Abgebrochene Teile der Steilküste könnten dem Küstenschutz am Graswarder dienen

Rettet sich die Natur selbst?

Mit dem Forschungsschiff „Littorina“ waren drei Wissenschaftler einige Tage vor der Küste Heiligenhafens unterwegs, um dort Forschungen zu betreiben.
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Mit dem Forschungsschiff „Littorina“ waren drei Wissenschaftler einige Tage vor der Küste Heiligenhafens unterwegs, um dort Forschungen zu betreiben.

Heiligenhafen – Der Küsten- und Strandschutz ist schon seit Jahren ein immer wieder thematisiertes Problem in der Warderstadt. Spätestens nach den erneuten Strandverlusten nach den Stürmen im Januar machen sich die Heiligenhafener Sorgen um ihren geliebten Strand.

  • Forschungskutter vor Heiligenhafen unterwegs
  • Sand von der Steilküste landet am Graswarder
  • Wissenschaftler der Universität Kiel forschen insgesamt drei Jahre 

Ein viel diskutiertes Thema dabei sind Buhnen, die helfen sollen, Strandwegspülungen zu verringern. Wissenschaftler von der Universität in Kiel versuchen aktuell in einem mehrjährigen Projekt herauszufinden, ob die Natur trotz Klimawandel beim Thema Küstenschutz nicht sogar selbst Abhilfe schaffen könnte.

Aus diesem Grund war vom 25. bis zum 29. Mai der Forschungskutter „Littorina“ vor Heiligenhafens unterwegs und zog entlang der Küste seine Bahnen. Ziel der Ausfahrt, die insgesamt bis zum 5. Juni dauerte, war es, an drei verschiedenen Steilküsten Informationen zum Meeresboden zu sammeln. „Wir haben Sedimentproben genommen und im Labor analysiert. Wir haben den Sand untersucht, um zu sehen, wie transportierfähig er ist“, erklärte Dr. Knut Krämer, Geologe an der Universität Kiel.

Der Hintergrund: Heiligenhafen ist ein klassisches Beispiel für das System des Sedimenttransports. Das bedeutet, dass bei Stürmen regelmäßig Teile der Steilküste abbrechen und im Wasser landen. „Das Material wird dann im Laufe der Zeit von den Wellen entlang der Küste transportiert, hier in Richtung Osten“, erklärte der 35-jährige Geologe. Anschließend lande es an einer sogenannten Ausgleichsküste, wo das Material abgelagert werde. „In diesem Fall am Graswarder“, so Krämer weiter. Die neu entstandenen Ablagerungen, die dafür sorgen, dass der Graswarder seit Jahrhunderten immer weiter Richtung Osten wächst, nennen sich Nehrungshaken.

Eines der Ziele des Projekts ist es, zu erforschen, wie viel Sand von der Steilküste am Graswarder landet. „Es geht darum, dieses System zu verstehen“, verdeutlichte der Experte der Kieler Universität.

Mithilfe von Fotos, Videos, Echolot und Bodenproben versuchen die Wissenschaftler nun, Computermodelle zu erstellen. Diese sollen dazu dienen, herauszufinden, wie sich die Küste durch die Folgen des massiven Klimawandels zukünftig verändern könnte. Die Frage hierbei ist: Ist die Küstenzone anpassungsfähig genug, um sich gegen den steigenden Meeresspiegel und die immer mehr und intensiver werdende Stürme selbst zu schützen?

Wellenangriff abmindern: Stürme könnten helfen, Graswarder zu schützen

Der Wasseranstieg könne natürlich nicht verhindert werden. „Den globalen Meeresanstieg interessiert es nicht, ob da jetzt mehr oder weniger Sand vor der Küste liegt, der wird weiter steigen“, stellte Krämer klar, dennoch könne der bewegliche Sand, der von der Steilküste zum Stein- und Graswarder transportiert wird, dem Küstenschutz dienen. Dabei gilt, herauszufinden, ob sich weiterhin genug abgebrochenes Material von der Steilküste am Graswarder ablagert, um so das Strandprofil vor den beiden Wardern zu erhalten.

Auch wenn Stürme prinzipiell erst einmal schlecht seien, so Knut Krämer, könnten sie für den Küstenschutz in Heiligenhafen von Vorteil sein. Denn dadurch würde mehr Steilküsten-Sand abgetragen werden und anschließend am Graswarder landen. „Wenn hier mehr Material im Vorstrandbereich zur Verfügung steht, kann dies den Wellenangriff auf den Strand möglicherweise abmindern.“ Der dadurch flacher verlaufende Sandabschnitt würde den Wellen schon bevor sie am Strand ankommen, die Energie nehmen, was helfen könnte, die Küste zu schützen. „Und wie genau das vor Ort funktioniert, das wollen wir jetzt lernen“, so der Geologe.

Informationen und Details zum Projekt

Die Untersuchungen an den drei Steilküsten in Heiligenhafen, Stohl und Schönhagen sind Teil des Verbundprojektes “Morphologische Projektionen Ostseeküste 2100“. Ausgesucht wurden die drei Steilküsten aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtungen – Heiligenhafen ist ost-westlich und relativ gerade ausgerichtet. Finanziert wird das Projekt vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des LandesSchleswig-Holstein. Die Projektleitung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat Prof. Dr. Christian Winter. Dr. Knut Krämer fuhr als Geologe auf dem Forschungskutter „Littorina“ mit und führte mit zwei weiteren Wissenschaftlern die Untersuchungen an Bord durch. Das Projekt zieht sich insgesamt über drei Jahre. Weitere Besuche in Heiligenhafen sind in Planung, genaue Zeiträume stehen allerdings noch nicht fest.

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