gefallener Baum zur Seite geräumt werden musste“, sagte Neukirchens Bürgermeister Bernd Bruhn. In Heringsdorf blieb es sogar noch ruhiger. „Die Bäume, die morsch waren, sind schon vom letzten Orkan vor einigen Wochen erwischt worden“, erklärte Bürgermeister Gerd Heino auf HP-Nachfrage. Ihm sind keine Feuerwehr-Einsätze bekannt. „Wir wurden dieses Mal verschont“, sagte ein glücklicher  Bürgermeister.

Großenbrode ist nach Angabe von Bürgermeister Jens Reise „mit einem blauen Auge davongekommen“. „Die Nacht war relativ entspannt. Wir haben mit Schlimmerem gerechnet, da die Feuerwehr nur zu zwei Einsätzen ausrücken musste“, erklärte er am Freitagvormittag.

Neben dem vom Orkan umgewehten Lkw auf der Fehmarnsundbrücke, mussten sich die Kameraden auch um das Scheunendach von Großenbrodes früherem Bürgermeister Klaus Reise kümmern, das sich gelöst hatte. Zahlreiche Teile flogen in der Gegend umher, die eingesammelt werden mussten. „Zur Sicherheit haben wir die Straße Hinter den Höfen sofort gesperrt“, berichtete Jens Reise. Insgesamt mussten die Kameraden am Wochenende 22 Mal ausrücken. Mitarbeiter des Bauhofes haben am Freitagmorgen damit begonnen, die Äste einzusammeln und die umgestürzten Bäume zu sichern. Sorgen hat Bürgermeister Reise am Freitag das Niedrigwasser gemacht. „Wir erwarten eine kleine Flut, die in die Lübecker Bucht zurückschwappen wird. Ich hoffe, dass unser Strand nicht zu arg in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Jens Reise habe in 30 Jahren ein derartiges Szenario in Großenbrode noch nicht erlebt. „Es ist das flachste Wasser am Strand, das ich je gesehen habe“, so Reise am Freitag. Doch seine Befürchtungen sollten unbegründet bleiben. „Aufgrund günstiger Windverhältnisse ist die Situation entspannt geblieben“, sagte er gestern Abend.

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