Hans-Georg Hannappel steht in seiner Apotheke hinter dem Verkaufsthresen.
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Apotheker Hans-Georg Hannappel geht zum Monatsende in Rente und findet für seine Paracelsus-Apotheke in Großenbrode keinen Nachfolger. Deshalb wird es nun erstmal keine Apotheke mehr in der Gemeinde geben.

Kein Nachfolger gefunden

Die nächste Apotheke in der Region schließt

  • Hans-Jörg Meckes
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In der Gemeinde Großenbrode schließt die Paracelsus-Apotheke Ende Januar ihre Türen. Apotheker Hans-Georg Hannappel geht in den Ruhestand und findet keinen Nachfolger. Künftig würden Apotheken aus der Region Lieferservices anbieten.

  • In Großenbrode wird es ab Februar keine Apotheke mehr geben.
  • Apotheker in ländlichen Regionen zu finden, wird aufgrund der Verdienstmöglichkeiten immer schwieriger.
  • Apotheken könnten künftig Medikamente nach Großenbrode ausliefern.

Großenbrode – Das Apothekensterben setzt sich weiter fort. In Großenbrode wird die Paracelsus-Apotheke zum Monatsende hin schließen, weil Inhaber Hans-Georg Hannappel in Rente geht. Zuvor versuchte er einen Nachfolger zu finden, was allerdings nicht gelang. Für die Großenbroder ist die Schließung ein großer Verlust, doch Bürgermeister Jens Reise (CDG) gibt zumindest etwas Entwarnung: Rezepte könnten künftig von Arztpraxen in Großenbrode an die Apotheken, die einen Lieferservice anbieten, geleitet werden und würden dann von diesen bis an die Haustür gebracht.

Im Arbeitszimmer der Apotheke von Hans-Georg Hannappel liegen bereits diverse Aktenordner auf dem Boden, und erste Möbelstücke sind schon von den Wänden abgerückt. Am 31. Januar wird die Paracelsus-Apotheke in der Teichstraße das letzte Mal geöffnet sein. Dann ist nach über 35 Jahren Schluss. Der 64-Jährige geht in den Ruhestand und wollte seine Apotheke eigentlich an eine ehemalige Mitarbeiterin übergeben, die sich dann jedoch dagegen entschieden habe, seinen Betrieb weiterzuführen, erzählt er. „Ich habe mich dann vier Monate um einen Nachfolger bemüht, aber ich habe niemanden gefunden.“

Es wird schwerer, einen Nachfolger zu finden

Einen Apotheker als Filialleiter zu finden, gestalte sich in der heutigen Zeit immer schwieriger, erklärt Hannappel und nennt dafür hauptsächlich zwei Gründe: „Auf dem Land sind die Verdienstmöglichkeiten schlechter als bei größeren Apotheken. Hinzu kommt die Work-Life-Balance.“ Damit meint er vor allem die langen Arbeitszeiten, die mit den Notdiensten der Apotheken geleistet werden müssten. Pro Woche würden circa 50 bis 60 Arbeitsstunden anfallen. Auch für junge Frauen, die Kinder haben, seien diese Arbeitszeiten nur schwer mit dem eigenen Familienleben vereinbar, so Hannappel weiter. Man müsse auch unterscheiden zwischen der älteren und der jüngeren Generation, denn die Werte der Jugend sowie die Einteilung ihres Lebens hätten sich verändert, sagt der 64-Jährige. Nicht jeder junge Mensch, der jetzt in das Berufsleben startet, strebe ein Leben in einer ländlichen Region an. Allerdings könnte die Attraktivität des ländlichen Raumes nach Vorkommnissen wie der Pandemie künftig auch wieder zunehmen, schätzt der Apotheker. Aktuell seien für junge Menschen, die ihr Pharmaziestudium beendet haben, Arbeitsbereiche in der Industrie oder in Behörden attraktiver, sagt Hannappel.

Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein kann die Gründe, die Hannappel aufzählt, bestätigen. „Wir beobachten seit längerer Zeit, dass Apotheken schließen, sagt Geschäftsführer Frank Jaschkowski auf Nachfrage. Apotheken könnten heute nicht mehr so wirtschaftlich betrieben werden wie noch vor 15 Jahren. Apotheker würden laut Jaschkowski auf dem Arbeitsmarkt eine gute Beschäftigungssituation vorfinden. Deshalb sei es umso schwerer, einen Nachfolger zu finden, je entlegener die Orte sind. „Die Folge ist, dass die Apotheken dort nach und nach verschwinden.“

„Pro Tag schließt in Deutschland eine Apotheke.“

Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein

Jaschkowski wünscht sich deshalb von der Gesundheitspolitik, dass mehr Vertrauen geschaffen wird und dass wirtschaftliche Rahmenbedingungen regelmäßig überprüft werden. „Der Versandhandel macht noch keine großen Sorgen, es muss aber sichergestellt werden, dass Apotheken ausreichend viel verdienen. Der Fachkräftemangel ist inzwischen auch bei den Apotheken angekommen.“

Pro Tag schließe in Deutschland eine Apotheke, beschreibt er weiter und betont, dass allein Schleswig-Holstein in den letzten zehn Jahren 140 Apotheken verloren habe. Aktuell seien noch circa 600 Betriebe geöffnet.

Erinnerungen an die Anfangszeit vor 35 Jahren

Hannappel, der ursprünglich aus Süddeutschland kommt, erinnert sich noch ganz genau, wie er vor 35 Jahren mit 29 in den Norden nach Ostholstein kam: „Ich kam aus Berlin und hatte einen Motorradtrip gemacht. Als ich abends am Strand stand und mir die Landschaft mit der Fehmarnsundbrücke ansah, wusste ich, hier will ich bleiben. Die Entscheidung bereue ich keine Minute, das hier ist eine tolle Gegend.“

Die Einrichtung für die Apotheke hatte er sich damals in Schwaben in der Nähe von Stuttgart gekauft, erzählt er. „Das jetzige Haus kaufte damals meine Mutter und ich habe es selbst ausgebaut. Alles hat gut funktioniert.“ Dass seine Apotheke jetzt nicht von jemand anderem übernommen werde, könne er persönlich aber verkraften. Vor allem ist er froh darüber, dass seine Mitarbeiterinnen Karin Sichter und Vanessa Krasa ab Februar eine neue Arbeit gefunden haben. Er selbst wohne auch weiterhin über seiner alten Apotheke. Die Räumlichkeiten werde er zukünftig vermieten, so Hannappel.

Wie geht es weiter in Großenbrode?

Ohne eine eigene Apotheke müssten die Großenbroder nun normalerweise längere Fahrwege in Kauf nehmen. Doch Bürgermeister Jens Reise, der bereits Gespräche mit Ärzten und einem Apotheker von Fehmarn aufgenommen hat, gibt zumindest etwas Entwarnung: „Der Apotheker wird dann über das Sammeln von Rezepten, die bei den Ärzten abgegeben werden können, jeden Tag über eine pharmazeutisch-technische Assistentin die Medikamente für die Älteren an die Tür bringen.“

Das bedeute jedoch nicht, dass alle nur an eine Apotheke gebunden sind, konkretisiert Reise: „Es ist so, dass eine freie Apothekenwahl selbstverständlich bestehen bleibt. Es ist nicht so, dass irgendwo Rezepte gesammelt werden. Jeder Arzt kann aufgrund des Wunsches seines Patienten die Rezepte entsprechend zu den Apotheken, die diesen Service anbieten, weiterleiten. Jede Apotheke kann das anbieten.“

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