Kommunen und Land verständigen sich auf vereinzelte Beschränkungen des Tagestourismus

Prävention für Besucher-Ansturm

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Sein erster großer Auftritt: Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt sprach am Montag auf der Pressekonferenz im Kieler Landeshaus. Rechts von ihm steht Landrat Reinhard Sager.

Mit gemischten Gefühlen blicken die Heiligenhafener auf die bevorstehenden Feiertage. Während sich die einen freuen, dass die touristischen Betriebe wieder öffnen und Gäste willkommen heißen können, sind andere wegen der Gefahr einer erneuten Ausbreitung der Corona-Pandemie noch skeptisch.

  • Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brandt bei Pressekonferenz in Kiel
  • Stufenplan für Ostholstein und Lübeck
  • Auch Fehmarn für Touristen offen

Um gut vorbereitet zu sein und wegen der Vollauslastung der Ferienquartiere an den Küsten Schleswig-Holsteins über Himmelfahrt und Pfingsten, haben sich Kommunen und Landesregierung darauf verständigt, zur Vermeidung von Menschenansammlungen den Tagestouristen-Ansturm in einigen Ferien-Hochburgen durch Anordnungen zu lenken und teilweise auch zu beschränken. Das gaben am Montagmittag in Kiel Ostholsteins Landrat Reinhard Sager und sein nordfriesischer Kollege Florian Lorenzen zusammen mit Tourismusminister Dr. Bernd Buchholz, Innenministerin Dr. Sabine Sütterlin-Waack und Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg bekannt. Auch Heiligenhafens Bürgermeister Kuno Brand t (parteilos) nahm an der Pressekonferenz, die live im Internet zu verfolgen war, teil und erläuterte die Feiertags-Maßnahmen für die Warderstadt.

Mit vier Kilometern Küstenlänge habe Heiligenhafen relativ viel Platz, dennoch könne sich nicht jeder Gast gleichzeitig an den Hot-spots wie der Seebrücke und daneben in der Beach-Lounge aufhalten, sagte Brandt: „Dieses Geschehen werden wir sehr genau im Auge behalten und auch kontrollieren. Wenn die Maßnahmen, so wie sie vorgesehen sind, nicht eingehalten werden, dann werden wir Zugänge beschränken und in der Innenstadt vielleicht auch die eine oder andere Straße sperren.“ Das sei vorgesehen, um an gewissen Stellen mehr Platz für Fußgänger zu schaffen, erklärte Heiligenhafens Verwaltungschef.

Lübeck und Ostholstein: Ohne Betreuungsverbot, mit Stufenplan 

Nach den Worten von Ostholsteins Landrat Reinhard Sager wollen Lübeck und Ostholstein über die anstehenden langen Wochenenden ohne Betretungsverbote auskommen. Stattdessen habe man einen Stufenplan entwickelt, der die touristischen Hochburgen in der Lübecker Bucht von Fehmarn bis Travemünde erfasse. „Unser Ziel ist es, Gäste willkommen heißen zu können und trotz des erhöhten Besucheraufkommens die Infektionszahlen gering zu halten“, so Sager. Voraussetzung sei, dass sich alle – Gäste wie Einheimische – an die Kontaktbeschränkungen hielten. Der Stufenplan sehe vor, sich an der Anzahl der Neuinfektionen pro Woche zu orientieren. Entwickeln sich die Infektionszahlen negativ, könne am Ende auch ein Betretungsverbot für die Lübecker Bucht stehen.

Während für die nordfriesischen Inseln und Halligen sowie St. Peter-Ording vom 21. bis 24. Mai sowie vom 30. Mai bis 1. Juni ein Betretungsverbot für Tagesgäste beschlossen wurde, ist Fehmarn für Tagestouristen offen. Auf Nachfrage, warum diese Ausnahme gelte, nannte Sager, in Absprache mit Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber, neben der Größe der Insel den Zugang über eine Bundesstraße.

Weber schloss sich der Einschätzung Sagers ohne Wenn und Aber an. „Die Größe der Insel ist unser einziger Vorteil – wir werden sehen, ob wir diesen Vorteil ausspielen können“, so Fehmarns Verwaltungschef im Nachgang auf HP-Nachfrage. Er zeigte sich zufrieden mit dem abgestimmten Stufenkonzept für Ostholstein und Lübeck.

Es besagt, dass es bis 14 Neuinfizierte pro 100000 Einwohner in der Woche keine Verbote geben wird. „Ab 15 Personen gilt die zweite Stufe“, so Weber, indem der Kreis mittels Allgemeinverfügung ein Betretungsverbot für Tagestouristen aussprechen werde. Ab 25 Infizierten kommt es zur Reduzierung der Übernachtungskapazitäten. Als Stufe vier steht die deutschlandweite Grenze von 50 Neuinfektionen auf 100000 Einwohner in der Woche.

„Mit dem heutigen Wegfall des touristischen Einreiseverbots heißen wir jeden Gast im echten Norden wieder herzlich willkommen“, sagte Buchholz am Montag. Klar sei aber auch, dass die Corona-Pandemie noch lange nicht überwunden sei und daher jeder selbst ein hohes Interesse daran haben müsse, Orte zu meiden, die angesichts der Buchungslage schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen geraten.

„Unser schönes Land mit seinen langen Stränden und dem herrlichen Binnenland samt Nord-Ostsee-Kanal und vielen Seen bietet Platz für alle, aber nicht für alle gleichzeitig in bestimmten Top-Destinationen wie Sylt oder Timmendorfer Strand“, sagte Buchholz. Darum unterstütze die Landesregierung die einzelnen Entscheidungen der Kommunen. Nach den Worten von Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg erlaube es die aktuelle Gesundheitslage in Schleswig-Holstein landesseitige Verbote und Beschränkungen schrittweise abzubauen. „Das bedeutet auf der anderen Seite ein deutliches Mehr an Eigenverantwortung. Dabei bleibt besonnenes Handeln, das Vermeiden von Menschenansammlungen, die Einhaltung von Hygieneregeln und gegenseitige Rücksicht das Wichtigste überhaupt“, so Garg.

Auf Dialog setzen und für Verständnis werben

Mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Landespolizei und Kommunen sagte Innenministerin Sütterlin-Waack: „Selbstverständlich sind Kontrolle und Umsetzung der Regelungen vor Ort in allererster Linie Aufgabe der kommunalen Ordnungsbehörden. Ebenso selbstverständlich werden sie dabei von unserer Landespolizei unterstützt. Wir werden deutlich mehr Polizistinnen und Polizisten auf die Straßen, Promenaden und in den Fußgängerzonen schicken als sonst, und sie werden darauf achten, dass die aufgestellten Regeln eingehalten werden“, so die Ministerin. „Wir setzen dabei weiterhin vorrangig auf Dialog und das Werben für Verständnis. Ich sage aber auch ganz deutlich: Im Zweifel wird mit aller Konsequenz durchgegriffen.“

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